Bayern 2 - Zündfunk

#failoftheweek Zuckerbergs Metaversum ist so uninspiriert wie eine tiefgefrorene Forelle

Facebook heißt jetzt Meta, so hat es Mark Zuckerberg gestern auf der VR-Konferenz Connect bekannt gegeben. Das Unternehmen will zum Metaverse-Konzern werden. Aber wollen wir wirklich in Facebooks-Metaverse leben? Christian Schiffer eher nicht.

Von: Christian Schiffer

Stand: 29.10.2021

Mark Zuckerberg stellt "Metaverse" auf der Connect 2021 vor (Screenshot) | Bild: Facebook

Mark Zuckerberg sitzt in seinem lichtdurchfluteten Haus und spricht über die Zukunft des Internets und die Zukunft von Facebook - wobei Entschuldigung - er spricht natürlich über die Zukunft von Meta, wie das von ihm geleitete Unternehmen nun heißen soll. Und wie der Name schon sagt, soll Meta eine Firma werden, in der sich vieles um das Metaverse dreht. Doch an dem Ganzen gibt es mindestens drei Probleme: Metas Metaverse ist langweilig, Metas Metaverse ist kein Metaverse und Metas Metaverse kommt von Meta. Wie ein Metaversum eigentlich auszusehen hat, das wissen wir aus der Popkultur.

Oasis, so heißt beispielsweise die virtuelle Zwischen-Welt, von welcher der Film „Ready Player One“ handelt. Ursprünglich war die Oasis mal ein Online-Rollenspiel wie „World of Warcraft“. Doch dann entwickelte sich etwas anderes daraus: Ein Metaversum, eine Welt aus verschiedenen Welten also. Manche Welten in der Oasis sind „Star Wars“ nachempfunden, andere dem Videospiel „Halo“ oder dem Film „Blade Runner“. Metas Metaversum wirkt hingegen wie eine High-End-Variante von „Second Life“.

Die Älteren erinnern sich an Second Life

Die älteren erinnern sich: „Second Life“ war, beziehungsweise ist, denn „Second Life“ gibt es immer noch, diese virtuelle Welt, die in den Nuller Jahren für ein paar Wochen gehyped wurde. Man konnte in „Second Life“ Univorlesungen besuchen, an Telekom-Ständen abhängen oder an Sado-Maso-Partys teilnehmen. Bei Metas Metaverse gibt es nicht einmal Sado-Maso-Partys, stattdessen geht es vor allem darum virtuell zu arbeiten, virtuell zu spielen und virtuell auf Konzerte zu gehen und, sorry, Mark: das gibt es alles schon. Der Kitzel beim Betreten der virtuellen Welt, wie ihn ein Charakter in „Otherland“ schildert, jenem Sci-Fi-Opus von Tad Williams aus dem Jahr 1996, dürfte so wohl nicht aufkommen: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie es war, als ich zum ersten Mal einfach die Augen schloss und online war. Das Netz war damals winzig und primitiv, die virtuellen Schnittstellen steckten noch in den Kinderschuhen. Und trotzdem…! Wir blieben auf der Erde und waren trotzdem Entdecker. Wie flogen dahin, anstatt wie bisher nur zu kriechen. Und das alles gehörte uns.“

Ein neues Kaufland

Mit nur einem Login können die Menschen im Netz von „Otherland“ tausende Subuniversen betreten. Und sie müssen dabei nicht einmal Menschen bleiben: Sie können als Tiere, als Geisterwesen oder auch als körperlose Entitäten durch die virtuellen Welten streifen. Das Metaverse in „Otherland“ ist die ultimative Fluchtmöglichkeit und viele der Welten hier sind alten Mythen und Fantasien nachempfunden: „Alice im Wunderland“, „Der Zauberer von Oz“, „Die Odyssee“. Dagegen wirkt Metas Metaversum so uninspiriert wie eine tiefgefrorene Forelle. In Metas Metaversum bleiben wir wir und die virtuelle Welt ist letztlich genau so langweilig wie die reale Welt, nur eben, dass wir nicht mehr vor die Tür gehen müssen, um uns sich ihr auszusetzen. Schlimmer noch: Metas Metaverse dürfte dabei auch noch sehr viel kommerzieller ausfallen als die Kohlenstoffwelt. Metas Metaverse Chef Vishal Shah: „Eine neue Art von Business wird möglich!“

Eine Art begehbares RTL2-Nachmittagsprogramm

Das klingt so, als würde einem in Metas Metaverse an jeder virtuellen Straßenecke virtueller Tand angepriesen und nach einer Art begehbarem RTL2-Nachmittagsprogramm. Und auch wenn das, was Meta da vorgestellt hat streckenweise durchaus beeindruckend war, etwa wenn es um realistische Avatare oder die nächste Generation an virtual – beziehungsweise AR-Brillen geht, kann man so nur zu einem Urteil kommen: Aber hier leben? Nein Danke!