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#failoftheweek Warum es im Krieg zwischen Fortnite und Apple kein Gut und kein Böse gibt – und man Fortnite trotzdem Glück wünschen sollte

Es ist ein Kampf Goliath gegen Goliath: Epic Games, die Firma hinter dem Computerspiel Fortnite, bläst zur Revolte gegen Apple. Gekämpft wird vor Gericht und auf Youtube. Man muss die Fortnite-Macher nicht mögen, aber sie haben einen Punkt, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 21.08.2020

Fortnite-Clip gegen Apple "Nineteen Eighty-Fortnite" (Screenshot) | Bild: Fortnite / Epic

Eine große Leinwand, Big Brother spricht zu einer Menge von apathisch dreinblickenden Menschen in grauen Anzügen. Blabla... „Einigkeit der Gedanken“... blabla... „Reinheit der Ideologie“... blablabla. Doch dann kommt endlich eine junge Sportlerin ins Bild gerannt und macht dem Geschwurbel ein Ende. Mit Schwung schleudert die Athletin einen riesigen Vorschlaghammer mitten hinein in Big Brothers Propaganda-Fresse.

„Damit 1984 nicht so wird wie 1984‘“ heißt es am Ende des ikonischen Apple-Werbespots, der damals beim Super Bowl-Finale gezeigt wird und der auf den berühmten Roman von George Orwell anspielt. Apple, das steht für Freiheit und für Individualismus, so die Werbebotschaft. Es handelt sich quasi um Widerstand in Produktform gegen die Computerdiktatur von IBM und Co.

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1984 Apple's Macintosh Commercial (HD) | Bild: Mac History (via YouTube)

1984 Apple's Macintosh Commercial (HD)

Goliath gegen Mini-Goliath

36 Jahre später. Schon wieder eine große Leinwand. Schon wieder apathisch dreinschauenden Menschen in grauen Anzügen, schon wieder Propaganda-Blabla. Nur, dass Big Brother diesmal aussieht wie ein Apfel. Und diesmal ist es keine junge Sportlerin, die dem Ganzen ein Ende bereitet, sondern eine Figur aus dem Spiel Fortnite.

„Damit 2020 aufhört, wie 1984 zu sein“, so die Botschaft dieses Youtube-Stinkefingers in Richtung Apple. Der Clip ist eine Provokation und die Begleitmusik zu einem Konflikt, in dem es um sehr viel Geld geht und um die Frage: Wer kriegt im Plattformkapitalismus wie viel vom Kuchen ab? Auf der einen Seite steht Apple, aber auch Google – der Suchmaschinengigant ist bestimmt ganz froh, dass er bei diesem Streit nicht allzu sehr im Rampenlicht steht. Und auf der anderen Seite, da steht Fortnite oder genauer: Epic, die Firma hinter Fortnite, die wiederum zu 40 Prozent dem chinesischem Unternehmen Tencent gehört, einem der zehn wertvollsten Tech-Unternehmen der Welt. Kurz gesagt: In der einen Ecke da steht Goliath und in der anderen Ecke da steht Mini-Goliath.

Money, money, money

Die Fortnite-Macher ärgern sich, dass sie 30 Prozent ihrer Einnahmen an Apple und Google abdrücken müssen. Begleitend zum Werbespot konnten Fortnite-Nutzer deswegen, ihr Geld direkt bei Epic lassen und die App-Store-Gebühr umgehen. Daraufhin schmiss Apple Fortnite von seiner Plattform, daraufhin zog Epic eine bereits vorbereitete Klage aus der Schublade, daraufhin konterte wiederum Apple und drohte damit Epics Entwicklerzugang zu sperren, daraufhin beantragte Epic eine einstweilige Verfügung. Mittlerweile haben sich auch andere Firmen auf Epics Seite geschlagen, darunter Facebook. Und so weitet sich das Ganze zu einem kleinen Atomkrieg im Tech-Bereich aus.

Die 30 Prozent Abgabe ist ungerecht

In dem Konflikt gibt es kein Gut und kein Böse. Epic ist genau so wenig von hehrem Idealismus getrieben, wie es Apple 1984 war. Und dennoch gibt es gute Gründe, den Fortnite-Machern viel Glück zu wünschen. Denn die 30 Prozent Abgabe ist ungerecht und auch nicht mehr zeitgemäß. Ungerecht ist sie deswegen, weil Apple beispielsweise Amazon eine Extrawurst genehmigt hat. Der Online-Gigant muss nur 15 Prozent an Apple abdrücken. Und nicht mehr zeitgemäß ist sie deswegen, weil es ursprünglich hieß, die Gebühr diene nur dazu, die Kosten für den App-Store zu decken. Heute, im Jahr 2020, ist die Abgabe jedoch schon längst eine richtige Cashcow für den Iphone-Konzern geworden. Und dazu passt, dass Apple erst diese Woche einen neuen Rekord aufgestellt hat: Das Unternehmen ist nun über zwei Billionen Dollar wert.


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