Bayern 2 - Zündfunk


18

"Dreams" Ein 43 Jahre alter Fleetwood Mac Song erobert TikTok - und das ist kein Einzelfall

Über eine Million Streams in zehn Tagen für „Dreams“ von Fleetwood Mac. Und das obwohl der Song 43 Jahre alt ist. Das liegt vor allem an einer chinesischen App – und der paradoxen Logik des Musikgeschäfts 2020.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 08.10.2020

Mick Fleetwood reagiert auf den Dreams-Morning-Vibe auf TikTok | Bild: TikTok/MickFleetwood

Ein Mann auf einem Skateboard. Ganz lässig gleitet er auf einer Autobahnausfahrt dahin, dabei hat er nur sein Smartphone und eine Flasche Cranberry-Saft. Er filmt sich selbst, natürlich im Selfie-Modus. Und es läuft beim Cruisen „Dreams“ von Fleetwood Mac aus dem Jahr 1977.

Der Mann heißt Nathan Apodaca. Er arbeitet in einem Kartoffellagerhaus in Idaho und lebt in einem Trailer vor dem Haus seines Bruders. Vor dem 25. September kannte ihn niemand. Dann aber hat er den „Dreams-Morning-Vibe“ auf TikTok hochgeladen, und jetzt kennt ihn die ganze Welt.

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

DrewFrog 25.09.2020 | 18:34 Uhr I don’t use this verbiage often but this is a whole vibe. simple as that https://t.co/NfdLsgLkxu

I don’t use this verbiage often but this is a whole vibe. simple as that https://t.co/NfdLsgLkxu | Bild: DrewFrogger (via Twitter)

TikTok spült Fleetwood Mac in die Blase der 14-Jährigen

Für Fleetwood Mac ist der Upload ein Riesenerfolg. Denn nachdem Nathan Apodaca sein Video auf TikTok veröffentlicht hatte, stiegen die Streams von „Dreams“ rasant an. Sage und Schreibe eine Millionen Plays innerhalb von zehn Tagen auf Spotify. Sogar in den britischen Charts tauchten Fleetwood Mac wieder auf, der 43 Jahre alte Song kletterte mal eben auf den 85. Platz.

Alles nur, weil das Auto von Nathan Apodaca auf dem Weg zur Arbeit liegen geblieben ist, schrieb der 37-Jährige später. Also habe er eben sein Skateboard und seinen Saft aus dem Kofferraum geholt und sei damit weitergefahren. Das Video hat er in einem Take aufgenommen, um die Mittagszeit hatten es auf TikTok dann eine Millionen Menschen gesehen.

Mick Fleetwood feiert die Aktion

Für Fleetwood Mac ein Segen, kurze Zeit später teilte die Band Apodacas Video auf ihrem Twitter-Account. Und vor lauter Euphorie ist dann sogar Mick Fleetwood höchstpersönlich TikTok beigetreten und hat seine eigene Version vom „Dreams-Lipsync“ mit Cranberry-Saft hochgeladen. Früher war es noch cool, wenn Musiker*innen auf Leserbriefe geantwortet haben, heute funktioniert das Musikbusiness im 21. Jahrhundert ein wenig anders.

Instagram-Vorschau - es werden keine Daten von Instagram geladen.

mickfleetwoodofficial 04.10.2020 | 23:42 Uhr Had way to much fun with this!! More to come Xx MF. #Dreams #cranberrydreams #Fleetwoodmac @doggface208 think we could find a Tandem bike?

Had way to much fun with this!!
More to come
Xx MF.
#Dreams #cranberrydreams #Fleetwoodmac
@doggface208 think we could find a Tandem bike? | Bild: mickfleetwoodofficial (via Instagram)

„So dope and blessed“, kommentiert Nathan Apodaca – und schon sind er und Mick Fleetwood auf ein Viral-Video verabredet, wenn Corona vorbei ist.

Fleetwood Mac sind nicht die ersten, die von TikTok profitieren

Das TikTok eine immense Bedeutung für das Musikgeschäft hat, ist spätestens seit Jason Derulos „Savage Love“ nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Plattform hat den nicht sonderlich konsensfähigen Song zum Sommerhit 2020 gemacht. Außerdem profitieren von TikTok nicht nur die Künstler, die gezielt Beats oder Instrumentals für virale Videos oder Tänze herstellen. Die App spült nämlich auch Klassiker wie „Dreams“ in die Bubble einer Zielgruppe, die diese Songs zum ersten Mal in ihrem Leben hören - die schlechte Plattensammlung der Eltern sei Dank. Immerhin 69 Prozent aller TiKTok-Nutzer sind zwischen 13 und 24.

Irgendwie scheint die Generation Z ein Fable für die nostalgischen Vibes zu haben. „I’m Just A Kid“ von Simple Plan, „Can’t Touch This“, „Criminal“ von Britney Spears oder „Homecoming“ von The Teenagers. Alles TikTok-Tänze.

TikTok verändert die Musikindustrie

Klar, nicht jeder Klassiker eignet sich für TikTok. Tool, Pink Floyd, Nine Inch Nails oder Wolfgang Amadeus Mozart werden wir so schnell wahrscheinlich nicht viral gehen sehen. Man muss einen Song schon in 15 Sekunden verstehen, damit er als TikTok-Tanz funktioniert. Ein wenig entfremdend ist das schon – wenn man darüber nachdenkt, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne im Jahr 2020 scheinbar von: „Ich setze mich abends auf die Couch und höre ein ganzes Konzept-Album“ zu: „Ich guck zehn Sekunden auf TikTok, was meine Freunde gerade tanzen“, verschoben hat.

Für Nathan Apodaca ist sein Fleetwood Mac Vibe aber trotzdem ein genialer Coup. Er hat schon über 20.000 Dollar an Spenden von Fans erhalten – und die Saft-Firma, deren Nektar er im Video vor sich hin schlürft, hat ihm oben drauf auch noch einen neuen Truck gesponsert. "Dreams" came true.


18