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#failoftheweek Nicht die Republikaner, sondern eine junge Frau bringt Trump ins Wanken

„Der Rechtstaat übernimmt dann mal“: Das könnte das Motto des Untersuchungsausschusses zum Sturm auf das Kapitol sein. Hier werden Beweise gewälzt und Zeug*innen gehört. Eine von ihnen hat diese Woche einen denkwürdigen Auftritt hingelegt und könnte den Trumpismus ins Wanken bringen, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 01.07.2022

Ein verwischtes Fernsehbild des Ex-US-Präsidenten Donald Trump | Bild: picture alliance / NurPhoto | STR

Da ist zum Beispiel die Geschichte, wie Donald Trump seinem Chauffeur ins Lenkrad griff: „Ich bin der verdammte Präsident, bringt mich zum Kapitol“, soll der damalige Präsident an jenem 6. Januar 2021 gesagt haben. Der Fahrer weigerte sich, und so konnte Trump sich nicht an die Spitze seiner bewaffneten Anhänger*innen setzen, die kurz darauf das Kapitol stürmten. Das wissen wir von der 26-jährigen Cassidy Hutchinson, die diese Woche vor dem Untersuchungsausschuss zum Angriff auf das Kapitol aussagte. Die ehemalige Mitarbeiterin von Trumps Stabschef Mark Meadows erzählte außerdem, dass Trump versucht habe, seinen Chefleibwächter zu würgen, und dass Trump schon mal sein Mittagessen an die Wand warf, wenn er wütend war. Trump halt. Vor allem aber erzählt Cassidy Hutchinson, wie sehr Donald Trump und sein Inner Circle es darauf anlegten, dass ein bewaffneter und gewalttätiger Mob das Kapitol stürmte.

Cassidy Hutchinson, ehemalige Mitarbeiterin von Trumps Stabschef Mark Meadows

Die Aussage von Cassidy Hutchinson ist der Höhepunkt eines an Höhepunkten nicht gerade armen Untersuchungssauschusses. Ein Untersuchungssauschuss, in dem so einiges nochmal hochgeblubbert ist und in dem klar wurde, wie knapp die USA an einer Katastrophe vorbei geschrammt sind. Unter anderem kam heraus, dass Vize-Präsident Mike Pence nur wenige Meter vom jenem Mob entfernt war, der ihn lynchen wollte.

Wie Demokratien in sich zusammenfallen

Sowieso Mike Pence. Kaum einer steht so sehr für den radikal-evangelikal-konservativen Flügel der US-Republikaner, kaum einer engagiert sich so sehr gegen das Recht auf Abtreibung, kaum einer war über all die Jahre so sehr Trumps Pudel. Ausgerechnet dieser Mike Pence weigerte sich am 6. Januar unter Lebensgefahr, dem Druck von Donald Trump nachzugeben und die Wahl von Joe Biden zurückzuweisen. In dem Buch „Wie Demokratien sterben“ schildern die Politikwissenschaftler Steven Lewitsky und Daniel Ziblatt, wie Demokratien nach und nach ausgehöhlt werden, sodass sie irgendwann porös werden und in sich zusammenfallen. Ein wichtiger Faktor hierbei sind Mainstream-Politiker, die Populisten und Demagogen umarmen, anstatt konsequent die demokratischen Institutionen zu verteidigen. An jenem 6. Januar 2021 entschied sich der Mainstream-Politiker Mike Pence richtig, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben als Volksvertreter.

Trump bleibt eben Trump

Der Ausschuss versucht Mike Pence, aber auch Cassidy Hutchinson zur besten Sendezeit als amerikanische Held*innen zu stilisieren und so konservativen Wähler*innen eine Brücke zu bauen, die aus dem Trumpismus herausführen soll. Ob das klappt, weiß niemand, aber erste Probleme für Trump sind immerhin erkennbar. An der republikanischen Basis macht Ron DeSantis Boden gut, der Gouverneur von Florida gilt als Trumps größter Konkurrent um die Nominierung der Republikaner für die US-Wahl 2024. Trotzdem könnte die Zukunft der USA düster und hässlich werden. Aber sollte die Demokratie in Amerika nochmal mit zwei blauen Augen, einem Rippenbruch, einem Kreuzbandriss und einer zertrümmerten Nase davonkommen, dann auch wegen mutiger Frauen wie Cassidy Hutchinson. Trump übrigens beschimpfte Hutchinson als „totale Schwindlerin“. Trump bleibt eben Trump.