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#failoftheweek: EuGH-Urteil Cookies Bitte stimmen Sie diesen Cookies zu, ansonsten stimmen Sie diesen Cookies zu

Das Internet krankt an akuter Zustimmeritis. Und die könnte nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes noch schlimmer werden. Helfen kann nur die Politik. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 04.10.2019

Das Krümelmonster isst einen Keks | Bild: picture alliance/Eventpress

Ständig schieben sie sich zwischen uns und die Seite, die wir gerade ansurfen wollen: Nervige Banner, die uns fragen, ob wir damit einverstanden sind, dass die Seite Cookies verwendet. Eigentlich ist das ja irgendwie gut gemeint. Aber manche dieser kleinen Dateien sind unter Datenschutzgesichtspunkten problematisch. Sie verfolgen uns nämlich durch das Netz und führen genau Buch darüber, welche Seite wir wie lange angesurft haben.

Cookies: Aus Datenschutzgründen problematisch

Das Problem: Kein Mensch liest genau, was da eigentlich steht. Die Zustimmung, die sich die Seiten von uns abholen, ist eine Pseudo-Zustimmung, in etwa so, wie bei den allgemeinen Geschäftsbedingungen, denen wie tagein tagaus so zustimmen. Kein Zweifel: Das Netz krankt an akuter Zustimmeritis.  Datenschutz sollte eigentlich wie ein schützender, wärmender Mantel sein, stattdessen fühlt er sich hier an wie ein kratzender Pullover. Und der könnte in Zukunft noch mehr kratzen.

Denn diese Woche hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass dem Setzen von Cookies zugestimmt werden muss – und zwar aktiv. Deutschland war bisher einen Sonderweg gegangen, hier war es erlaubt, die Zustimmung zum Datensammeln per Cookies auf der Seite quasi voreinzustellen. Konkret: Es war erlaubt, dass das Häckchen vorher schon auf „Ja“ stand oder man sich für einverstanden erklärte, indem man nach dem Wegklicken des nervigen Cookie-Banners einfach weitersurfte.

EuGH-Urteil hilft nur den Unternehmen

Natürlich haben die Richter recht, denn beim Wegklicken von beknackten Cookie-Bannern eine Sehnscheidenentzündung zu riskieren, ist vermutlich immer noch besser, als wenn nicht einmal vernünftig um Erlaubnis gefragt wird. Und dennoch: Das kann es nicht sein. Die Datenschutzprobleme des Internets wird man nicht durch Zustimmungsorgien lösen können.

Die Zustimmeritis verlagert die Verantwortung für den Datenschutz auf den einzelnen Internet-Nutzer, die Unternehmen sind fein raus. Gefragt wäre die Politik: Die sollte endlich einmal strengere Datenschutzgesetze erlassen und bei besonders datenschutzsensible Formen des Trackings auf „Ablehnen“ klicken -  per Gesetz. 


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