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#failoftheweek Herr Adams von der CDU behält seine Würde, auch wenn alles schief geht

„Wir können Sie leider nicht hören!“: Der Kommunalpolitiker Hans-Werner Adams scheiterte beim CDU-Parteitag formvollendet an der Technik. Das ist keine Schande. Ganz im Gegenteil: Herr Adams ist ein Held, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 22.01.2021

Ein Screenshot vom digitalen CDU Bundesparteitag zeigt den Delegierten Hans-Werner Adams (l), der per Videoscreen zum Parteitag geschaltet ist, im Studio stehen Armin Laschet (l-r), Norbert Röttgen und Friedrich Merz. | Bild: dpa-Bildfunk

Hans-Werner Adams ist CDU-Mitglied, Beigeordneter in Sinzig in Rheinland-Pfalz und seit dieser Woche Retter des 33. Parteitags der Christlich-Demokratischen-Union in Deutschland – und zwar dank eines Fails. In der Fragerunde durfte Adams vor der heimischen Bücherwand den Kandidaten für den Parteivorsitz eine Frage stellen. Adams ergriff engagiert das Wort und lugte dann erwartungsvoll in die Kamera. Stille. Die Sekunden vergingen, keine Antwort. Sein Mikrofon blieb stumm, niemand hatte gehört, was er gesagt hatte.

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Laschet, Merz oder Röttgen - die CDU wählt einen neuen Vorsitzenden | Bild: tagesschau (via YouTube)

Laschet, Merz oder Röttgen - die CDU wählt einen neuen Vorsitzenden

Timecode: Hans-Werner Adams sieht man ab 01:15:04

Gequältes Lächeln der Kandidaten, hinhaltende Worte der Moderatorin. Hans-Werner Adams versuchte es nochmal: Nichts. Nach drei Minuten, in denen also genaugenommen nicht viel mehr passierte, als dass das Internet dem CDU-Delegierten Hans-Werner Adams beim zunehmend aussichtlosen Kampf „Mensch gegen Maschine“ zusah, ging der Parteitag weiter. Und so gelang Hans-Werner Adams etwas ganz und gar Erstaunliches, etwas, das niemand für möglich gehalten hätte: Er trotzte diesem keimfreien, stromlinienförmigen, meister-propperhaften, sagrotangetränkten Stück Polit-DSDS namens „CDU Parteitag“ dann doch einen denkwürdigen und sympathischen Moment ab.

Herr Adams ist nicht der erste Politiker, dem ein technischer Fauxpas passiert

Vermutlich werden wir irgendwann voller Zärtlichkeit und Nostalgie auf genau solche Momente zurückblicken, auf all die Momente kurzer Irritation, als in der Corona-Zeit irgendwer aus irgendwelchen Gründen in irgendwelchen Videokonferenzen an der Technik scheiterte. Da war natürlich Angela Merkel, die im April 2020 auf einer WHO-Konferenz mit der Technik kämpfte.

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'Can you hear me now?' Angela Merkel faces technical difficulties during a video conference | Bild: DW News (via YouTube)

'Can you hear me now?' Angela Merkel faces technical difficulties during a video conference

Vor allem war da aber Jürgen Trittin, der beim Online-Parteitag der Grünen zum Säulenheiligen aller Online-Konferenz-Geplagten aufstieg, weil das Audiosignal des Parteitags den Rechner des ehemaligen Umweltministers nur mit einer gewissen Verzögerung erreichte. Die Folge: Jedes Mal, wenn Jürgen Trittin zu seiner Rede ansetzen wollte, wurde er unterbrochen – und zwar von Jürgen Trittin, weshalb Jürgen Trittin dann einen Wutanfall bekam, der wiederum beinahe Jürgen Trittin unterbrochen hätte, als Jürgen Trittin zu erneut seiner Rede ansetzen wollte.

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Livestream Digitale Bundesdelegiertenkonferenz 2020 | Sonntag | #dbdk20 | Bild: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (via YouTube)

Livestream Digitale Bundesdelegiertenkonferenz 2020 | Sonntag | #dbdk20

Timecode: Jürgen Trittin sieht man ab 01:02:23

Eine Pandemie zwingt unsere Technik in die Knie

Ja, so ist das, wenn man pandemiebedingt per Videotools konferieren muss. IMMER hat irgendwer sein Mikro an, sodass die Hintergrundgeräusche die Dezibel-Zahl eines Laubbläsers erreichen. Und vor allem hat irgendwer hat IMMER sein Mikro aus. Um ihn darauf hinzuweisen, machen dann alle wieder Mikro an- und schon ist wieder Laubbläser angesagt. Bei den Politikern passieren solche Fails vor der ganzen Welt. Bei unseren Otto-Normal-Videomeetings bekommt ja Gott sei Dank keiner mit, wie wir uns immer noch anstellen - immer noch, auch nach gut einem Jahr Übung.

Die Heldentat von Hans-Werner Adams fiel in eine Woche, in der vermutlich so viel über das Homeoffice diskutiert wurde, wie noch nie. Zu richtig energischen Maßnahmen zur Förderung der Heimarbeit hat man sich dann aber doch nicht durchringen können. Vielleicht entspringt die deutsche Begeisterung für Präsenzarbeit dem Misstrauen, das dem Internet bisweilen im Land des hinterherhinkenden Breitbandausbaus, der Internet-Führerscheine und zusammenbrechenden Online-Lernplattformen entgegengebracht wird. Vermutlich sind es aber auch genau solche Hans-Werner-Adams-Momente, weshalb Wirtschaft und Politik das Homeoffice immer noch skeptisch sehen. Es ist die Angst, dass etwas schief gehen könnte, dass man nicht jede Situation kontrollieren kann, dass das Bällchen nicht so rollt, wie es schon immer gerollt ist, dass die Mitarbeiter an der Technik verzweifeln und dann kein Techniker da ist, den man informieren kann.

Das Vorbild jedes Homeoffice-Arbeitenden ist Hans-Werner Adams

Und hier kommen wir zur zweiten Heldentat des Hans-Werner Adams. Der Sinzinger Kommunalpolitiker zeigt, wie man angesichts eines Technikfails seine Würde behält. Merkel war irritiert, Trittin war sauer, Adams lächelte freundlich in die Kamera. Genauso muss das sein. Und jetzt bitte Homeoffice - und zwar so viel wie möglich davon.


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