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Die Malerin Hilma Af Klint Der Film "Jenseits des Sichtbaren" zeigt, es war eine Frau, die das erste abstrakte Bild malte

Wer hat die Abstrakte Malerei erfunden? Die gängige Erzählung sagt Wassily Kandinsky. Dabei malte die Schweding Hilma Af Klint nachweislich schon Jahre vor ihm abstrakte Bilder. Ein neuer Film erzählt ihre Geschichte.

Stand: 19.05.2020

Hilma Af Klint | Bild: picture alliance/Everett Collection

Wassily Kandinsky, geboren 1866, gilt als zumindest der Mit-Erfinder der Abstrakten Malerei. Und kaum jemand hat so viel Wert auf diesen Status gelegt, wie er selbst: An einem Brief an seinen Galeristen Jerome Neumann aus dem Jahr 1935 wird das klar: „Lieber Herr Neumann, leider fehlt nur die Fotografie des ersten abstrakten Bildes, das von mir und im Jahre 1911 gemalt wurde. Es ist tatsächlich das allererste abstrakte Bild der Welt, da damals noch kein einziger Maler abstrakt malte…Ihr Kandinsky."

Hilma Af Klint war eine künstlerische Revolutionärin

Aber genau dieser Behauptung wiederspricht der Dokfilm „Jenseits des Sichtbaren“. Und Regisseurin Halina Dyrscha legt Beweise vor. Denn es ist belegt, dass die schwedische Malerin Hilma Af Klint bereits 1906, also fünf Jahre vor Kandinsky, abstrakte Bilder signiert hat. Also müsste die introvertierte Frau, die von 1862 bis 1944 lebte, endlich in die Reihe der künstlerischen Revolutionärinnen aufgenommen werden. Dafür macht sich im Film auch die renommierte Kunst-Journalistin Julia Voss stark: "Plötzlich, wie aus dem Nichts, taucht diese Frau auf, die hat vor Kandinsky abstrakt gemalt, völlig unabhängig, hat dieses riesige Oeuvre geschaffen..."

Ihre Bilder: Geprägt von klaren Formen – Kreisen und Dreiecken. Eine Mischung aus Geometrischen und organischen Motiven: Satte, kontrastreiche Farben. Lebhaft und voller Energie. Und: Revolutionär Trotzdem sollte es bis ins 21. Jahrhundert dauern, bevor Hilma Af Klint als Pionierin der Modernen Kunst überhaupt erst einmal zur Kenntnis genommen  wurde. Warum das so ist, davon erzählt dieser Film in einer Mischung aus Interviews, biographischen Informationen und der Darstellung der Bilder der Hilma Af Klint.

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BEYOND THE VISIBLE: HILMA AF KLINT - official US trailer | Bild: ZeitgeistFilms (via YouTube)

BEYOND THE VISIBLE: HILMA AF KLINT - official US trailer

Doch die historische Anerkennung wird der Schwedin immer noch häufig verweigert. 2012 bei der Ausstellung „Inventing Abstraction“ im Museum of Modern Art in New York fehlten ihre Werke, während die von Kandinsky gleich mehrfach zu sehen waren. Der Film „Jenseits des Sichtbaren“ zeigt, dass sich die etablierte Kunstwelt sehr schwer damit tut, die erst spät entdeckte Schwedin und ihr Werk in ihren Kanon aufzunehmen. Sogar Af Klints schwedische Nachfahren waren von der Wucht des umfangreichen Werkes überrascht, das jahrzehntelang in einem Kellerabteil verräumt gewesen war.

Die Kunstgeschichte muss neu geschrieben werden

Viele Kunst-Experten in diesem Film unterstellen nicht nur der Szene von damals, sondern auch der von heute anti-feministische, diskriminierende Motive. Aber der Film macht auch klar, dass die Malerin schwer esoterisch unterwegs war, zu ihren Lebzeiten nur wenig Ausstellungen gemacht hat und auch sonst keine Meisterin des Self-Marketings war. Aber wer in diesem Film die Werke von Hilma Af Klint zu sehen bekommt, kann gar nicht anders als denen zuzustimmen, die fordern, dass die Kunstgeschichte zumindest für ein paar Kapitel umgeschrieben werden muss.

Die Doku ist zu sehen beim Münchner DOK.fest @home noch bis zum 24. Mai.


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