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#failoftheweek Wir sollten Elon Musks Dogecoin-Treiben mit Unbehagen verfolgen

2013 erschaffen zwei Software-Entwickler eine Kryptowährung namens Dogecoin rund um das Doge-Meme. Heute sind sie deshalb schwer reich. Dazu beigetragen hat Elon Musk, mal wieder per Twitter. Christian Schiffer blickt mit Unbehagen auf das Treiben des Tesla-Chefs.

Von: Christian Schiffer

Stand: 14.05.2021

Elon Musk moderiert Saturday Night Live | Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Nbc/Snl

Letztens, da hat Elon Musk die US-Kultshow Saturday Night Live moderiert. Er holte seine Mama Maye Musk auf die Bühne, gab ein paar einstudierte Witze zum Besten, verkleidete sich als Computerspiel-Bösewicht Wario und vernichtete mal eben ein paar Milliarden an Marktkapitalisierung von Dogecoin. „It’s a Hustle“, Dogecoin sei eine Abzocke, sagte unser Milliardärs-Buddy aus dem Internet. Der Kurs von Dogecoin brach um 30 Prozent ein. Dabei hatte Musk den Kurs der Kryptowährung zuvor noch auf Twitter heftig angeheizt. Um 15000 % war die Kryptowährung, die 2013 als Witz von zwei Programmieren gestartet war, in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Nun gings um ein Drittel wieder in den Keller. Bis Elon Musk am nächsten Tag die Sache mit dem Doge 1 ankündigte.

Elon Musk will Grundstein für interplanetaren Handel legen

Doge 1 ist ein Satellit, der von Elon Musks Raketenunternehmen Space X in den Weltraum geschossen werden soll. Finanziert wurde er, natürlich, mit Dogecoin und natürlich soll die Mission nichts weniger als den Grundstein für den „interplanetaren Handel“ legen, wie das Unternehmen von Musk erklärte. Marketing, das muss man Elon lassen, das kann er. Ein bisschen wirkt Elon Musk wie die moderne, coole und reichere Version von Alan Greenspan. Alan Greenspan war von 1987 bis 2006 Chef der amerikanischen Zentralbank. Wenn Greenspan seine Zinsentscheidungen in Mikro nuschelte, dann konnten Börsenkurse steigen oder abstürzen, Investoren versuchten anhand der Dicke von Greenspans Aktentasche herauszufinden, was der „Magier der Märkte“ wohl als nächstes verkünden würde. Elon Musk ist auch Magier der Märkte, allerdings einer, der weniger an Albus Dumbledore erinnert, als vielmehr an die Weasley-Zwillinge Fred und George. Das sind die, die im Harry Potter-Universum zum Spaß auch mal den Schulkorridor in einen Sumpf verwandeln.

Der Herr der Kryptowährungen

Die Kryptowährung "Dogecoin"

Nur kurz nach der der Doge 1-Ankündigung verwandelte Elon Musk dann den Bitcoin-Markt in einen Sumpf. Mitte Februar hatte Tesla noch für 1,5 Milliarden Dollar Bictoin gekauft und den Hype damit angeheizt, nun aber stellt Musk fest, dass Bitcoin, no shit sherlock, dass Bitcoin ja eine ganze Menge Strom verbraucht! Tesla werde deswegen Bitcoin nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren. Die Folge: Bitcoin-Aficionados am Rande des Nervenzusammenbruchs. Manche Milliardäre machen Tontaubenschießen auf der eigenen 30-Meter-Yacht, andere wiederum machen denen eigenen Fußballverein zu ihrem Hobby. Elon Musks Hobby scheint es zu sein, auf der Couch herumzulümmeln und per Twitter Kryptowährungen aufsteigen und wieder abschmieren zu lassen.

Vorsicht, wenn die Blase platzt!

Fairerweise muss man sagen, dass Elon Musk mit seiner Bitcoin-Ankündigung die Aufforderung verband, klimaschonendere Kryptowährungen zu entwickeln. Und heute erst schickte er den Dogecoin wieder um 20 % nach oben, weil er ankündigte, mit den Entwicklern daran arbeiten zu wollen, die teure und recht dreckige Spaßwährung umweltfreundlicher zu machen. Und trotzdem kann man mit einem gewissen Unbehagen auf die Aktionen von Elon Musk blicken, darauf, wie er einen Hype anheizt, den manche auch für einen Blase halten. Denn während Alan Greenspan, auch bedingt durch seinen Posten, mit seiner Macht halbwegs verantwortungsbewusst umgegangen ist, hat man das Gefühl, dass Elon Musk seinen Einfluss sehr viel bedenkenloser ausspielt. Und wenn es ganz schlecht läuft, bricht Dogecoin irgendwann ein und es passiert das, was im Internet schon so oft passiert ist: Aus dem, was als Spaß begonnen hat, wird bitterer Ernst.


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