Bayern 2 - Zündfunk


5

#failoftheweek Wie uns Mark Zuckerberg noch mehr in Filterblasen einsperren will

Mark Zuckerberg hat bekannt gegeben, dass Facebook in Zukunft die Privatsphäre der Nutzer ernst nehmen möchte. Dieser Sinneswandel dürfte vor allem mit finanziellen Interessen zusammenhängen, kommentiert Christian Schiffer.

Stand: 08.03.2019

Facebook CEO Mark Zuckerberg bei seiner Anhörung im April 2018. | Bild: picture alliance / Consolidated

2008, da gab Mark Zuckerberg ein Interview, in dem er bekannte: Wir haben jetzt endlich verstanden, wie wichtig den Nutzern der Schutz ihrer Privatsphäre ist! Seitdem hat sich Facebook offenbar weiterhin intensiv darum bemüht herauszufinden, wie wichtig den Nutzern der Schutz ihrer Privatsphäre WIRKLICH ist und möglicherweise ist dieser langwierige Erkenntnisprozess nun zu einem Ende gekommen, denn diese Woche hat Mark Zuckerberg nochmal betont, dass Privatsphäre wirklich wichtig ist, also wirklich wichtig. Zitat:

"Die Leute wollen sich privat miteinander vernetzten in einer Art digitalem Wohnzimmer. Und wenn ich an die Zukunft des Internets denke, dann glaube ich, dass Plattformen mit einem Fokus auf Privatsphäre sogar wichtiger werden könnten, als die offenen Plattformen, die wir heute kennen."

Mark Zuckerberg im Interview 2008 mit Channel 4 News

Mark Zuckerberg hat einen langen Blog-Eintrag geschrieben, in dem er das Facebook der Zukunft skizziert. Dieses Facebook soll nicht mehr öffentlicher Markplatz mehr sein, sondern privates Wohnzimmer. Plüsch statt Pflasterstein, kontemplatives Gespräch, statt nervösem Geplärre. Die Kommunikation soll verschlüsselt und intim sein, idealerweise nach einer gewissen Zeit von selbst verschwinden. Aber auch im digitalen Wohnzimmer will Facebook Geld verdienen, der Konzern wird sich also vermutlich weiterhin sehr dafür interessieren, wer wann von wo mit wem kommuniziert.

Ab in die Gruppen

Zuckerbergs Privatsphären-Offensive, die eigentlich eine Intimitäts-Offensive ist, ist der nächste logische Schritt in einer Entwicklung, die sich bereits vor zwei Jahren abgezeichnet hat. Damals hatte Mark Zuckerberg die Losung ausgegeben, Facebook-Gruppen fördern zu wollen und präsentierte sich auf entsprechenden Konferenzen auch mal als der Mark von nebenan, der neben einem Weltkonzern auch noch eine Facebook-Gruppe zum Computerspiel "Civilization" managed.

Damals war dem Facebook-Lenker klar geworden, dass viele Probleme des Konzerns mit dem Newsfeed zu tun haben, mit dieser Content-Wurst also, bestehend aus Artikeln, Fotos und Videos, die der Facebook-Algorithmus für jeden User individuell kreiert. Ein Problem sind beispielsweise Fake News und Clickbait-Artikel, die vor allem auch deswegen existieren, weil sie geil klicken und deswegen eine gute Chance haben, im Newsfeed zu landen. Noch ein Problem: Der Newsfeed bringt Menschen zusammen – und damit zugleich das schlechteste in ihnen hervor. Linke streiten hier mit Rechten, Fahrrad-Fetischisten mit Diesel-Dogmatikern, Homöopathie-Hasser mit Globuli-Getreuen. Die Folgen dieser Filterblasen-Karambolagen auf dem offenen Markplatz sorgt für schlechte Stimmung und die wiederum kostet Facebook eine Menge Geld. Alleine 15000 Content-Moderatoren beschäftigt der Konzern, eine Armada an Menschen, die unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen versucht, den Hass aus dem Netz herauszuhalten. Bei Whatsapp sind es gerade mal 300 Content-Moderatoren.

Das hat Gründe, denn bei Whatsapp ist der Traffic verschlüsselt, nicht einmal der Mutterkonzern selbst weiß also, was genau in Whatsapp geteilt und gesagt wird, Stichwort: Dark Social.

Dass Facebook mehr auf Privatsphäre setzt, heißt also nicht unbedingt, dass Facebook jetzt wirklich verstanden hat, wie wichtig Privatsphäre ist. Es heißt schlichtweg, dass Facebook verstanden hat, wie teuer es ist, einen öffentlichen Marktplatz zu betreiben, auf dem sich zwei Milliarden Menschen herumtreiben. Deswegen die neue Losung: Ab in deine Gruppe! Filter-Blase statt Filter-Crash, aus dem Auge, aus dem Sinn! Auch im Wohnzimmer wird gehasst werden, auch hier werden sich Fake News verbreiten, aber: man wird unter sich sein. Und das gefällt Facebook.


5