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#failoftheweek Sperrt den iranischen Religionsführer Ali Chamenei und seine Hetze bei Twitter!

Er zweifelt den Holocaust an und hetzt gegen den Schriftsteller Salman Rushdie: der iranische Revolutionsführer Ali Chamenei. Twitter sollte ihn endlich von der Plattform werfen, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 19.08.2022

Der iranischen Revolutionsführer Ali Chamenei bei einer Rede in Teheran 2013 | Bild: picture alliance / AP Photo | Uncredited

Eine Woche ist es her, da wurde der Schriftsteller Salman Rushdie niedergestochen. Schon vorher, 1991, war der japanischer Übersetzer von Rushdies Roman „Die satanischen Verse“ ermordet worden. Menschen starben bei Anschlägen auf weitere Übersetzer, sein norwegischer Verleger wurde durch Schüsse schwer verletzt. Im Jahr 1989 hatte das iranische Regime in Gestalt von Ruhollah Chomeini mit einer Fatwa zur Ermordung des Schriftstellers aufgerufen. Und diese Fatwa wirkt bis heute nach.

Der Schriftsteller Salman Rushdie, Autor des 1988 erschienenen Romans „Die satanischen Verse“.

Der 24-Jährige, der nun in New York auf den 75-jährigen Autor einstach, hatte laut einem Bericht von VICE World News auf Social Media Kontakt zu den iranischen Revolutionsgarden. Der Iran wiederum weist alle Schuld von sich. Ganz so, als müsste einer wie Salman Rushdie, der in ihren Augen den Propheten beleidigt hat, dann eben damit rechnen, auf einer Lesung ein Messer in den Hals gerammt zu bekommen.

Iranische Hardliner hetzen immer wieder gegen Salman Rushdie

Die Wahrheit aber ist: Hardliner im Iran haben immer wieder gegen Rushdie gehetzt, zum Beispiel über Twitter. Dort betreibt der religiöse Führer des Landes, Ali Chamenei, einen Account, dem über 900.000 Menschen folgen. Das ist eigentlich nicht so viel. El Salvadors Hipster-Präsidenten Nayib Bukele, der Bitocins als offizielle Währung eingeführt hat, folgen alleine auf TikTok 3,5 Millionen Leute. Aber Ali Chamenei hat damit immer noch doppelt so viele Twitter-Follower wie Social-Media-Rampensau Olaf Scholz. Der Account wird von Chameneis Büro betrieben. Es ist zwar nicht so, als würden dort im Minutentakt Tweets abgesetzt. Aber zu machen Themen scheint es dann doch ein erhebliches Mitteilungsbedürfnis zu geben. 2019 etwa, da hieß es auf dem Twitter-Account von Chamenei:

"Imam Chomeinis Urteil über Salman Rushdie basiert auf heiligen Versen und ist solide und unwiderruflich."

Der iranische Revolutionsführer Ali Chamenei 2019 auf Twitter

„Kill Salman Rushdie“ steht auf dem Transparent iranischer Frauen im Februar 1989 in Teheran.

Das schrieb Chamenei aus Anlass des 30. Jubiläums der vom iranischen Revolutionsführer Chomeini erlassenen Fatwa gegen den Schriftsteller. Twitter löschte den Tweet zwar, aber Chamenei durfte seinen Twitter-Account behalten. Twitter tat auch nichts, als das religiöse Oberhaupt des Irans im Oktober 2020 den Holocaust anzweifelte, indem er raunte:

"Warum ist es ein Verbrechen, Zweifel am Holocaust zu äußern?"

Der iranische Revolutionsführer Ali Chamenei 2019 auf Twitter

Im Januar 2021 wurden auf Chameneis Account westliche Impfstoffe aus den USA und Großbritannien als „nicht vertrauenswürdig“ bezeichnet. Es sei „nicht unwahrscheinlich“, dass die beiden Länder „andere Nationen vergiften“ wollten. Immerhin: Twitter sperrte den Tweet, aber ansonsten passierte: nichts. Und Twitter schritt auch nicht ein bei den unzähligen Malen, bei denen Chamenei gegen Israel hetzte:

"Warum Israel ausgelöscht werden sollte – und wie das gelingen könnte. Ayatollah Chameneis Antwort auf 9 Schlüsselfragen."

Der iranische Revolutionsführer Ali Chamenei 2014 auf Twitter

Laxe Regeln für staatliche Trolle

Für Staatoberhäupter gelten auf Twitter laxere Regeln als für Otto-Normal-Trolls. Es bestehe ein erhebliches öffentliches Interesse daran, „ihre Aktionen und Aussagen zu kennen und diskutieren zu können“, schreibt Twitter in seinen Richtlinien. Und zugegeben: Es ist ja wirklich gut zu wissen, dass Chamenei beispielsweise vor drei Jahren die Fatwa gegen Salman Rushdie bekräftigt hat.

Schimpft nun auf seinem erfolglosem Twitter-Klon Truth Social: Donald Trump.

Auf der anderen Seite wurde auch Donald Trump das globale Twitter-Megaphon entzogen, unter anderem deswegen, weil er seine Anhänger zum Sturm auf das Kapitol angestachelt hatte. Und so schimpft Trump seit seinem Twitter-Rauswurf in seinem erfolglosen Twitter-Klon Truth Social einsam vor sich hin – und das ist gut so.

Trump aber ist zugleich ein Präzedenzfall, und wer A sagt, der muss auch B sagen. Was für Trump gilt, das muss auch für den iranischen Chef-Ayatollah gelten: Keine Plattform für Hetzer, egal wo. Und zwar auch dann nicht, wenn es sich um einen greisen Religionsführer handelt.