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#failoftheweek Warum es völlig okay ist, dass Schüler ihre Hausaufgaben von einer KI erledigen lassen

Erörterungen, Übersetzungen, komplizierte Mathe-Aufgaben: Die Wunder-KI ChatGPT erledigt Hausaufgaben auf Knopfdruck. Genau deswegen sollte man Schülern beibringen, die neuen Tools richtig zu nutzen, kommentiert Christian Schiffer.

Author: Christian Schiffer

Published at: 20-1-2023

Im HintergrundiIllustriertes Symbolbild für künstliche Intelligenz, Vordergrund Handy mit Chat-Sympol | Bild: imago images

Hey ChatGPT, Du alter Schmollmops! Kannst Du bei Hausaufgaben helfen?

"Gerne kann ich Ihnen bei Ihren Hausaufgaben helfen. Bitte geben Sie mir mehr Informationen darüber, welche Art von Aufgabe Sie bearbeiten und an welchem Thema Sie arbeiten."

- ChatGPT

Jaja, schon gut. Zu den ungeschriebenen Gesetzen der Berichterstattung über die KI-Wundermaschine ChatGPT gehört, dass in jedem Beitrag oder Artikel mindestens einmal ChatGPT selbst zu ChatGPT befragt werden muss. Das machen wir heute nicht, denn dass dieser Chatbot eine Menge kann, das dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. ChatGPT schreibt Gedichte und Programmcodes, kreiert Rezepte, die nie ein Mensch zuvor ausprobiert hat, spricht mehrere Sprachen fließend und vermutlich könnte das Programm sogar 1860 München in die Champions League führen, wenn es doch nur einen Trainerschein hätte. 

Wenn ChatGPT deine Hausaufgaben macht

Längst hat sich auch unter Schülerinnen und Schülern herumgesprochen, dass ChatGPT ein super Tool ist, wenn man sich lieber TikTok-Challenges, KPop-Videos oder Genshin Impact widmen will, anstatt seine Zeit mit Hausaufgaben zu verplempern. ChatGPT schreibt auf Knopfdruck Erörterungen, faktorisiert Terme oder übersetzt mal schnell den Boomer-Text aus dem Lighthouse-Englischbuch ins Deutsche. Und deswegen macht sich unter Lehrern langsam etwas Unruhe breit. Hat dem kleinen Franz bei seinem Einser-Aufsatz über Effi Briest vielleicht die Maschine unter die Arme gegriffen? Und seit wann kann Lisa so virtuos mit binomischen Formeln hantieren? In New York hat man deswegen kürzlich zu drastischen Maßnahmen gegriffen: Dort blockieren öffentliche Schulen nun nämlich den Zugang zur Internetseite von ChatGPT.

Medienkompetenz für Chat Bots

Eine Entscheidung geboren aus der Angst vor künstlicher Intelligenz, aus der aber wenig menschliche Intelligenz spricht. Denn die Kids werden natürlich trotzdem Mittel und Wegen finden, die künstliche Intelligenz anzuzapfen. Und generell wäre es besser, man würde den jungen Leuten beibringen, wie man KI-Tools wie ChatGPT richtig nutzt, so wie man heute Schülerinnen und Schülern den richtigen Umgang mit Wikipedia erklärt. Für ChatGPT heißt das, den Heranwachsenden beizubringen, die KI so zu verwenden, dass wirklich etwas Brauchbares dabei herauskommt. Und vor allem: Ihnen klar zu machen, dass ChatGPT auch eine Menge Quatsch produziert, auf den man schnell hereinfällt, wenn man, anstatt den Fasskreisbogen zu pauken, wieder einmal bei Fortnite versumpft ist.

Künstliche Intelligenz ist ein Tool, das vieles erst einmal einfacher zu machen scheint. So, wie viele von uns fälschlicherweise dachten, dass ein Taschenrechner alles einfacher macht. Doch als wir ihn in der achten Klasse endlich im Mathe-Unterricht benutzten durften, stellte sich heraus, das gar nichts einfacher geworden war, dafür aber vieles noch viel viel komplizierter. Man sollte technische Innovationen nicht verbieten, sondern in pädagogische Konzepte einbinden. Und wenn man nicht weiß, wie das geht, liebe Lehrer, dann fragt doch am besten mal nach. Zum Beispiel bei ChatGPT.