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Do the future Wie Museen unsere Zukunft gestalten

Vergangenheit war gestern. In Museen ist das neue, große Thema: die Zukunft! In Dubai eröffnet in diesem Jahr das „Museum of the future“ und in Nürnberg wird schon am „Zukunftsmuseum“ gearbeitet. Doch wie lässt sich Zukunft gestalten und ausstellen?

Von: Matthias Leitner

Stand: 22.03.2019

Was ist die Zukunft? Wie können wir sie uns vorstellen? Wie können wir Zukünfte erfahrbar machen? Welche Gegenstände aus der Zukunft können uns helfen die Gegenwart besser zu verstehen?

Zukunft erfahrbar machen

Anab Jain stellt sich diese Fragen täglich. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie in London "Superflux" gegründet, ein Kreativstudio, das die Methoden des Designs, des Theaters, der Installation und künstlerischen Forschung vereint. Auf der Bühne der TED Talks beschreibt sie ihre Arbeit:

"Ich verdiene mein Geld damit, die Zukunft zu besuchen. Nicht nur eine Zukunft, sondern viele mögliche Zukünfte. Aus diesen Zukünfte bringe ich dann Beweise mit zurück für euch, um diese heute zu erleben. Ich bin so etwas wie eine Archäologin der Zukunft. Über die Jahre bei meinen vielen Reisen habe ich Sachen mitgebracht: eine neue Spezies von synthetisch hergestellten Bienen, ein Buch namens "Haustiere als Protein", eine Maschine, die euch reich macht, indem sie eure genetischen Daten verkauft, eine Lampe, die von Zucker angetrieben wird, ein Computer, mit dem man Essen wachsen lassen kann."

Mit "Mitigation of Shock" hat sie beispielsweise eine Wohnung der Zukunft gebaut. Die Frage hinter dem Projekt war: Was, wenn die Klimahochrechnungen tatsächlich eintreten? Was, wenn wir im Jahr 2050 vor einer Situation stehen, in der das Wetter verrücktspielt, soziale Systeme zusammengebrochen sind und jeder Mensch für sich selbst überleben muss? Jain wollte diese Frage nicht mit einer apokalyptischen Vision à la "Mad Max" oder "The Road" beantworten, sondern einen Raum bauen, der es dem Einzelnen ermöglicht, autonom zu überleben und sich an die Klimaveränderungen anzupassen. Herausgekommen ist ein Wohnraum, der gänzlich anders aussieht als unsere heutigen Lebensrealitäten, ein abgedunkelter Raum mit vielen UV-Lichtquellen, in dem Pflanzen direkt in der Wohnung gezüchtet werden, in dem keine Entertainment-Anlagen stehen sondern Computer, die zur Pflanzenzucht eingesetzt werden.

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Die Zukunft ausstellen

Aktuell entsteht in Nürnberg eine neue Zweigstelle des Deutschen Museums: das "Zukunftsmuseum". Anhand von Objekten will das Zukunftsmuseum die Technik von Übermorgen zugänglich machen und uns Perspektiven auf die Zukunft eröffnen. Beispielsweise auf die Lebensbereiche von Arbeit und Freizeit, die sich in den kommenden Jahren radikal verändern werden. Das große Stichwort dabei: Automatisierung. Im "Zukunftsmuseum" werden wir eine große Fertigungsanlage betreten können, in der längst Automaten alle Arbeitsprozesse abwickeln.

"Werden wir Automaten? Das ist eigentlich die große Frage, die über allem steht", sagt Andreas Gundelwein, Bereichsleiter für Ausstellungen und Sammlungen im Deutschen Museum. "Ich sage bewusst nicht nur Roboter. Automaten und alles damit Verbundene sind auch künstliche Intelligenz. Werden mir Automaten in Zukunft die Arbeit abnehmen oder wegnehmen? Und wie sieht es mit der Gefahr der Weltherrschaft durch Maschinen aus? Welche Rolle spielen wir da noch? Welche Rolle möchte ich spielen? Wie weit möchte ich das in mein Leben eingreifen lassen. Und das geht sehr direkt über in das private Leben. Das heißt Thema Überwachung, Datenschutz, Daten-Sicherheit. Das sind die zentralen Aspekte in dem Bereich."

Andreas Gundelwein will mit seinem Team positive wie negative Zukunftsvisionen ausstellen und den Besucher*innen die Möglichkeit bieten, sich ein eigenes Bild der verschiedenen Möglichkeiten zu machen. Denn Zukunft passiert nicht einfach so, sondern in vielen Bereichen müssen wir heute schon die Entscheidungen treffen. Und im besten Fall können Museen Orte sein, an dem Geschichten über und für die Zukunft gefunden werden können.

Die Zukunft denken

Museen ermöglichen uns einen Blick in unsere Geschichte, sie können die Narrative auf denen unsere Welt gebaut ist, aufzeigen und debattierbar machen. Und sie können uns auf Basis neuer Perspektiven einen Blick in die möglichen Zukünfte unserer Zivilisation erlauben. Anders als private Unternehmen sind sie nicht profitorientiert, sie sind allen zugänglich und werden es im besten Fall durch die Digitalisierung noch mehr werden. Projekte wie der Kulturhackathon Coding Da Vinci, bei dem Museen und Institutionen Daten für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, versuchen genau diesen Prozess voranzutreiben. Museumsleiter Andreas Gundelwein versteht das "Zukunftsmuseum" in Nürnberg deshalb auch nur zu 50 Prozent als klassisches Museum:

"Die andere Hälfte ist tatsächlich ein Ethikmuseum, weil wir uns sehr intensiv mit den Besuchern der Frage widmen: Wie gehen wir mit Technologien um? Und die Besucher einladen sich daran zu beteiligen an einem Diskurs, den wir auch auswerten und öffentlich machen wollen."

Wir sind die Autoren unseres Lebens, es sind unsere Geschichten die unsere Zukunft bestimmen. Das ist so beruhigend wie beängstigend und ebenso unausweichlich in der Konsequenz: Nur wer jetzt anfängt sich einzubringen, nur wer jetzt die Zukunft gestaltet, nur wer jetzt dabei Hilft neue Netzwerke der Kooperation zu spinnen, nur der wird eine Zukunft haben.


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