Bayern 2 - Zündfunk

#failoftheweek Bye bye, Boomer Browser!

Zu langsam, zu unsicher und kaum noch genutzt: Microsoft zieht beim Internet Explorer endgültig den Stecker. Mit dem Programm stirbt auch das alte Microsoft. Ein Grund zu trauern ist das nicht, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 03.06.2022

Illustration: Computerbildschirm, der Internetseiten darstellt, im Vordergrund das Internet Explorer Logo | Bild: picture-alliance/dpa

„Mit Microsoft Software geht’s spielend durchs Internet“ heißt es in der deutschen Werbung für den Internet Explorer aus dem Jahr 1995. Zu beschwingter Gutelaune-Gitarrenmusik zeigt uns der Clip für was der Internet Explorer gut sein soll - und damit das ganze Netz an sich: Hier kann man sich van-Gogh-Bilder anschauen, sich über britische Geschichte informieren und über die Planeten in unserem Sonnensystem. Toll! Dass der Werbefilm 27 Jahre alt ist, wird dadurch deutlich, dass Microsoft damit wirbt, dass man in diesem Internet ganz viel über Aliens und Kornkreise finden kann. Auf Pro 7 läuft damals eben noch Akte X und Verschwörungstheorien gelten als exzentrisches aber doch irgendwie harmloses Hobby.

Erst schneller Erfolg, dann Lachnummer

Der Internet Explorer gewinnt schnell Marktanteile, nicht weil er so gut ist, sondern weil er mit Windows mitgeliefert wird. Ab 2003 geht es dann aber stetig bergab. Da helfen auch keine Datenschutzversprechen in Werbespots. Schlimmer noch: Der Internet Explorer wird zur Lachnummer. Zahlreiche Mems und Witze machen sich darüber lustig, wie langsam Microsofts Internet-Browser ist. Ein Mem zeigt eine Schildkröte am Computer, als perfekten User des Internet Explorers. Andere Bilder weisen auf die Tatsache hin, dass man den Explorer lediglich benötigt, um sich das schnelle Internet-Surfbrett von Google herunterzuladen, den Chrome-Browser.

Dahinsiechen des Boomer-Browsers

Das Programm steht wie kaum etwas anderes für das verstaubte Image des behäbigen und verschnarchten Karl-Klammer-Konzerns aus Redmond, der die Internet- und die Smartphone-Revolution verpennt hat.
2015 bringt das Unternehmen seinen neuen Browser namens „Edge“ heraus und spätestens da ist klar, dass es mit dem Internet Explorer langsam zu Ende geht. Es ist ein langsames Dahinsiechen, denn viele Unternehmen betreiben immer noch Seiten, die sich nur mit diesem Boomer-Browser öffnen lassen.

Vom Monopolisten zum harmolosen Technologiekonzern

Doch nun zieht Microsoft endgültig den Stecker. Mit dem Internet Explorer stirbt auch das letzte Stück des alten Microsofts, jenes Softwaregiganten, der zum Inbegriff des rücksichtslosen Monopolisten wurde. Heute wirkt Microsoft fast harmlos und das, obwohl der Konzern extrem erfolgreich ist. CEO Satya Nadella gilt als sanfter Tech-Intellektueller, der Microsoft eine neue Identität als Cloud- und Technologiekonzern gegeben hat. Und so ist Microsoft heute wie der Edge Browser, der Nachfolger des Internet Explorers: Nicht besonders aufregend, aber irgendwie ganz okay.