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"La Flor" Diesen 13-Stunden-Film müsst ihr sehen - allein um damit anzugeben

Der argentinische Film "La Flor" ist zugleich Horrorfilm, James Bond-Persiflage, romantisches Musical und Stummfilm. Allein das ist schon bemerkenswert - aber vor allem: Er ist länger als die letzten beiden Game of Thrones-Staffeln zusammen. Trotzdem lohnt es sich, das Monsterwerk anzuschauen.

Von: Roderich Fabian

Stand: 24.07.2019

La Flor | Bild: Laura Citarella

Keiner hat Zeit für gar nichts. Ist eine WhatsApp länger als vier Zeilen, wird sie nicht mehr gelesen. Hat ein Instagram-Post zu viel Text: Weiterscrollen! Ist ein Artikel länger als eine Seite? Auf die Überschrift vertrauen. Und in diese Zeit, in der alles schreit: „Fasse dich kurz!“ knallt nun ein über 13 Stunden langer Spielfilm hinein. So lange dauern nämlich die drei Teile und sechs Filme, die „La Flor“ des argentinischen Regisseurs Mariano Llinás (sprich: Jinás) ausmachen. Premiere hatte der Monumentalstreifen auf dem Filmfest München.

Ein Film in sechs Teilen

Um "La Flor" zu sehen, muss man nicht nur einmal, sondern dreimal ins Kino gehen. Und das für insgesamt dreizehneinhalb Stunden Film in nicht synchronisiertem Spanisch (der Indie-Verleih Grandfilm aus Nürnberg hat nicht die Mittel, so ein Monster zu synchronisieren). Aber genau das macht den Reiz aus. Angefangen bei der Synchronisation: La Flor ist so südamerikanisch, dass bei einer Synchro etwas verloren ginge - und die Stimmen der Schauspieler herausragend.

Und die verschiedenen Teile ergänzen sich auf verblüffende Weise: Der erste Film ist ein Horror-B-Movie über eine Unheil-bringende Mumie. Der zweite eine Art Musical über ein Schlagersänger-Paar, dann eben der ewig lange Spionage-Film, es folgt ein poetisches Essay über die Liebe des Regisseurs zu Bäumen, dann ein Stummfilm und schließlich eine monochrome Nacherzählung eines Reiseberichts aus dem Jahr 1900.

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Trailer de La flor, de Mariano Llinás | Bild: OtrosCines.com (via YouTube)

"La Flor" ist großartig - auch wenn der Sinn fehlt

Die sechs Filme eint, dass die Hauptdarstellerinnen immer die gleichen bleiben: vier junge argentinische Theaterschauspielerinnen, die Jahre ihres Leben für „La Flor“ geopfert haben. "Die sechs Filme ergeben zusammen eine Blume: Vier Episoden bilden die Blüte, eine den Stamm und eine die Wurzeln." Das erklärt der Regisseur selbst, der im Film sogar auftritt.

"La Flor" ist auf befreiende Weise sinnlos und ausufernd. Der Film ist eine Zelebrierung des Kinos und seiner Möglichkeiten. Und damit ein bisschen wie "Die Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust oder "Das Kapital" von Karl Marx. Wenn man fertig ist, ist man stolz, es geschafft zu haben und kann damit angeben.


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