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"Auf Auf" Wie es dazu kam, dass die Münchner Band Embryo auf dem Hip-Hop-Label von Madlib veröffentlicht

Die Münchner Band Embryo ist eine Legende. 1969 von Christian Burchard gegründet, tourte die Band durch die ganze Welt. Seit Burchards Tod wird die Band von seiner Tochter Marja weitergeführt. Das neue Album erscheint auf dem angesagten Label von Hip-Hop-King Madlib. Ein Paukenschlag.

Von: Ralf Summer

Stand: 22.11.2021

Marja Burchard und ihre Band Embryo | Bild: Enid Valu

Die Münchner Band Embryo ist die wohl am weitesten gereiste Formation hierzulande, sie ist seit 1969 in Dutzenden Ländern der Welt aufgetreten. Das Klangspektrum des aus Hof stammenden Gründers Christian Burchard ist ein Mix aus Weltmusik und Jazzrock. Und nach seinem Schlaganfall hat Tochter Marja Burchard zuerst eine größere Rolle in der Band und nach dem Tod des Vaters 2018 die Leitung der Band übernommen. Und es war zuletzt wie ein Paukenschlag, als erst vor kurzem von Madlib verkündet wurde, dass er das erste Album von Embryo unter der Führung von Marja veröffentlicht. Madlib ist einer der versiertesten amerikanischen Hip-Hop-Beatmaker - also eigentlich eine ganz andere Baustelle - aber trotzdem einer der größten Fans der Münchner Formationen. „Auf Auf“ heißt das neue Album und „Auf Auf“ war auch das Motto von Papa Burchard. Ralf Summer hat mit Marja gesprochen.

Über Embryo bleibt Embryo

„Wir haben 2018/2019 angefangen die Platte aufzunehmen. Und zwar in einem selbstgebauten Studio in einem kleinen Kino in dem fränkischen Dörflein Helmbrechts. Das war kurz nachdem mein Vater verstorben ist. Mein Vater ist ja 2015/2016 erkrankt, da hatte ich Embryo schon übernommen gehabt und habe ihn teilweise mitgenommen auf die Konzerte und ihn gefragt, wie es findet. Er fand es immer super. Ich habe ihn dann auch gefragt, ob ich, wenn er irgendwann vielleicht nicht mehr da ist, die Band dann Embryo 2 nennen soll oder Orymbe, also Embryo verdreht. Und dann hat er mir gesagt: „Nein, auf gar keinen Fall. Du musst es einfach Embryo nennen, weil du hast auch von den großen Meistern gelernt, so wie ich und Du übernimmst es und es soll einfach immer noch Embryo heißen.“

Über Madlib

„Madlib ist ja ein Wahnsinnsfan von Embryo. Er hat 2009/2010 meinen Vater angeschrieben und gesagt: „Hey, I wanna meet you, I wanna work with you.“ Mein Vater war erst mal sehr misstrauisch: „Wer ist denn das überhaupt, irgendein Typ aus Amerika.“ Das war ihm ganz suspekt und er war erstmal gar nicht so begeistert. Aber irgendwie hat Madlib dann gesagt, er kommt nach München und er will sich treffen. Und dann dachte mein Vater: „Ok, warum nicht?“ Er ist dann zu dem Treffen mit so einer Riesen-Kassettenbox und seinem Taperecorder gekommen. Und hat den Taperecorder dahingestellt und angefangen dem Madlib erstmal Musik vorzuspielen, die er gut findet. Und hat den Madlib ausgecheckt, ob er die Musik auch kennt. Wir nennen das immer Blindfold-Test: Immer so: „Who’s playing?“ Und der Madlib hat alle gekannt. Und dadurch hat man Vater halt auch angefangen, ihn zu respektieren und ihn auch einfach zu mögen. Also, rein menschlich gesehen, ist da eine Verbindung entstanden.“

Über die Übernahme von Embryo

„Es ist ein lustiges Thema. Das beschäftigt mich ja schon seit fünf Jahren, weil die Reaktion vom Publikum ja auch immer sehr direkt ist, gerade nachdem mein Vater nicht mehr mitgespielt hat. Da gab es sehr hitzige Diskussionen von wegen: „Ja, das kannst du doch nicht machen, dass ist das Ding von deinem Vater und so. Der Übergang war sehr fließend, ich bin sozusagen rein eingefadet als er ausgefadet ist. Ich sehe das so als Zyklus. 52 Jahre ist einfach eine sehr lange Zeit.“

Embryo - eine Zeitreise

Über Cultural Appropriation

„Ich finde es total wichtig und schön, die Stücke von meinem Vater zu spielen. Auch die Stücke, die mein Vater gespielt hat, also traditionelle arabische Stücke oder afghanische Stücke. Bei der jetzigen Platte sind tatsächlich hauptsächlich Stücke von mir und Maasl (Anm. der Redaktion: Maasl Maier, Bass/Gitarre/Sax/Synth - und Teil der Band Karaba) und zwei Traditionals dabei. Es gibt insofern die Ähnlichkeit zu anderen Embryo-Alben, dass man sozusagen die andere Musik wertschätzt. Es ist keine Cultural Appropriation, was man ja auch so in den Raum wirft, sondern das ist Appreciation – also, das ist wirklich eine Wertschätzung. Man lernt von den anderen. Wenn man das Geld von den Aufnahmen mit den anderen teilt und die einfach auch wertschätzt, dann sehe ich das als Wertschätzung und nicht als Ausnutzung.“