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Donald Fagen wird 75 Die Musik von Steely Dan wird auch die schlimmsten Zeiten überdauern

Walter Becker und Dan Fagen sind als Steely Dan ein unsterblicher Teil der Musikgeschichte. Die perfektionistische Pop-Band hat einen festen Platz in der "Rock'n'Roll Hall of Fame". Einer der Musiker, Walter Becker, ist bereits 2017 verstorben, Dan Fagen dagegen wird 2023 75 Jahre alt. Michael Bartle zollt ihm Tribut.

Author: Michael Bartle

Published at: 10-1-2023

Steely Dan (1974) | Bild: Yoram Kahana/ picture alliance

Als Nightfly, das erste Soloalbum von Donald Fagen im Jahr 1982 erschien, war ich ein Teenager, der eigentlich auf ungestüme Musik abseits des Mainstreams stand. Wilde Alben von The Clash, The Cure oder Hüsker Dü waren mein Ding. Aber Songs wie I.G.Y waren von so einer geschmeidigen Eleganz, fast wie einer Vertonung der Drei-Wetter-Taft-Werbung, dass ich mich über Donald Fagen schließlich auch Steely Dan zugewendet habe. Unter ihrer glatten, fast immer eleganten Oberfläche gibt es jede Menge gefährliche Unterströmungen. Das macht die nahezu perfekte Popband Steely Dan so spannend.

Zwei Pop-Perfektionisten mit irren Gitarrensolos

Weil Donald Fagen, Sänger und Keyboarder von Steely Dan 75 Jahre wird, ist es für uns Zeit, ein wenig in den Jahren zu blättern, quasi „Reelin In The Years“, wie die zweite Single von Steely Dan aus ihrem Debüt „Can’t Buy A Thrill“ heißt. Walter Becker, Fagens Band-Partner meinte mal, der Song sei kein Spaß. Und Fagen ergänzt, der Song sei etwas dumm, aber ziemlich effektiv. Der Song fängt damit an, dass man einen Sommer, der für immer zu gehen schien, doch nicht festhalten kann, weil sie, die Liebe, sich anders entscheidet. Angeblich fand Jimmy Page von Led Zeppelin das Gitarrensolo eines der Besten aller Zeiten.

Die erste Single ever von Steely Dan dagegen, „Do It Again“, ohne Bridge, dafür mit einer ausgedehnten Sitar und einem Orgel-Solo, ist ewige 6 Minuten lang, zu lang eigentlich für eine Single. Sie landete trotzdem 1973 auf Platz 6 der Billboard Charts und wurde von so unterschiedlichen Künstlern wie Falco und Waylon Jennings gecovert. Aber Steely Dans größter Hit wird im Jahr 1974 „Rikki Don’t Lose That Number“, ein ganz Besonderer noch dazu: Es ist im Prinzip der erste Song ever, der direkt am Anfang auf einem Sample beruht. Bei „Rikki Don’t Lose That Number“ ist das Horace Silvers „Song For My Father“, ein Hard Bop Klassiker aus dem Jahr 1964. Für ihr drittes Album „Pretzel Logic“ haben Steely Dan daraus einen ihrer größten Erfolge gemacht. 

"Wir stehlen, wir sind die Raubritter des Rock 'n' Roll!"

Donald Fagen über sich und Walter Becker

Harte zehn Jahre während der Band-Auflösung

Übrigens: Wie jahrelang von den Fans vermutet, war das Wörtchen „Number“ in „Rikki Don’t Lose That Number“ keine geheime Chiffre für einen Joint, den man sich selbst nach Hause schicken lassen kann. Sondern die eigene Telefonnummer, die Rikki, eine College-Liebe Donald Fagens, anrufen soll, wenn sie sich doch anders und für ihn entscheidet. Mittlerweile haben es die Songs von Walter Becker und Donald Fagen selbst ins große Songbook des Jazz geschafft. Sieben Platten nahmen Steely Dan in den 70er Jahren auf. Donald Fagen am Synthie und der Orgel, Walter Becker an den Bässen und Gitarren. Angeheuerte Musiker sorgten für den leidigen Rest, auch live. Nach dem Album lösten sich Steely Dan 1980 zum ersten Mal auf.

Donald Fegan bei einem Auftritt in den 00er Jahren.

Das Jahrzehnt wurde für beide Mitglieder nicht einfach. Donald Fagen musste eine Zeit in die Psychiatrie, Walter Becker in den Entzug und von dort weiter nach Hawaii, wo er unter anderem Avocados angebaut hat. In dieser Zeit nahm Donald Fagen erstmal zwei Alben alleine auf, Walter Becker ebenfalls. Auch solo hört sich Donald Fagen aber immer noch sehr nach Steely Dan an, auch wenn er beispielsweise darüber singt, sein Leben sei ohne doch nicht mehr das Gleiche.

Songs für die Ewigkeit

1993 haben sich die beiden Major Dudes wiedervereinigt und waren lange Jahre gemeinsam auf Tour. Dass Steely Dan, diese Perfektionisten, im 21. Jahrhundert wieder raus mussten, um auf den Bühnen eine Rock-Band zu spielen, war die bittere Pointe ihres Schaffens. Donald Fagen kauerte hinter der Orgel wie ein Rabe in der Hecke, Walter Becker krümmte sich im Halbschatten dahinter. 2017 ist Walter Becker dann an Krebs verstorben. Donald Fagen wird 75.

"Ich hatte niemals einen besonders optimistischen Blick auf die Zukunft, die Zerstörung der Natur, die Erderwärmung, Amerikas Kriege. Meine Antwort ist Musik. Was für ein Glück, dass ich die Musik habe, denn sie hilft mir, das alles auszuhalten."

Donald Fagen im Interview von 2013

In dem Fall ist Donald Fagens Glück auch unser Glück. Denn die Musik von Steely Dan wird auch die schlimmsten Zeiten überdauern.