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#failoftheweek Es ist ein Skandal, dass der russische Herr der Ringe nicht für die Oscars nominiert ist

Seid ihr Fans des Herrn der Ringe? Wenn ja, habt ihr diese Woche einen großen Grund zu feiern. Denn es ist eine alte Verfilmung aufgetaucht, die ihr euch jetzt auf Youtube anschauen könnt. Aber fast niemand hat das mitbekommen. Der Fail der Woche, kommentiert Ferdinand Meyen.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 16.04.2021

Die russische Adaption von Herr der Ringe | Bild: Youtube/Kanal 5 Russland

Was war das eigentlich für eine Woche? Die Corona-Zahlen klettern immer weiter in die Höhe, die Krankenhäuser füllen sich, während die Politik streitet, ob nun Markus Söder oder Armin Laschet der geeignetere Kanzlerkandidat wäre. Währenddessen kippt ein Gericht den Berliner Mietendeckel, und zwei Typen entwickeln in der VOX-TV-Show Höhle der Löwen ein Produkt, so überflüssig wie ein Schuhgeschäft im Auenland: Pinke Menstruationshandschuhe aus Plastik.

"Die Gefährten" aus der damaligen Sowjetunion

Geht alles nicht noch schlimmer? Doch. Denn der wirklich, wirklich, wirklich große Fail dieser Woche ist, dass wir eine absolute Film-Sensation beinahe übersehen hätten: Die Veröffentlichung der russischen Version von Der Herr der Ringe. Kein Witz. Die russische Version vom ersten Teil "Die Gefährten" mit dem Titel "Khraniteli" – zu Deutsch "Die Bewahrer" - aus dem Jahr 1991 ist zur Zeit die absolute Sensation im Netz. Fast zwei Millionen Menschen haben ihn schon in der ersten Veröffentlichungswoche angesehen.

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Talia Lavin soviet gandalf is chill as fuck https://t.co/Eo4Tw8c1LU

soviet gandalf is chill as fuck https://t.co/Eo4Tw8c1LU | Bild: chick_in_kiev (via Twitter)

Kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 wurde die zweistündige TV-Adaption produziert. Was man eben so macht in den letzten Tagen eines sterbenden Reichs - den Herrn der Ringe verfilmen. Doch der Film wurde nur ein einziges Mal ausgestrahlt und galt dann lange, lange Zeit als verschollen. Bis ein Mitarbeiter eines TV-Senders aus St. Petersburg "Khraniteli" im April 2021 dann in den Tiefen des Archivs findet. Kurze Zeit später landet der Film in zwei Teilen auf YouTube – und wird dort zum Riesenhit.

Hier Teil 1 auf Youtube:

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Хранители | Часть 1 | Телеспектакль по мотивам повести Д.Р.Р.Толкиена | Bild: Пятый канал Россия (via YouTube)

Хранители | Часть 1 | Телеспектакль по мотивам повести Д.Р.Р.Толкиена

Zu Teil 2, hier entlang.

Ganz ehrlich: Eigentlich ist der sowjetische Herr der Ringe gar kein richtiger Film. Eher ein psychedelischer Drogentrip mit extrem schlechten Special Effects. Wenn man sich die fast zwei Stunden komplett anschaut, kann man schon irgendwie erahnen, dass hier "Die Gefährten" nachgespielt wird. Aber nur, wenn man sich wirklich gut auskennt. In "Khraniteli" jagt eine Absurdität nämlich die nächste. Und anstatt viel unterwegs zu sein, sitzen die Gefährten die meiste Zeit eigentlich nur in der Taverne und sind betrunken. Ein bisschen Abenteuer gibt’s natürlich schon. Aber in der russischen Variante des Herrn der Ringe werden die Explosionen nicht mit CGI sondern mit Buntstift auf die Leindwand gezaubert. "Khraniteli" sieht eigentlich aus wie ein Video der Hamburger Band HGichT – nur auf Russisch und mit noch mehr Drogen.

Zumindest einen Oscar für Khraniteli?

Viele halten die russische Version des Herrn der Ringe deshalb gerade für den schlechtesten Film aller Zeiten, behaupten, dass man ihn in die Flammen des Schicksalsbergs werfen sollte. Doch das Gegenteil ist der Fall: Es ist ein Skandal, dass "Khraniteli" nicht für die Oscars als best picture nominiert ist! Denn die russische Version des Herrn der Ringe ist grandiose Trash-Unterhaltung. Es muss schon einiges zusammenkommen, dass 1,8 Millionen Menschen, von denen die meisten nicht mal russisch verstehen, einen solchen Film anklicken. Und wenn die amerikanische Version vom Herrn der Ringe 17 Oscars abräumt, hat die russische mindestens einen verdient.

Ja, leider ist der russische Herr der Ringe trotz seines grandiosen Erfolgs bisher noch nicht in den Titelseiten des Feuilletons aufgeschlagen -  Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Frei nach Gandalf: "Es gab nie viel Hoffnung. Nur die Hoffnung eines Narren."


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