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Kapitalismuskritische Filme im Vergleich Wer erledigt den Kapitalismus am nachhaltigsten?

Im Kinofilm "The Menu" werden Kapitalisten in eher sarkastischer Form abserviert. Wir lassen den Streifen antreten gegen zwei Erfolgsfilme mit Kapitalismuskritik: gegen den südkoreanischen Oscar-Gewinner „Parasite“ und gegen den Cannes-Gewinner „Triangle of Sadness“.

Author: Roderich Fabian

Published at: 18-11-2022 12:27 PM

HANDOUT - 22.09.2022, ---: Anya Taylor-Joy als Margot in einer Szene des Films «The Menu» (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 17.11.2022 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts) Foto: Eric Zachanowich/20th Century Studios/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Eric Zachanowich

Hinweis: Dieser Text enthält leichte Spoiler zu den Botschaften der Filme.

Kurz vor der Französischen Revolution ging es dem Adel besser als je zuvor. Dann marschierte er geschlossen auf die Guillotine. Und auch heute wieder: Die Schere zwischen Arm und Reich - sie öffnet sich immer mehr, weltweit. Und damit auch die Schere zwischen Sorglosigkeit und Zorn. Vielleicht deshalb gibt es momentan so viele Spielfilme, in denen mit Kapitalisten abgerechnet wird.

The Menu: Opfer und Killer sind alle unsympathisch

In „The Menu“ erleben wir Superreiche, die sich von einem Sternekoch auf einer einsamen Insel anscheinend verwöhnen lassen, bis sie plötzlich merken, dass der Küchenchef sie massakrieren will.

Ralph Fiennes wird in "The Menu" zum Killer

The Menu zeigt uns viele eitle, überhebliche Typen, aber der Sternekoch und sein Killer-Team sind leider genauso unsympathisch. Wahrscheinlich hätte Multimillionär Ralph Fiennes sonst auch nicht mitgespielt. Und so hält man als Zuschauer schließlich doch zu den moralisch überlegenen Opfern. Denn das sind sie letztendlich. Okay, lautet die Botschaft, sie mögen zwar Kapitalisten-Schweine sein, aber den Tod haben sie ja nicht gleich verdient.

Triangle of Sadness: Was passiert, wenn Machtverhältnisse sich verändern?

Anders geht da der Schwede Ruben Östlund in „Triangle of Sadness“, dem Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, mit dem Verhältnis zwischen Arm und Reich um. Nachdem eine Luxusjacht voller reicher Schnösel untergegangen ist, landen ein paar versprengte Seelen auf einer scheinbar einsamen Insel. Dort kann nur eine Frau aus dem Reinigungsstab Fische fangen und ausnehmen. Also verschieben sich die Machtverhältnisse.

Superschöne Menschen in "Triangle of Sadness"

Anders als in „The Menu“ erhalten die Unterprivilegierten hier eine Stimme und ein Gesicht. Die reichen Kotzbrocken müssen sich plötzlich hinten anstellen. Und die Putzfrau kann auf einmal sogar das männliche Model auf die Luftmatratze bitten. Allerdings: Alle Figuren in diesem Film sind überzeichnete Abziehbilder. Der Zuschauer merkt: Die gibt’s ja gar nicht. „Triangle of Sadness“ ist eben eine Farce und will ja auch eine sein.

Parasite: Bis zur Eskalation

Im weitesten Sinne trifft das auch auf „Parasite“ zu, den südkoreanischen Oscar-Gewinner von 2020. Hier schleusen sich die Mitglieder einer Unterschichts-Familie allmählich in der Haushalt von Großkopferten ein, einer nach der anderen.

Es wird eskalieren: Szene aus "Parasite"

Wer „Parasite“ gesehen hat, der weiß, wie heftig die Geschichte schließlich eskaliert. Aber was die Figurenzeichnung angeht, wird hier am sorgfältigsten gearbeitet. Anders als in „The Menu“ und „Triangle of Sadness“ hat man es sich mit der Unterscheidung zwischen Gut und Böse nicht so einfach gemacht. Die Wohlhabenden erscheinen hier genauso menschlich wie die Habenichtse. Alle sind hier das Ergebnis der Umstände, die aber – auch daran lässt „Parasite“ keinen Zweifel – unbedingt zu verändern sind. In „The Menu“ tut man nur so, als ob man den reichen Opfern eine faire Chance anbietet.

Die Privilegien einfach aufgeben?

Am Ende aber wartet auf jeden Fall die Guillotine. In „Triangle of Sadness“ löst sich alles in seiner Lächerlichkeit auf, das Kasperltheater schließt einfach den Vorhang. Man macht weiter wie zuvor. Nur in „Parasite“ wird zumindest die Möglichkeit einer Lösung angedeutet, bevor das Blutbad beginnt. Vielleicht hätte man den Kopf noch aus der Schlinge ziehen können, hätte man die Privilegien früher aufgegeben. Vielleicht kommen wir doch noch gesund aus dem Spätkapitalismus heraus. Wer weiß? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

"Parasite" ist zu sehen bei: Amazon Prime, Magenta TV, Apple TV

"Triangle of Sadness" ist zu sehen: im Kino

"The Menu" ist zu sehen: im Kino