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#failoftheweek Kim Dotcom wird zum Putin-Troll - und Elon Musk gefällt das

Das Leben von Kim Dotcom bietet so schon genug für einen Hollywood Film, aber jetzt hat die Geschichte des Online-Millionärs ein weiteres Kapitel bekommen. Eines mit Elon Musk als Kumpel und Tweets über den Ukraine Krieg. Das kann eigentlich nicht gut gehen, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 01.12.2022

Kim Dotcom 2012 | Bild: picture alliance / dpa | David Rowland

Das ist die Geschichte von Kim Dotcom, die gerade eine neue, atemberaubende Volte bekommt. Doch wir spulen erstmal zurück:

Früher war alles Mega

Damals, im Februar 2001, in der Harald Schmidt-Show: Kim Dotcom, der damals noch Kim Schmitz heißt, ist zu Gast. Der schillernde Internet-Unternehmer hat Ärger mit der Justiz. Dem Zwei-Meter-Mann, der im Blinkiblinki-Club P1 gerne mal den Champagner sprudeln lässt, wird Insider-Handel vorgeworfen und das ist ja wohl mal eine bodenlose Unverschämtheit, findet Schmitz:

"Ich werde als Vorzeige-Jungunternehmer rumgereicht. Auf Wirtschaftskonferenzen habe ich Auftritte absolviert, hab mich dort präsentiert und international geworben für Investitionen in Deutschland - für das Technologieland Deutschland - und werde hier derart in den Arsch getreten. Das ist eine ziemlich linke Nummer, die hier abgeht."

- Kim Schmitz bei Harald Schmidt

Die Richter finden allerdings, dass auch Vorzeige-Jungunternehmer die Gesetze befolgen müssen und so wird Schmitz gut ein Jahr später zu einer Bewährungsstrafe verdonnert. Doch danach geht die Kim-Dotcom-Saga erst richtig los: Der Jetset-Nerd gründet den One-Click-Sharehoster Mega-Upload, der vor allem dazu genutzt wird, Filme und Musik zu tauschen. Kim Dotcom gelingt so das Kunststück, bei der Urheberrechts-Lobby bald genauso verhasst zu sein wie in der Hackerszene. Dotcom wird schwerreich, feiert rauschende Partys, gewinnt die berüchtigte Gunball-Rally, avanciert zwischendrin zum besten Call-of-Duty-Spieler der Welt und nimmt ein Musikvideo auf, wo er mit eingeölten Bikini-Schönheiten auf Yachten und in Pools zeigt, wie glamourös die Welt doch sein kann, wenn man es richtigmacht. Partyyyy!

Vom Kultobjekt zum Internet-Troll

Irgendwann zieht Dotcom nach Neuseeland und dort seilen sich am 19. Januar 2012 schwerbewaffnete Polizeieinheiten über seinem Anwesen ab. Schnell gehen Bilder um die Welt, die zeigen, wie Dotcoms rosafarbene Cadillac konfisziert wird.

Kim Dotcom versucht seither, seiner Auslieferung an die USA zu entgehen und eigentlich könnte die Geschichte hier enden. Kim Dotcom, der große Zampano, der so anders ist als die verhuschten Programmierer und stromlinienförmige Start-up-Gründer, dieser Kim Dotcom hätte eigentlich als halbwegs coole Internet-Kultwurst in die Geschichte eingehen können. Doch leider hat sich Kim Dotcom neu erfunden. Diesmal als Putin-Troll und Verschwörungsheini. Es sei ein weiteres dunkles Kapitel in der Geschichte der massenmörderischen CIA. Jeder Ukrainer und jeder Russe, der in diesem US-Stellvertreterkrieg stirbt, ist ein Opfer der US-Außenpolitik, behauptet Kim Dotcom.

Elon Musk gefällt das

Seitdem sind seine Followerzahlen auf Twitter explodiert. Über 1,1 Millionen Menschen folgen Kim Dotcom mittlerweile und einer scheint auch Fan zu sein, nämlich Elon Musk. Als der Multi-Milliardär und Twitter-Chef Mitte Oktober einen unbeholfenen, aber großmäuligen Versuch unternimmt, den Ukraine-Konflikt selbst zu lösen, entwickelt sich auf Twitter eine Art Bromance zwischen Elon und Kim.

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

Kim Dotcom - Samstag, 15. Oktober 2022, 22:06 Uhr
@elonmusk @Twitter I love you E. You know that. Many people look up to you. I believe in you. We are facing nuclear war because of reckless US foreign policy in Ukraine. You know that. This is a big one. We have to put our personal interests aside for the sake of humanity. I know you love humanity.

"Ich liebe dich Elon. Das weißt du. Viele Menschen sehen zu dir auf. Ich glaube an dich. Aufgrund der rücksichtslosen US-Außenpolitik in der Ukraine stehen wir vor einem Atomkrieg. Du weißt, dies ist eine große Sache. Wir müssen unsere persönlichen Interessen zugunsten der Menschlichkeit zurückstellen. Ich weiß, dass du die Menschheit liebst. Du scheitert nicht Elon. Ganz im Gegenteil. Dein Ruf nach Frieden hat vielen Menschen Hoffnung gegeben."

- Tweet von Kim Dotcom

Wenn Dotcom nicht gerade den reichsten Mann der Welt bezirzt, verbreitet er Theorien zu Covid 19, der Einwanderungspolitik der US-Demokraten oder zu den angeblich wahren Hintermännern der Anschläge auf Nord Stream 1. Aus dem schmierlappigen, aber in seiner Großspurigkeit schon ganz unterhaltsamen Internet-Großmaul Kim Dotcom ist heute der Donald Trump des Netzes geworden. Irgendwie schade. Zeit, ihm zu entfolgen!