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Serientipp "Dietland" Warum wir mehr wütende Frauen in Serien brauchen

War "Girls" krass, so ist "Dietland" krasser. Denn die neue Serie auf Amazon stellt die weibliche Wut ins Zentrum. "Buffy"-Macherin Marti Noxon zeigt überspitzt-satirisch eine Welt, in der die Frauen zurückschlagen.

Von: Maria Fedorova

Stand: 21.06.2018

Szene aus der Serie "Dietland" | Bild: AMC / Amazon

Ok, der Auftakt ist schon ziemlich düster: Wir sehen, wie Frauen gefesselt werden, wie sie sich übergeben müssen, wie sie mit einer Rasierklinke ihre eigenen Brüste aufschneiden. Dabei war „Dietland“ als ein skurriles Mashup aus „Der Teufel trägt Prada“ und „Fight Club“ angekündigt. Diese Ansage ließ die Herzen der Zuschauer zunächst einmal höher schlagen. Die Serie beinhaltet gleich mehrere Genres: Politische Satire, Coming of Age, Zeichentrickfilm. Und mitten drinnen als Hauptfigur: die übergewichtige Alicia. „Alle nennen mich Plum, Pflaume, weil ich rund und fleischig bin. Man nennt es auch fett. Schon ok, ich darf das sagen.“

Plum wiegt 130 Kilo, nimmt jeden Tag ein Antidepressivum, ist bei den sogenannten „Waist Watchers“ und hat einen Traum – eine Magenverkleinerungs-OP. Dafür muss sie aber abnehmen. „Virbiergürtelgerät, Grüntee-Diät, Hot Yoga, Chiasamen, Rohkost, Schwitzkurs, Fasten, Meditation, Herbal Life, Schlafkur, Palio Diät, Akupunktur, Fettblocker, Hypnose - ich habe alles ausprobiert. Sogar richtigen beten“, erklärt Plum ihrem Arzt.

Klassisch böse: Chefin Kitty Montgomery

Plums Beruf intensiviert ihr Dilemma nur: Sie ist Ghost Writerin bei einem New Yorker Modemagazin und beantwortet Leserbriefe von verzweifelten Leserinnen. Plum ist ein Systemfehler für Chefredakteurin Kitty Montgomery, die klassisch böse als magerer Dracula mit Jugendwahn dargestellt wird.

Verschwörung der Underground-Feministinnen

Mitten in diesem sexistischen New Yorker Moloch nun vernetzten sich einige Underground-Feministinnen zu einer Verschwörung gegen das Patriarchat. Der radikalste Flügel davon heißt „Jennifer“. Die Terrorgruppe entführt Männer, die Frauen belästigen und vergewaltigen. Und tötet sie – nachdem die Täter gestanden haben. Das ist erstmal krass.

Von „Buffy“ zu „Dietland“

"Buffy", die Empowerment-Serie schlechthin

Die Frauen in der Serie – sie vereinen Power, Wut und Gewalt. Die Macherin von „Dietland“ Marti Noxon hat darin durchaus Übung. Bekannt ist sie vor allem als Autorin und Produzentin für die Empowerment-Serie schlechthin: „Buffy“. Und der Weg von „Buffy“ zu „Dietland“ ist kürzer als man denkt: Es geht um Frauen, die zurückschlagen und beide Serien setzen surreale Elemente in die reale Welt. Buffy wohnt am Höllenschlund, Plum lebt mit einer psychischen Krankheit und hat schreckliche Halluzinationen. Doch wo „Buffy“ die Metaebene offen lässt – man kann die Serie auch einfach als trashige Highschool-Horror-Serie begreifen – möchte „Dietland“ aufklären. Das fällt mitunter etwas behäbig aus: „Ostyn Media ist Teil des Unzufriedenheitsindustriekomplexes, eine unglaublich profitable Maschinerie. Wir zahlen denen Geld, damit sie uns sagen, wie kaputt wir sind. Und dann bezahlen wir für die Produkte, die uns helfen sollen.“

Der Badass Moment

Dabei hat „Dietland“ solch direkte Didaktik gar nicht nötig: Den Feminismus-Kampf blutig, dreckig und monströs darzustellen– das ist dreist und neu zugleich. Deswegen will man die Serie als Frau unbedingt mögen, einfach wegen dieses Badass Moments. Insgeheim wünscht man sich diese Dreistigkeit aber auch für das Body Positivity-Narrativ. Sind wir noch nicht soweit? Aber vielleicht ist „Dietland“ auch einfach ein Anfang: Der Anfang für neue Frauencharaktere, die wütend und schlagfertig sind. Und dadurch den Wandel bereiten. Siehe #MeToo.


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