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Film "#Female Pleasure" Diese Doku zeigt den Kampf für die weibliche Lust

Sexuelle Selbstbestimmung ist für viele Frauen dieser Welt noch in weiter Ferne. Der Dokumentarfilm "#Female Pleasure" von Barbara Miller präsentiert fünf Frauen, die sich dagegen wehren.

Von: Roderich Fabian

Stand: 08.11.2018

Eine der Protagonistinnen von #Female Pleasure | Bild: Filmcoopi Zürich AG

In einer der eindrucksvollsten Szenen von "#Female Pleasure" sehen wir die somalische Aktivistin Leyla Hussein. Sie zeigt jungen Somalis, wie Genitalverstümmelung funktioniert – mit einer überdimensionierten Vagina aus Wachs. Mit einer Riesenschere schneidet sie die Schamlippen ab. Die Jungs wenden sich schockiert ab. Später im Interview werden sie sagen, dass sie nun auch gegen dieses grausame Ritual sind, das in vielen afrikanischen Ländern noch immer praktiziert wird.

Die Schweizer Regisseurin Barbara Miller, die diesen Film gedreht hat, setzt die Genitalverstümmelung in Zusammenhang mit  Schönheitsoperationen von Frauen in den Industrieländern. "Das ist der helle Wahnsinn", sagt sie. "200 Millionen Mädchen und Frauen leben damit, dass sie irgendwie in ihren Genitalien verstümmelt wurden, damit sie eben keine sexuelle Lust haben. Und Frauen im Westen fangen jetzt auch noch damit an, sich freiwillig ihre Genitalien zu operieren". Sie führt diese Entwicklung auf "Schönheitsideale" zurück, die in Pornofilmen zur Schau gestellt werden.

Die fünf Protagonistinnen

Der Film stellt fünf Frauen aus fünf Weltregionen vor. Darunter ist die Amerikanerin Deborah Feldman, die sich von der Unterdrückung durch das orthodoxe Judentum in New York gelöst und aus einer Zwangsehe befreit hat. Und die ehemalige Nonne Doris Wagner, die im Kloster von einem Priester missbraucht wurde und darüber ein Buch geschrieben hat. Immer wieder werden im Film Zitate aus "Heiligen Schriften" eingeblendet, die Frauen als gefährlich beschreiben, als Menschen, die man zähmen und ggf. züchtigen muss, um die männliche Macht zu bewahren.

Wir sehen die indische Aktivistin Vitika Yada, die sich auf offener Straße gegen die Vergewaltigungs-Kultur in ihrer Heimat einsetzt, die dort selten geahndet wird. Und die japanische Künstlerin Roku-Lenaschko, die gegen die Tabuisierung weiblicher Genitalien antritt, indem sie Mangas zeichnet oder Boote baut, die wie schwimmende Vaginas aussehen. Das hat ihr in Japan schon diverse Gerichtsprozesse wegen Obszönität eingebracht.

Für Female Pleasure - gegen alte Kulturen

Alle Frauen in "#Female Pleasure" kämpfen gegen Machtmissbrauch, der sich hinter Traditionen versteckt. "Es ist schon so, dass die fünf Weltreligionen eigentlich die Frauen als das Negative betrachten", sagt Regisseurin Barbara Miller. "Schauen wir nur die Bibel an, die Eva, die eigentlich ja vom Baum der Erkenntnis gegessen hat. Eigentlich ist sie die, die der Welt die Erkenntnis gebracht hat, aber interpretiert wurde es als: Eva ist die Sünderin. Sie hat Adam verführt. Im Film geht es nicht um Religion, aber um das Bewusstsein, dass wir mit solchen Bildern aufgewachsen sind, die unsere Kulturen überall auf der Welt geprägt haben."

"#Female Pleasure" kommt aber nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern erzählt sehr spielerisch und gut montiert von der lustvollen Selbstermächtigung der Protagnistinnen. Der Film macht Hoffnung, dass die aktuelle Renaissance ultrakonservativer Kräfte nur das letzte Aufbäumen einer Kultur ist, deren Zeit eigentlich schon längst vorbei ist. 


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