Bayern 2 - Zündfunk


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#failoftheweek Schickt die Union in den Lockdown, bevor die mutmaßliche Korruption exponentiell ansteigt!

Nikolas Löbel, Georg Nüßlein, Mark Hauptmann, Axel Fischer: Diese vier Namen haben deutschlandweit für großes Aufsehen gesorgt. Alle sind Unions-Politiker, die mutmaßlich in Korruptionsskandale verwickelt sind. Nur einer von vielen Gründen, warum die Union diese Woche unser #failoftheweek ist. Ferdinand Meyen kommentiert.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 12.03.2021

CSU-Politiker Georg Nüßlein | Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler

Alarm! Der Inzidenz-Wert steigt. Also die Indizien für merkwürdige Deals von Unionspolitikern mit Privatunternehmen. Drei Rücktritte innerhalb einer Woche: Die Abgeordneten Nikolaus Löbel, Georg Nüßlein und Mark Hauptmann haben ihr Mandat niedergelegt. Erst ein Rücktritt, dann kurze Zeit später zwei weitere. Haben die sich beim ersten angesteckt? Auf einen merkwürdigen Unions-Deal kommen derzeit jedenfalls zwei weitere. Das wäre ein Reproduktions-Wert gleich Zwei.

Eine Rücktritts-7-Tage-Inzidenz von 1219

Ja, eigentlich können hier fast schon von einem exponentiellem Wachstum sprechen. Denn wenn wir diese Quote auf 100.000 hochrechnen, drei mutmaßlich korrupte auf 246 Abgeordnete, haben wir eine 7-Tage-Inzidenz von 1219. Wenn die Rücktritte so weitergehen, würde es nur noch 70 Wochen dauern, bis so viele Abgeordnete zurücktreten, dass CDU und CSU ihren Fraktionsstatus verlieren und die Union aus dem Bundestag fliegt. Aber was ist da eigentlich gerade los bei der Union? Die Medien haben sich auf den Begriff "Maskenaffäre" geeinigt. "Affäre" – das klingt immer so schön oder, wie auf Twitter Katja Berlin schreibt:

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

katja berlin einmal so viele affären haben wie die unionsfraktion.

"Masken-Affäre" klingt - ergo - noch schöner. Ja, sogar reizvoll und lustvoll wie ein Techtelmechtel mit Masken. Tatsächlich sollen die Unions-Abgeordneten Löbel und Nüßlein Hundertausende Euro Provision eingestrichen haben, dafür dass sie bestimmte Firmen bevorzugt an die Ministerien vermittelt haben. Nikolaus Löbel kassierte so wohl 250.000 Euro, Georg Nüßlein von der CSU steht im Verdacht, über 600.000 Euro an den Maskendeals verdient zu haben. Und der dritte Fall, Mark Hauptmann, soll ebenfalls Geld eingestrichen haben. Diesmal nicht durch Maskendeals, sondern durch Promo für das Land Aserbaidschan, das ihn wohl dafür bezahlt haben soll. Ein Land, wo Lesben, Schwule und Bisexuelle auf öffentlichen Plätzen zusammengetrieben und verhaftet werden. Wo es laut Amnesty International weder Meinungsfreiheit noch Gewaltenteilung, dafür Korruption & Geldwäsche gibt. Aber was soll‘s, wenn die Kasse klingelt, nimmt das wohl der ein oder andere CDU-Politiker in Kauf.

Auch Nikolas Löbel, Vorsitzender der Jungen Union in Baden-Württemberg ist zurückgetreten.

Diese Woche wurde in den sozialen Netzwerken gefordert, dass gestohlene C von der CDU-Parteizentrale wieder zurückzubringen. Man wisse ja jetzt, dass es für corrupt stehe. Klar, noch ist nicht alles geklärt. Aber auch die, die sich jetzt gerade ganz fleißig von Löbel, Nüßlein und co. distanzieren, sollten sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Nehmen wir zum Beispiel Wolfgang Schäuble, der sich über die Maskenaffäre beschwerte und sagte: "Das ist schlicht unanständig", obwohl im Zuge der CDU-Spendenaffäre um Helmut Kohl im Jahr 2000 herauskam, dass er eine 100.000 Euro Spende von Waffenhändler Karl-Heinz Schreiber angenommen hatte. Oder Armin Laschet: Vergangene Woche rief er noch als einer der ersten, Löbel müsse sein Mandat niederlegen, obwohl sein eigener Maskendeal in NRW mit van Laack doch zufälligerweise von niemandem anderen als seinem Sohn "Joe" Laschet vermittelt wurde. Und dann ist da ja auch noch Philipp Amthor, der zum CDU-Spitzenkandidaten von Mecklenburg-Vorpommern aufgestiegen ist, obwohl er im vergangenen Jahr noch für die Firma Augustus Intelligence Lobbyismus betrieb und im Gegenzug Aktienoptionen erhielt.

Das "C" in CDU steht nicht für Credibility, eher für cringe

Das "C" in CDU jedenfalls steht nicht für Credibility, eher für cringe. Was soll da noch passieren, liebe Union, damit ihr nicht jede Glaubwürdigkeit verliert? Wollt ihr vielleicht noch Till Lindemann in die Partei aufnehmen und zum Gleichstellungsbeauftragten machen? Wollt ihr Karl Theodor zu Guttenberg ins nächste Wissenschaftsministerium befördern? Oder Lord Voldemort in Hogwarts ins Ministerium für Verteidigung gegen dunkle Künste? Liebe Union, ich weiß, ihr hört das nicht gerne, aber wir brauchen dringend Maßnahmen. Ehe der Inzidenzwert noch höher steigt, geht liebermal in den "Partei-Lockdown". Zumindest für ein paar Wochen, damit der mutmaßliche Korruptions-Virus nicht noch weiter überspringt und ihr bei der Bundestagswahl wieder voll gesund und fit seid.


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