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#failoftheweek Grumpy Cat ist tot, aber das zweifelhafte Geschäft mit den „Petfluencern“ geht weiter

Grumpy Cat, Boo und Mr. Pokee - 2019 zählt schon drei tote Internet-Tierstars. Bitter für das Netz, bitter aber vor allem auch für die Besitzer, denn die Tiere brachten viel Geld ein.

Von: Christian Schiffer

Stand: 23.05.2019

ARCHIV - 01.12.2015, USA, Los Angeles: «Grumpy Cat». Die US-Katze, die durch ihr stets mürrisches Gesicht 2012 zur Internet-Sensation wurde, ist tot. | Bild: dpa-Bildfunk/Richard Vogel

Gerade einmal sieben Jahre ist Tardar Sauce alt geworden. Die Mischung aus den Rassen Ragdoll und Perser war besser bekannt als Grumpy Cat. Drei Tage hatte man damit gewartet, der geschockten Weltöffentlichkeit den Tod der Katze mitzuteilen. Am Ende war es wohl eine Harnwegsinfektion, die Grumpy Cat aus dem Leben riss. Es ist bei weitem nicht der einzige Tod eines berühmten Internettiers in diesem Jahr. 2019 ist vielmehr das, was 2016 für Popkultur-Ikonen war: Ein Jahr, in dem der Sensenmann sich offenbar besonders ins Zeug legt.

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Grumpy Cat dies at age 7

Das Instagram-Tier

Das Jahr begann mit dem Tod von Boo, dem süßesten Hund der Welt. Im Alter von zwölf Jahren starb der Zwergspitz an „gebrochenem Herzen“, in etwa so wie Romy Schneider also. Ein Jahr vorher war Buddy gestorben, Boos bester Freund und der zweitsüßeste Hund der Welt. Boo soll seinen Tod nie überwunden haben und so hörte Boos kleines Hundeherz irgendwann auf zu schlagen.

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Boo the Pomeranian dies of broken heart, owners say | ABC7

Grumpy Cat generierte 100 Millionen Dollar

Auch Mr. Pokee ist mittlerweile an einem hoffentlich besseren Ort. Der berühmte Internet-Igel mit seinen 1,3 Millionen Instagram-Followern starb im Alter von dreieinhalb Jahren an einer bakteriellen Infektion in Folge einer Zahn-OP.

Drei tote Internettiere, dabei ist das Jahr noch nicht einmal zur Hälfte rum. Bitter für das Netz, bitter aber vor allem auch für die Besitzer. Und zwar nicht nur, weil sie ihre Tiere hoffentlich lieben, sondern auch deswegen, weil man mit Internettieren eine Menge Geld verdienen kann. Grumpy Cat, Boo und Pokee sind als sogenannte „Petfluencer“ sehr einträglich. Agenturen haben sich auf die Vermarktung der tierischen Internetstars spezialisiert. Alleine Grumpy Cat soll seit 2012 einen Umsatz von 100 Millionen Dollar generiert haben, der kleine Wuschelhund Boo immerhin ganze sechs Millionen. Oft verdienen die Tiere Geld mit Marketing-Aktivitäten, der verstorbene Igel Mr. Pokee beispielsweise findet sich auf Handyhüllen und Tassen. Die Verführung, sein Tier in eine Gelddruckmaschine zu verwandelt, ist groß – und für die Tiere oft eine Belastung.

Hunde, die in Kaffetassen passen

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Grumpy Cat is a real sxsw panel bomb

Grumpy Cat musste sich 2013 auf dem berühmten Internet-Festival South by Southwest von einer Horde aufgekratzter Fans fotografieren lassen. Boo wurde dauernd in alberne Klamotten gesteckt. Und Mr. Pokee wurde herumgetragen, ausgeleuchtet und war generell so gut wie nie in seiner natürlichen Umgebung zu sehen. Es geht aber schlimmer: Immer wieder sorgt ein zweifelhafter Trend aus Südkorea für Kontroversen. Hunde werden so klein gezüchtet, bis sie in eine Kaffeetasse passen, aus der sie dann Instagram-gerecht über den Rand in die Kamera lugen - was gut für die Like-Sammlung sein mag, aber schlecht für die Tiere. Ein anderes Beispiel – und jetzt wird es wirklich beschämend, liebe Menschheit: In Argentinien starb 2017 ein Delphinbaby, weil Touristen das Tier für Selfies an den Strand schleppten. Ähnlich erging es einem Hai.

Liebst Du noch oder quälst Du schon?

Träumen Igel von Igelmassagen?

Grumpy Cats herunterhängende Mundwinkel hatten übrigens nichts mit der schlechten Laune der Katze zu tun, sondern mit einem Gendefekt. Natürlich sah das lustig aus und trotzdem sollten wir vorsichtig damit sein, Tiere zu vermenschlichen. Wenn ein Frosch in einem Internetvideo scheinbar entspannt auf einer Mauer sitzt, dann ist das für den Frosch vielleicht gar nicht so entspannend. Und ein Igel, der auf dem Rücken liegt und sich auf Youtube scheinbar über eine Massage freut, freut sich vielleicht gar nicht, sondern hasst es. So traurig der Tod von Grumpy Cat also ist: Wir sollten ihn zum Anlass nehmen, auch über das Leben unserer tierischen Internetstars nachzudenken.


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