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#failoftheweek Wie das Bundesverkehrsministerium Computerspielen die Förderung abdreht

Mario Kart, GTA, Pokémon Go. Die erfolgreichen Games kommen ganz klar: Nicht aus Deutschland. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer versprach Förderung für die Branche. Doch damit soll es nun wieder vorbei sein. Was für ein planloses Schauspiel, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 09.07.2019

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (Archivbild) | Bild: picture alliance / Pacific Press

„Der Planer“, so heißt ein deutscher Computerspielklassiker aus dem Jahr 1994. In „Der Planer“ übernehmen wir die Leitung eines Logistikunternehmens. Wir verschicken Faxe, planen Routen, verschicken Faxe, verschicken noch mehr Faxe, stellen Leute ein, werfen Leute raus, verschicken Faxe, halten das Geld zusammen und planen eben. Alles ein bisschen grau, alles ein bisschen langweilig, alles sehr deutsch, aber irgendwie auch ein bisschen geil. Eine Million Mal hat sich dieser Logistik-Simulator damals angeblich verkauft, die am Schulhof kursierenden „Sicherheitskopien“ nicht eingerechnet.

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Lets Play: Der Planer #1_1 (DE) | Bild: Maik's Hobbyzimmer (via YouTube)

Lets Play: Der Planer #1_1 (DE)

Planloser Eiertanz

Ob der Bundeverkehrsminister Andreas Scheuer „Der Planer“ gespielt hat, ist nicht überliefert. Vermutlich nicht, denn der planlose Eiertanz, den das Bundesverkehrsministerium gerade aufführt, wäre uns dann vermutlich erspart geblieben.

Dorothee Bär und Andreas Scheuer ließen sich im April 2019 beim Deutschen Computerspielpreis feiern

Es geht um 50 Millionen Euro, mit denen das Bundesverkehrsministerium die Produktion von Computerspielen fördern möchte. Die Verantwortung für Computerspiele liegt in Deutschland beim Bundesverkehrsministerium, weil Computerspiele ja bisweilen auch was mit Internet zu tun haben und damit ja auch was mit Infrastruktur. Die Forderung nach einer Förderung für Computerspiele hatte es Koalitionsvertrag geschafft und wurde dann dieses Jahr erstmalig umgesetzt. Und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ließ sich dafür im April von der Branche beim Deutschen Computerspielpreis feiern.

Das Bundesverkehrsministerium muss sparen

Im Haushalt für 2020 aber, da fehlt die Computerspiel-Förderung. Der Verdacht: Das Bundesverkehrsministerium muss sparen. Alleine die Vorbereitungen zur gefloppten Pkw-Maut haben nämlich knapp über 50 Millionen Euro gekostet – genau so viel also wie die Computerspielförderung, die man nun offenbar einstellen möchte. Und die klaffende Maut-Lücke im Haushalt ist in Wirklichkeit noch größer, da nun wichtige Einnahmen fehlen. Naheliegend also, dass man dann das streicht, was einem ohnehin etwas obskur vorkommt und irgendwie ja auch mit Verkehr gar nicht so viel zu tun hat, Internet hin, Internet her. 

Immerhin: Dorothee Bär, CSU, die Staatministerin im Bund für Digitales und Judith Gerlach, auch CSU und bayerische Digitalministerin, haben bereits protestiert. Judith Gerlach warnt vor einem „politischen Desaster“, denn genau das wäre die Streichung der Förderung. In Deutschland wird zwar viel Geld für Computerspiele ausgegeben, aber die großen Hits entstehen wo anders. Und das wird sich auch nicht ändern, so lange die Politik den Computerspielstudios nicht ein bisschen mehr von dem verschafft, was sie so dringend bräuchten. Nämlich Geld - und damit Planungssicherheit. Dann könnten deutsche Spieleentwickler vielleicht irgendwann so erfolgreich werden wie unser Speditionsunternehmen, damals im Jahr 1994.


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