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Female-Hip-Hop-Highlights 2017 Elf Girlboss-Tracks, die du dieses Jahr gehört haben musst

2017 war das Jahr des Female-Hip-Hop. Von Cardi B bis Hayiti, von Mavi Phoenix bis Princess Nokia. Junge starke Frauen hatten viele großartige Momente. Wir haben die besten Tracks in eine Liste gepackt.

Von: Alba Wilczek

Stand: 21.12.2017

Die New Yorker Rapperin Princess Nokia | Bild: BEGGARS GROUP LIMITED

2017 war ein gutes Jahr für Frauen in der Hip-Hop-Szene. Irgendwo zwischen #metoo und Sexismusdebatte eroberten dieses Jahr viele Frauen ihren rechtmäßigen Platz auf der Rap-Bühne. Endlich, möchte man sagen. Alle Rapperinnen in unserer Liste sind unterschiedlich, aber eines haben sie gemeinsam: Talent und das Potential, Traditionen aufzubrechen. Hier unserer Top-List der Songs, die ihr dieses Jahr definitiv gepumpt haben müsst.

Ebow – Punani Power

Der Titel gibt direkt die Ansage. Ebow rappt über die Macht der Punani (hawaiianisch für: weibliche Genitalien - vielleicht das schönste Wort dafür). Die Musik der türkischstämmigen Münchnerin ist von dieser Punani Power geprägt. Ebow ist eine moderne und emanzipierte Muslimin. Sie möchte klar Klischees überwinden und sich nicht in eine Schublade stecken lassen. All diese Themen verpackt sie in nice Beats, einen guten Flow und interessante Texte, die auch mal politisch werden können. Bemerkenswert und macht Freude auf die Zukunft.

Eunique – Jubel

Eunique wird (wichtig) ausgesprochen wie das Englische "unique", auf Deutsch: einzigartig. Zufall? Don’t think so. Diese junge Hamburgerin ist dieses Jahr durch die Decke gegangen. Ihre Songs haben auf keiner Newcomer-Playlist gefehlt. Die Kobra – so nennt sie sich unter anderem selbst – hat eine Stimme mit Wiedererkennungswert und fast 40.000 Follower auf Instagram. Ihr Erfolg dieses Jahr gipfelt in 1,3 Mio. Klicks für ihr Video zu „Jubel“. Ein Song über den Struggle an die Spitze zu kommen. Und das Selbstbewusstsein, dass sie davon aber trotz allem nicht ablässt.

Princess Nokia – Tomboy

Irre Girlpower, 90ies-Kultur und eine Prise Afropunk verpackt in experimentelle Hip-Hop-Beats. Das ist Princess Nokia. Aber auch wieder nicht. Destiny Fraqueri hat viele Facetten. Ob über Respekt für Frauen, weibliche Marvel-Figuren oder ihre Herkunft (Puerto-Rico, Yoruba). Die New Yorkerin aus der Bronx hat viel zu sagen. Ihr Debüt-Album "1992" hat eingeschlagen, wie eine Bombe. Auch im Zündfunk. Der Song „Tomboy“ ist eine Hymne für Frauen mit kleiner Oberweite. Love your Body, aber Seele und Charakter zählen eh mehr.

SXTN – Er will Sex

Nura und Juju von SXTN habens skilltechnisch drauf. Und sie sind mächtig auf Krawall gebürstet. Mit ihrer neuen In-die-Fresse-Platte „Leben am Limit“ sind die beiden Berliner Girls dieses Jahr endgültig in der deutschen Rap-Szene angekommen. Das Duo findet sich irgendwo zwischen modernem Feminismus, Anti-Rassismus-Statements und dem Verteufeln von Schubladendenken wieder. Hauptsache: Provozieren. Und es klappt. Die Konzertsäle rappelvoll, die Crowd am Ausrasten. Besonders bei diesem Song hier. Eine Hymne an alle Fuckboys, das sind Typen mit ausschließlich Vögel-Absichten. Jungs, so einfach geht’s nicht.

Antifuchs – Leisefuchs

Maske auf, frech ohne Ende, lässt sich nix vorschreiben. Erinnert euch an wen? In der Tat. Rapperin Antifuchs erinnert stark an Rap-Koriphäe Sido. Aber nicht nur wegen der Maske. Das Hip-Hop-Girl hat's auch skillmäßig faustdick hinter den Ohren. Stabiler Flow und auch hier eine große Portion Feminismus. Ihr Song "Leisefuchs" ist Kopfnicker-Track und mieser Ohrwurm in einem.

Cardi B – Bodak Yellow

Einst Stripperin, dann Instagram Personality, jetzt erfolreiche Rapperin. Cardi Bs Lebenslauf ist eine true american Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Die Hip-Hop-Industrie braucht Cardi B, eine starke Frau, mit klarer Agenda: Mixtapes auf der Nr.1, Single "Bodak Yellow" Nummer 1, 2017 war Cardi Bs Jahr. Ihr reguläres Debüt-Album steht zwar noch aus. Dass das jetzt aber weniger einschlägt als ihre Musik bisher, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Sookee – Queere Tiere

Die politischste Rapperin in dieser Liste. Sookee - oder auch die Quing of Berlin (Mischung aus Queen und King). Die Künstlerin setzt sich offen gegen Homophobie und Rassismus ein. Sie studiert unter anderem Gender Studies, kennt sich daher perfekt in der Thematik aus und behandelt sie auch in ihren Texten. In „Queere Tiere“ zeigt uns Sookee, dass die Tierwelt der Menscheit in Sachen Toleranz weit voraus ist. Eine Undergroundrapperin, die versteht über was sie redet und nebenbei zeigt, was sie raptechnisch drauf hat - nämlich viel!

Chynna – practice

Noch nicht groß bekannt, wie andere Kolleginnen in dieser Liste, aber trotzdem mit viel Potential bald den Sprung zu schaffen: Chynna Rogers aus Philidelphia. Die afroamerikanische Rapperin hat dieses Jahr ihre neue EP „music 2 die 2“ gedropped. Sehr outgoing, klare Agenda und interessante Beats. Bester Song: "practice". Ein etwas dunkler, aggressiver Track mit Ansage an ihre Mitstreiter: Ich bin krasser als ihr, ihr könnt mir nichts, suck my dick (and so on). Chynna und SXTN könnten gar Schwestern im Geiste sein.

Tommy Genesis –  Tommy

Ein nacktes Girl in ästhetischer sexy Pose in einer milchigen Flüssigkeit. Neuer Pirelli-Kalender? Nope. Das Single-Cover von "Tommy". Ein Track der kanadischen Künstlerin Tommy Genesis. Laut ihrer Wikipedia-Page ist sie Model, Künstlerin und Visual Artist in einem. Multifunktionaler Girlboss also. Ihre Musik ist geprägt von gut gebauten, oft experimentellen Beats und feministischen, selbstreflektierenden Texten. So auch die Top-Single „Tommy“. Laut der Künstlerin, geht es hier um die Tommy ohne Genesis hintendran, quasi die Privatperson.

Mavi Phoenix – Janet Jackson

Die Österreicherin Mavi Phoenix hat mit 12 Jahren alleine angefangen Beats zu produzieren. Vor kurzem der Anruf: Tour mit Bilderbuch, ein stressiger Festivalsommer und schließlich Nominierungen für den FM4-, sowie den Amadeus-Award. In „Janet Jackson“ von der neuen EP „Young Prophet“ macht sie klar, welche Frau hier groß Kasse macht. Außerdem verlangt sie Probs (Rapsprech für Anerkennung). Alle Probs, die wir haben, für Mavi Phoenix.

Haiyti - Sunny DriveBy

Girlboss? Hip Hop? Talent? Mensch, irgendwer fehlt doch noch. Klar! Last, but definitely not least: Hamburgs Trap-Queen Haiyti. Eine Künstlerin, über die selbst die anspruchsvollen Feuilleton-Redakteure nur Gutes zu sagen haben. Sie hat das Potential, den weiblichen, deutschen HipHop nach vorne zu bringen. Neben unzähligen EPs und Features hat die selbsternannte Girlbossgangsterin, dieses Jahr ihren Major-Deal unterschrieben. Im Januar kommt das neue Album "Montenegro-Zero". Drei Songs hat sie vorher schon gedropped. Einer davon „Sunny Drive By“. Ein verspäteter, super-catchy Sommerhit zum Pumpen auf dem verschneiten Weg in den verdienten Neujahrsurlaub.


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