Bayern 2 - Zündfunk


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"Every Bad" Die Songs von Porridge Radio brennen sich ein wie Mantras

Nach ihrem Debütalbum, „Rice, Pasta and other Fillers“, das sie 2016 noch DIY rausgebracht haben, sind sie mit ihrem neuen Album „Every Bad“ jetzt beim feinen Indie-Label Secretly Canadian angekommen und bei uns in der Kategorie Album der Woche.

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 16.03.2020

„Ich bin zu Tode gelangweilt, lass uns streiten.“ So beginnt „Born Confused“, der erste Song auf dem neuen Album von Porridge Radio. Was ist eigentlich los mit mir? - das fragt sich Sängerin Dana Margolin. Und es wirkt fast so, als streite sie mit sich selbst. Das Hin- und Hergerissensein, das Verwirrt-Sein zieht sich durch das gesamte Album. Was will ich eigentlich im Leben? Wo will ich hin? Wo ist mein Zuhause? Da sag noch mal einer, mit Anfang 20 hätte man die beste Zeit seines Lebens.

"Ich vergesse immer, dass wir eine laute Band sind"

Dana Margolin hat die letzten Jahren in Brighton studiert, gejobbt und das gemacht, was ihr am meisten Halt gegeben hat: Musik. Zuerst allein in ihrem Schlafzimmer, leise, damit niemand sie hört, dann auf Open Mic-Nächten in Bars und Pubs - vor Publikum, dem es herzlich egal war, wer da auf der Bühne stand, erzählt sie: "Zum ersten Mal war ich an einem Ort, wo ich laut sein durfte. Und es hat echt Spaß gemacht. Ich mochte schon immer laute Bands und laute Konzerte. Ich hab dann eine Band gegründet. Verblüffend zu sehen, dass diese leisen Songs, die ich in meinem Schlafzimmer gemacht habe, auch laut gespielt werden können. Ich vergesse immer, dass wir eine laute Band sind, aber das sind wir."

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Porridge Radio - Sweet (Official Video) | Bild: PorridgeRadioVEVO (via YouTube)

Porridge Radio - Sweet (Official Video)

Auf Songs wie „Sweet“ erinnern Porridge Radio an die Londoner Post-Punk-Band Savages: Das Spiel zwischen leise und laut, zärtlicher Melodie und im nächsten Moment brutalem Riffgewitter entfaltet eine ganz eigene Dynamik. Ebenso die Texte: „Ich bin charmant, ich bin süß und sie wird mich lieben, wenn sie mich kennenlernt“, singt Dana Margolin und es klingt so gar nicht süß, sondern eher wie eine Drohung.

Ein Stilmittel kommt immer wieder zum Einsatz: Wiederholung

Neben düsteren Post-Punk-Brettern und kantigen Indie-Rock-Nummern, gehen manche Songs auf dem Album „Every Bad“ in Richtung Dreampop – oder eher Albtraumpop wie beim Song “Circling“. Der leiert und schwankt wie gruselige Jahrmarktmusik. Neben der lakonischen Sprache von Dana Margolin, fällt besonders ein Stilmittel auf, das auf so ziemlich jedem Song zum Einsatz kommt: Wiederholung.

"Ich liebe es, Dinge immer wieder aufs Neue zu wiederholen. Ich finde es spannend, wie die Worte dadurch die ganze Zeit ihre Bedeutung verändern."

Dana Margolin

Interessanterweise erschöpft sich dieses Stilmittel nicht – auch nicht über die Länge des gesamten Albums. Im Gegenteil, man wartet schon darauf, dass die Sätze und Phrasen wieder zu Mantras werden und einen fast schon meditativen Sog entwickeln. Welche Kraft dieser repetitive Sog live haben muss, kann man sich beim Song „Lilac“ gut vorstellen.

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Porridge Radio - Lilac (Official Video) | Bild: PorridgeRadioVEVO (via YouTube)

Porridge Radio - Lilac (Official Video)

Ich will nicht verbittern, singt Dana Margolin. Ich will, dass es uns besser geht, dass wir netter zueinander sind – zu uns selbst und zu anderen. Diese Lyrics sind zeitlos, entfalten in der aktuellen Pandemie aber eine noch größere Wahrhaftigkeit: : "Eigentlich ging es in dem Song nur um mich und eine persönliche Beziehung. Erst mit der Zeit habe ich gemerkt, dass diese Zeilen allgemeingültig sind. Dass Leute sie auf ihre eigenen Erfahrungen oder die politische Situation anwenden würden. Es war Wahnsinn, als die Leute auf Konzerten angefangen haben, diese Zeilen mitzusingen. Es fühlt sich mächtig an und aufregend."

Die IDLES lassen grüßen

Szenen von IDLES-Konzerten kommen einem in den Sinn. Die Post-Punk Band aus Bristol ist seit ein paar Jahren die Nummer 1, wenn es darum geht, gute Botschaften mit brachialer Gitarrenmusik zu verpacken. Da können Porridge Radio mit „Lilac“ gut mithalten. Der Song steigert sich fast bis ins Unerträgliche bis er dann unvermittelt abreißt.

"Manchmal muss man Songs einfach enden lassen. Weil sie an einen Punkt kommen, da sind sie so intensiv, da können sie nirgendwo anders mehr hin."

Dana Margolin


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