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"Grandfilm" Dieser Filmverleih aus Nürnberg bringt die tollsten Indie-Filme aus aller Welt in unsere Kinos

Dass es kleine Indie-Film-Kunstwerke überhaupt auf deutsche Leinwände schaffen, hat viel mit dem Engagement von Filmverleihern zu tun. Einen Namen für besonders gute Filme hat sich der Verleih Grandfilm aus Nürnberg gemacht. Ihr Film "Synonymes" hat gerade den Goldenen Bären auf der Berlinale gewonnen.

Von: Alba Wilczek

Stand: 05.09.2019

Eine Szene aus dem Film "Synonymes" | Bild: Grandfilm

Der Verleih Grandfilm sitzt in keiner Filmmetropole wie Berlin oder München, sondern in Nürnberg. Von dort aus arbeiten Patrick Horn und Tobias Lindemann daran, Filme, die sie toll finden, auf deutsche Kinoleinwände zu bringen. Zündfunk-Reporterin Alba Wilczek hat sie in Nürnberg besucht.

Zündfunk: Ihr wurdet mir als der coolste Indie-Verleih in Deutschland vorgestellt. Was sagt ihr dazu?

Patrick Horn: Also wir haben klein angefangen, und sind uns, glaube ich, in unserer Programmauswahl relativ treu geblieben. Insofern ist es natürlich schon eine Erfolgsbilanz, dass es uns noch gibt, dass wir weiter existieren und eigentlich auch wachsen. Und dass wir es auch irgendwie schaffen, die Filme, die wir eben wichtig und spannend finden, immer mehr unterbringen können und uns so einen gewissen Ruf erarbeiten, dass uns die Kinos auch immer mehr spielen.

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Synonymes (offizieller Trailer, OmU, 2019) | Bild: GRANDFILM (via YouTube)

Synonymes (offizieller Trailer, OmU, 2019)

Ihr wollt Filmen eine Chance geben, die sonst eher nicht zu sehen sein würden. Es ist ja auch so ein bisschen dieser Konflikt: Kommerz gegen Kunst. Würdet ihr sagen, dass da in Deutschland noch Luft nach oben ist?

Patrick Horn: Ich wehre mich immer ein bisschen gegen diese Kategorisierung „Kommerz gegen Kunst“, weil das aus meiner Sicht oft als ein Kampfbegriff verwendet wird, um manche Filme dann eben nicht ins Kino zu bringen. Ein Film ist immer ein Massenmedium, und ein Film hat immer den Anspruch, viele Leute zu erreichen. Und wir haben auch den Anspruch, viele Leute zu erreichen. In Deutschland ist es so, dass es tatsächlich ein relativ schwieriger Markt ist und wir auch der Meinung sind, dass die Filme, die wir rausbringen in Deutschland auf jeden Fall noch ein größeres Potenzial hätten.

Und wir haben es eigentlich ein bisschen schwer mit unseren Filmen in Deutschland: Aufgrund der Förderstruktur, aufgrund der diversen amerikanischen großen Major, die sehr viel investieren in Deutschland und weil eine gewisse Filmbildung in Deutschland nicht so stark vorhanden ist wie in manchen anderen Ländern. Das ist auch tatsächlich etwas, was uns international agierende Firmen bestätigen: Dass es für die Größe des deutschen Marktes eigentlich relativ schwer ist, auch die Filme zu vermarkten, die gut auf Festivals laufen.  

Ihr seid auch auf den ganzen Social-Media-Kanälen vertreten. War das eine bewusste Entscheidung, um die Filme bekannter zu machen?

Tobias Lindemann: Also wir haben überhaupt kein Problem, die traditionelle Presse für unsere Filme zu begeistern. Aber um in andere Bereiche reinzukommen, muss man teilweise enorme Geldsummen in die Hand nehmen. Deswegen ist Social Media für uns natürlich auch eine Chance, mit nicht so hohen Budgets noch mehr Leute zu erreichen. Im Netz versuchen wir einfach ein bisschen anders zu agieren und dann vielleicht auch manchmal nicht die Masse, aber zumindest eine Zielgruppe sehr haargenau zu erreichen.

Mir ist aufgefallen, dass ihr eure Filme eher selten synchronisiert. Gibt es da einen bestimmten Grund dafür? Ich merke auch bei mir und Freunden, dass lieber in der Originalsprache geguckt wird als mit deutscher Synchronisation.

Patrick Horn: Ich bin da so ein bisschen zwiegespalten. Ich weiß zum Beispiel wir hatten von Jean-Luc Godard den Film „Bildbuch“. Da haben wir dann tatsächlich eine deutsche Fassung gemacht, wo Jean-Luc Godard selber auf Deutsch eingesprochen hat. Godard sagt zum Beispiel, er will eigentlich nicht so gerne Synchronfassungen, weil bei Untertiteln schauen die Leute immer nur auf den Text. Und er will ja eigentlich, dass die Leute sich die Bilder anschauen. Wenn es einem Film aber hilft eine Synchro-Fassung zu haben, dann habe ich auch nichts dagegen.

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Bildbuch von Jean-Luc Godard (2019) offizieller Trailer | Bild: GRANDFILM (via YouTube)

Bildbuch von Jean-Luc Godard (2019) offizieller Trailer

Ein Blick in die Zukunft: Was erwartet ihr euch noch von Grandfilm? Was erträumt ihr euch noch?

Patrick Horn: Was wir natürlich auf jeden Fall noch wollen, ist mehr Zuschauer. Das will ja jeder Verleih. Wir sind auch dabei, gerade zu schauen, ob wir eventuell mit Regisseuren, die wir spannend finden, koproduzieren wollen. Also dies wäre dann auch quasi schon in die Produktion mit einsteigen. Das ist gerade noch in den Kinderschuhen. Aber das ist etwas, was uns auf jeden Fall interessiert.

Tobias Lindemann: Ich glaube, für mich ist es diese Lust an jedem Film, den wir rausbringen und dass wir da dahinterstehen und den selber spannend finden. Das ist für mich ganz entscheidend. Ich freue mich sehr auf diese Filme und hoffe, dass wir dafür viele Zuschauerinnen und Zuschauer bekommen.


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