Bayern 2 - Zündfunk


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Der originale "Public Enemy" Eine Hommage an Bluesologist und Poet Gil Scott-Heron

Lange bevor die ersten Rapper in den 80ern und 90ern die Musikwelt aufmischten, hatte Gil Scott-Heron den Grundstein dafür gelegt: "Ich bin das Original", sagte er einst im Zündfunk-Interview. Judith Schnaubelt erinnert an den Schöpfer von "The Revolution Will Not Be Televised".

Von: Judith Schnaubelt

Stand: 09.08.2019

Es gibt eine Menge Fans vom großen Gil Scott-Heron, die der Meinung sind, dass man ihn durchaus als den "schwarzen Bob Dylan" bezeichnen könnte. Ihn, der nicht nur ein großer Poet, Songwriter und Sänger war (nebenbei ein besserer Sänger als Bob Dylan) sondern sich inhaltlich auch immer für Menschenrechte und Friedenspolitik eingesetzt hat. Es wäre eine gute Idee gewesen, beiden gleichzeitig den Literaturnobelpreis zu verleihen.

Im Jahr 2016 war Gil Scott-Heron allerdings schon längst verstorben, am 27. Mai 2011 in New York City. Immerhin hatte er ein Jahr vorher noch ein furioses Comeback mit seinem Album "I‘m new here" erleben können, und seine Fans ihn auf einer internationalen Konzerttour. 

Nicht nur ein Gedicht von Gil Scott-Heron ist in den Kanon amerikanischer Literatur und Popkultur eingeflossen, aber "The revolution will not be televised" ist sein berühmtestes. 1970 hat er es veröffentlicht und es wurde zur Blaupause für die Reime zukünftiger Rapper. „Ich aber bin das Original“, sagte Gil Scott-Heron 1988 in einem Interview mit dem Zündfunk selbstbewusst. „Ich war schon lange vorher ein Public Enemy.“

Gil Scott-Heron war auch einer der ersten, der Musikgenres wie Blues, Jazz, Latingrooves, Soul oder Funk fusionierte und zusammen mit seiner Poetry entstand daraus Pop. Conscious-Pop. Der Mann war ein Pionier auf vielen Ebenen, vor allem aber war er immer Humanist: „Er hat die Geschichte unseres Strebens nach Selbstbestimmung erzählt, besonders ging es natürlich um die Selbstbestimmung der schwarzen Amerikaner. Aber letztendlich überwindet so ein Anliegen alle sprachlichen, ethnischen oder religiösen Unterschiede“, konstatierte Cynthia McKinney, die 2008 Präsidentschaftskandidatin für die US-amerikanischen Grünen war. Deshalb diese Hommage an Gil Scott-Heron, der am 1. April 1949 in Chicago geboren wurde, seinen 70. Geburtstag aber leider nicht mehr mitfeiern kann.


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