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#failoftheweek Wie BMW uns künftig für Sachen zahlen lassen will, die wir schon gekauft haben

BMW will seine Sitzheizung demnächst als Abo verkaufen. 17 Euro im Monat soll es kosten, wenn man es untenrum muggelig warm haben will. Was für ein Unsinn, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 22.07.2022

BMW-Turm in München | Bild: Colourbox

Rückblickend betrachtet ist der 27.9.2006 ein geradezu historisches Datum. An diesem Tag bringt die Spielefirma Bethesda für ihr Fantasy-Spiel „The Elder Scrolls: Oblivion“ das sogenannte „Horse Armour Pack“ heraus. Für schlappe 2,50 Dollar dürfen sich die Spieler*innen für ihr Pferd zwei Rüstungen herunterladen, eine aus Stahl und eine im Elfenstyle, sodass der eigene Gaul goldglänzend in der virtuellen Sonne schimmert. „Downloadable Content“, kurz DLC, wird das Ganze genannt und die Spieler*innen hassen es: Wie kann es sein, dass man bei einem 60-Euro-Spiel nochmal extra für eine Pferderüstung zahlen muss? Das ist ja so, als würde man sich ein Hemd kaufen und dann für die Knöpfe extra blechen müssen! Und vor allem: Warum zum Henker kann ich die Pferderüstung nicht auch meinem virtuellen Einhorn überstülpen?

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How DLC started - Horse Armour | Bild: Josh Strife Hayes (via YouTube)

How DLC started - Horse Armour

Eine dumme Idee - die sich durchsetzt

Schnell ist klar: DLCs sind eine wirklich dumme Idee, so dumm sogar, dass sie sich wie alle dummen Ideen im Nullkommanix durchsetzt und der Spielebranche heute Milliardengewinne beschert.

Klar, dass andere Branchen dieses einträgliche Modell kopieren wollen. Wie das geht, hat Tesla vorgemacht: Sie wollen während des Autofahrens chillen? Kein Problem, für nur 12.000 Dollar schalten wir Ihnen den Auto-Piloten frei! Sie ärgern sich darüber, dass Sie an jeder Ampel von irgendwelchen Ford Fiestas abgehängt werden? Nun, für 2.000 Euro bekommen Sie von uns ein Software-Update, sodass Ihr Auto in 3,9 Sekunden von null auf 100 beschleunigt, anstatt nur in lächerlichen 4.4 Sekunden! Sie wollen mehr Batteriereichweite? Geben Sie uns 3.000 Dollar und Ihr Wagen muss seltener an die Steckdose!

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Tesla Unveils Model 3 | Bild: Tesla (via YouTube)

Tesla Unveils Model 3

Fernlicht-Assistent im Abo

Jetzt möchte auch BMW den Kund*innen Dinge verkaufen, die sie zwar eigentlich schon gekauft haben, aber nicht nutzen können. Beispiel Sitzheizung: Die soll mit 17 Euro im Monat zu Buche schlagen. Für den Fernlicht-Assistenten verlangt BMW acht Euro, für die Lenkradheizung neun Euro. Man fragt sich, warum BMW nicht bald auch Fensterheber, Scheibenwischer oder, besonders einträglich, Klimaanlagen im Abo anbietet. Und ich frage mich, warum ich für diesen Wahnsinns-Gag nicht einfach 35 Cent extra verlange. Auch wenn den Gag zugegebenermaßen so ähnlich auch schon die Daily Show gemacht hat

BMWs Sitzheizungs-Abo wird heute genauso belächelt, wie damals die Pferderüstung in „The Elder Scrolls: Oblivion“. Aber Stellantis, der Mutterkonzern von Jeep, Dodge und Chrysler, hofft irgendwann über 22 Milliarden Dollar nur über solche Abos verdienen zu können – und könnte damit Recht behalten. Immerhin die Sitzheizung könnte es in Zukunft aber für lau geben. Hacker haben bereits angekündigt, das Ding auf Wunsch freizuschalten.