Bayern 2 - Zündfunk

#failoftheweek Verbietet endlich Abzock-Spiele wie „Diablo Immortal“!

Sie tarnen sich als Computerspiele, sind aber eigentlich einarmige Banditen: Viele kostenlosen Handyspiele machen süchtig und verleiten zum Geldausgeben. Es wird Zeit endlich einzuschreiten, kommentiert Christian Schiffer.

Author: Christian Schiffer

Published at: 12-8-2022

Das Game "Diablo Immortal" | Bild: Blizzard Entertainment

Das Handyspiel „Diablo Immortal“ ist recht dumm, hat aber einen guten Flow. Am Anfang schnetzelt man sich durch Monsterhorden, dass es eine wahre Freude ist. Mit seinem Kreuzritter stampft man durch diese tote Welt und metzelt Kultisten und Untote dahin, wird stärker und metzelt noch mehr Kultisten und Untote dahin und vielleicht auch mal einen Schreckenswolf, um damit noch stärker zu werden. Hin und wieder findet man Goldmünzen oder ein paar hübsche Beinschoner, die die sensiblen Kreuzritterwaden schützen. Und zack: Schon ist die Stunde rum, in der man eigentlich ja seine Zündfunk-Kolumne schreiben sollte.

„Diablo Immortal“ entwickelt einen unglaublichen Sog, das Spiel scheint sich in jeder Sekunde darüber im Klaren zu sein, dass wir Menschen am Ende gar nicht so schlau sind, sondern einfach nur nach der nächsten Dopamin-Ausschüttung gieren im Frontallappen der Großhirnrinde. „Diablo Immortal“ gibt unserem Hirn, was unser Hirn will: Belohnungen am laufenden Band und das schöne Gefühl, schon früh morgens in der U-Bahn ein Breitschwert in eine Höllenbrut versenkt zu haben.

Das Wodka Bull der Spieleindustrie

Spiele wie „Diablo Immortal“ sind so etwas wie das Wodka Bull der Spieleindustrie: Knallt voll rein, klebt wie Sau, macht einen nicht gerade klüger und der Kater kommt bestimmt. „Diablo Immortal“ kann man sich zwar gratis herunterladen, umsonst ist das Spiel aber trotzdem nicht. Irgendwann werden die Kultisten und die Untote zu stark und die Zeit bis zum nächsten Stufenaufstieg zieht sich wie Kaugummi.

7.200 ewige Kugeln für schlappe 99,99 Euro

Der Spieler von „Diablo Immortal“ wird immer wieder zum Kauf "einmaliger Angebote" aufgefordert

Aber Gottseidank kann man sich im Ingame-Store für nur 1,09 Euro die "Truhe des vergessenen Turms“ rauslassen! Die enthält 60 ewige Kugeln, zwei seltene Embleme, ein legendäres Emblem und sechs normale Edelsteine. Wow! Die ewigen Kugeln sind die spieleigene Währung, mit der man seinen Helden dann beispielsweise neue, bessere Beinschoner kaufen kann. 7.200 ewige Kugeln gibt es für schlappe 99,99 Euro.

Kurz gesagt: „Diablo Immortal“ macht am Anfang Spaß, doch wer weiter Spaß haben will, der muss Geld ausgeben, und zwar auf dermaßen intransparente Art und Weise, die einen Hütchenspieler am Bahnhof im Vergleich dazu so serös wirken lässt wie Herrn Kaiser von der Hamburg Mannheimer.

Lootboxen – virtuelle Wundertüten

Das Spiel setzt zudem sogenannte Lootboxen, virtuelle Wundertüten, bei denen man nie weiß, was man bekommt. Wozu das führt, hat der Youtuber Quinn in einem Experiment herausgefunden. Der Neuseeländer gab 10.000 Euro in dem Spiel aus und erhielt trotzdem keinen einzigen der begehrten Fünf-Sterne-Edelsteine.

Glücksspielmechanik auch bei FIFA-Game

Lootboxen gibt es auch in anderen Spielen. In dem Fußballspiel FIFA beispielsweise zieht man, wenn man Glück hat, Ronaldo oder Messi. Und wenn man Pech hat, Bankdrücker vom FC Augsburg. 1,5 Milliarden US-Dollar verdient die Firma Electronic Arts jährlich alleine über diese Glücksspielmechanik. Freigegeben ist das FIFA-Spiel ab null Jahren.

Längst weiß man, dass Lootboxen süchtig machen und dazu führen können, dass Menschen die Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren. Genau darauf zielt „Diablo Immortal“ ab. Auch deswegen hassen die Spieler das Spiel, auf der Computerspiel-Bewertungsplattform "Metacritic" kommt „Diablo Immortal“ auf einen Userscore von 0,5 von 10 und dürfte damit als das vermutlich unbeliebteste Spiel überhaupt in die Computerspielgeschichte eingehen. Eine Cash Cow ist es natürlich trotzdem. Letztens kam heraus, dass dieser als Computerspiel getarnte Einarmige Bandit in nur zwei Monaten sagenhafte 100 Millionen Dollar an Umsatz gemacht hat.

Jugendschutz verbietet ja auch Zutritt zu Spielhallen

Wenn Jugendliche ihr Geld an Spielautomaten verschleudern möchten, werden sie hoffentlich von dicken Zutritt-nur-ab-18-Vorhängen und dem Jugendschutz davon abgehalten. Bei Computerspielen aber ist schön „Anything goes“ angesagt. Das im letzten Jahr reformierte Jugendschutzgesetz sieht lediglich vor, dass auf „Interaktions-Risiken“ hingewiesen werden soll und zwar durch Piktogramme. Dabei würde es auch anders gehen, in den Niederlanden oder auch in Belgien wurden Lootboxen kurzerhand verboten und „Diablo Immortal“ ist gar nicht erst erschienen. Und das ist richtig so. Deswegen: Verbietet endlich auch hier die Abzock-Spiele!