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#failoftheweek Die Pleite der Kryptobörse FTX liefert das größte Drama der Bitcoin-Geschichte

Gier frisst Hirn: FTX, die zweitgrößte Kryptobörse der Welt, ist pleite. Die Details sind bizarr und bieten großartigen Stoff für eine Netflix-Serie, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 18.11.2022

Sam Bankmann-Fried von Wikipedia By Cointelegraph, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=117330237 | Bild: By Cointelegraph, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=117330237

Die Erfindung des Rades? Wer braucht das schon? Die Innovation „Gabel“? Überflüssiger Quatsch. FTX, eine Plattform mit der man einfach und bequem Bitcoin kaufen kann? Come on…!

Sei nicht wie Larry, heißt es in dem Werbespot mit dem amerikanischen Komiker Larry David. Die Botschaft: Krypto ist die Zukunft, FTX ist die Zukunft und wer daran zweifelt, der wäre wohl auch bei der Erfindung des Kaffes auf der falschen Seite der Geschichte gestanden. Dieser Werbespot für FTX ist in etwa so gut gealtert, wie ein Milchkarton aus dem Jahr 2003, und wird gerade genüsslich im Netz herumgereicht. Denn FTX, die einstmals zweitgrößte Kryptobörse der Welt, ist bankrott. Das hat viel mit einem pausbäckigen Lockenkopf namens Sam Bankman-Fried zu tun, der oft auch einfach nur SBF genannt wird.

Vom Warren Buffet zum Jan Marsalek der Krypto-Community

Machte Werbung für die Kryptobörse

SBF galt als Wunderkind, er wurde sogar als nächster Warren Buffett gehandelt, sein Vermögen wurde 2021 auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt, viel dürfte davon nicht mehr übrig sein. Der FTX-Gründer, der gerne in Schlabber-T-Shirt und kurzen Hosen auftrat, galt als good guy des Krypto-Kapitalismus, als das freundliche Gesicht einer schmierlappigen Branche. Der 30-jährige spendete fleißig an die US-Demokraten, trat für mehr Regulierung des Krypto-Sektors ein, spielte während Finanzierungsrunden entspannt League of Legends und spannte Promis wie Tom Brady und seine damalige Frau Gisele Bündchen als Werbeträger ein.

Es schien, als wüsste FTX gar nicht wohin mit all der Kohle und vielleicht erscheint der Zusammenbruch deswegen jetzt umso unglaublicher. Milliarden Dollar sind weg, tausende Kunden, die bei FTX ihr Krypto-Vermögen geparkt hatten, werden davon wohl kaum etwas wiedersehen. Noch liegt vieles im Dunklen, aber viel spricht dafür, dass SBF, vereinfacht gesagt, Milliarden an die Investmentgesellschaft Alameda transferiert hatte, um die Verluste aus hochriskanten Trading-Geschäften auszugleichen, die Alameda angehäuft hatte. Alameda wurde von SBFs-Ex-Freundin geleitet, der 28-jährigen Caroline Ellison. Die hat eine große Leidenschaft für Harry Potter, aber nicht so sehr für Mathe und Risikoeinschätzung.

Chaos für die Insolvenzverwalter

Am Ende brach das Kartenhaus zusammen, auch weil der Chef des größten FTX-Konkurrenten Binance vorher auf Twitter Zweifel an den Geldreserven von FTX geschürt hatte. Wie auch immer: SBF und Caroline haben Milliarden verbaselt, Milliarden, die ihnen gar nicht gehört haben.

SBF wurde mittlerweile auf den Bahamas festgesetzt, das FBI fordert seine Auslieferung. Während der Insolvenzverwalter versucht, die FTX-Firmenstruktur zu durchblicken, die in etwa so chaotisch ist, wie die Abwehr des BVBs, befindet sich der Krypto-Markt im Tiefflug. Selbst andere Börsen könnten Probleme bekommen, weil Kunden panisch ihr Geld abziehen. Der FTX-Crash und das ganze bizarre Drumherum liefert jetzt schon Stoff für drei Netflix-Serien. Für die Kunden, viele von ihnen junge Leute, ist das Ganze aber bittere Realität.