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#failoftheweek Droht den Handy-Doktoren das Aus?

Selber reparieren war einmal. Das liegt nicht nur an der fehlenden Begabung, sondern an den Geräten selbst. Also auf zum Handy-Doktor. Doch denen macht Google gerade den Garaus. Das Unternehmen blockiert ganz einfach deren Anzeigen. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 27.06.2019

Android-Logo auf einem zerbrochenen Display | Bild: picture-alliance/dpa/blickwinkel

Steve Porter hat sich 18 kaputte Xboxes bestellt und will herausfinden, ob man die reparieren kann, sodass die Spielekonsolen danach wieder schnurren wie ein Kätzchen. Also beginnt Steve Porter zu schrauben und zu löten. Steve Porter ist der Reparatur-Papst im Internet. Was Steve Porter nicht mehr zum Laufen bekommt, das ist wirklich kaputt. Steve Porters Clips wirken dabei wie eine Mischung aus Bob Ross und einem Elfmeterschießen in einem WM-Halbfinale: Einerseits sind seine Clips nämlich unglaublich beruhigend. Steve schraubt hier was auf und misst dort die Spannung, erklärt dies und das: Tech-Wellness pur. Aber andererseits sind die Videos auch ungemein aufreibend: Oft scheitern die Reparaturbemühungen des Bastlers nämlich im letzten Moment an irgendeinem Transistor, der einfach nicht funktionieren will.

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I bought 18 broken Xboxes - Can I Fix Them and Make Money? | Bild: TronicsFix (via YouTube)

I bought 18 broken Xboxes - Can I Fix Them and Make Money?

Geräte, die nicht repariert werden sollen

Bei uns selbst scheitern Reparaturbemühungen hingegen fast immer. Wir wollen einen Laptop reparieren, danach ist er Schrott. Wir wollen ein Smartphone reparieren, danach ist es Schrott. Wir wollen ein Tablet reparieren und danach... ja genau: Schrott. Das liegt nicht nur an unseren verkümmerten Reparaturskills oder daran, dass wir bei Steve Porter-Videos nicht gut genug aufgepasst haben. Es liegt an den Geräten selbst: Heutige Geräte kann man oft gar nicht mehr aufschrauben, stattdessen ist alles verklebt, verleimt und verschweißt, sodass das Smartphone noch ein paar Mikrometer flacher ist oder das schicke Notebook noch ein bisschen schicker. Schon das Wechseln eines Akkus erfordert heute die technische Expertise eines Raketenkonstrukteurs und die motorischen Fähigkeiten eines Uhrmachers. Das alles lässt den Elektroschrottberg wachsen und wachsen. Und Schuld daran hat auch Google.

Google blockiert Anzeigen von unabhängigen Reparaturshops

Von Google abhängig: Die kleinen Handy-Repararurshops machen mit Anzeigen auf sich aufmerksam

Der Suchmaschinen-Gigant blockiert seit einiger Zeit die Anzeigen von Reparaturshops. Und zwar von solchen Reparaturshops, die nicht offiziell von Firmen wie Google oder Apple autorisiert sind, ihre Geräte zu reparieren. Denn: So eine Erlaubnis von den Konzernen – die kostet – und zwar nicht nur Geld, sondern auch die eigene Unabhängigkeit. Google wiederum sagt, man wolle die Verbraucher vor „irreführenden, unangebrachten und schädlichen Anzeigen schützen" und tatsächlich mag es die ein oder andere Hinterhof-Reparaturklitsche geben, die beim Reparieren von Dingen genau so wenig behutsam vorgeht wie wir selbst. Und trotzdem: Dass Google hier einfach alle freien Reparaturbetriebe über einen Kamm schert und ihnen verbietet, über Werbung auf sich aufmerksam zu machen, das ist ein Skandal. In einschlägigen Foren ist die Unruhe groß: „Wir sind seit über zehn Jahren Reparatur Dienstleister. Seit ein paar Tagen werden jeden Tag ein paar Anzeigen abgelehnt. Das ist unverschämt von Google.“ – „Wir sind wirklich verzweifelt.“ Und: „Darf Google als Monopolist uns gegenüber dem Mitbewerber benachteiligen?

Alle zwei Jahre ein neues Handy

Genau das ist die Frage, denn Google hat ein Monopol, wenn es um Werbung in Suchmaschinen geht und Werbung auf Google wiederum ist eines der wichtigsten PR-Mittel von kleinen, unabhängigen Reparaturwerkstätten. Schon wird geraunt, Google wolle das Reparieren von Smartphones erschweren, um uns weiterhin alle zwei Jahre ein neues andrehen zu können. Auch über den Einfluss von Apple, dem freie Werkstätten schon immer ein Dorn im Auge waren, wird gemunkelt.

Immerhin: Die betroffenen Werkstätten haben damit begonnen, sich zu wehren. Der „Runde Tisch Reparatur“ hat einen offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben. Bleibt zu hoffen, dass die Politik den Werkstätten zuhört und den Reparaturbetrieb wieder repariert.


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