Bayern 2 - Zündfunk


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Holy Fingers Diese Freundesgruppe packt selbst an und holt ihre Lieblingsbands nach München

Was tun, wenn die Lieblingsband zwar durch Europa tourt - aber nie in der Heimatstadt spielt? Einfach selber buchen! Sechs Musikfans aus München fungieren jetzt unter dem Namen "Holy Fingers" als DIY-Veranstalter - und haben zuletzt die US-Band Flipper in die Rote Sonne geholt.

Von: Ralf Summer

Stand: 30.08.2019

Holy Fingers | Bild: Holy Fingers

Lee und Sebastian sind zwei der sechs Mitglieder von Holy Fingers - keine richtige Konzertagentur, sondern eine Freundesgruppe, die gemeinsam Konzerte veranstaltet. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Zündfunk: Wie hat euer Konzert-Freundeskreis angefangen?

Lee: Das war am Gärtnerplatz-Sommer in der Nacht. Wir haben über Musik geredet und haben festgestellt, dass ein paar Bands, die wir gerne mögen, nie nach München kommen oder nie gebucht werden. Dann haben wir gedacht: Okay, dann machen wir das selber. 

Richtige Konzerte zu veranstalten ist wohl nicht besonders einfach, wenn man nebenbei noch arbeiten muss?

Sebastian: Das stimmt. Die ganze Werbung muss gemacht werden, Plakate müssen gestaltet werden, gedruckt werden, abgestimmt werden, aufgehängt werden. Da muss man lange Touren machen. Da beauftragen wir jetzt keine Firma oder so, das Geld können wir uns sparen. Ja, das kommt dann alles zusammen. Und dann wird es auf einmal doch relativ viel Arbeit.

Habt ihr einen speziellen Sound?

Lee: Eigentlich nicht, wir sind wirklich offen für alle Musikgenres. Bis jetzt haben wir viel Rock gemacht, weil das ein Genre ist, was wir alle mögen. Aber wir machen auch gerne ganz andere Sachen. Da sind wir überhaupt nicht begrenzt.

Wie stemmt man sowas? Also habt ihr vorher gesagt, wir schmeißen jetzt mal - keine Ahnung - 5.000 Euro in den Pott, und dann schauen wir, welche Bands wir kriegen?

Lee: Beim ersten Konzert haben wir tatsächlich ganz ohne Geld angefangen und haben gehofft, dass es klappt. Bei anderen Veranstaltungen, als wir bemerkt haben, das Risiko ist größer, haben wir selber unser eigenes Geld in einen Topf geworfen, dass wir auf jeden Fall die Band bezahlen können und die Kosten decken können. 

Und verstehen die Bands das dann auch, dass ihr vielleicht nicht die volle Gage zahlen könnt? 

Sebastian: Die meisten waren immer sehr happy damit, auch wie wir das ganze Ding gemacht haben. Die fanden es immer super, dass wir das so privat stemmen, weil wir es wegen der Musik machen und nicht, um damit Geld zu verdienen. Es gibt natürlich Bands, die sagen: "Nee, da können wir nicht kommen, das ist uns zu wenig.".

Wie kommt man generell an die Bands ran? Also seid ihr inzwischen bekannt bei Konzertveranstaltern, dass die euch auch anschreiben, neben den klassischen in München, die man kennt?

Sebastian: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder wir wollen eine Band konkret haben, dann schauen wir, wo ist der Kontakt? Man wird auch angeschrieben von Booking-Agenturen. Über einen von denen kam jetzt zum Beispiel Flipper. 

War Flipper letzte Woche das größte, am besten besuchte Konzert von euch?

Sebastian: Im Prinzip hatten wir drei größere, die gut voll waren: Das waren Flipper, Monsters und Reverend Beat-Man, mit 150 bis 200 Leuten. Für uns war das schon ganz ordentlich.

Was ist denn ein Geheim-Wunsch von euch? Welchen Künstler würdet ihr denn gerne mal nach München holen?

Sebastian: Ich habe gehört, dass Ween immer wieder spielt in den USA. Vielleicht machen sie ja mal wieder eine Europa-Tour, vielleicht kann man sich da irgendwie einklinken. Aber das ist ein kleines Träumchen.

Lee: Eine wäre Shannon White. Sie macht ein bisschen Singer-Songwriter, manchmal auch sehr rockig, manchmal mit Klavier. Und sie tourt immer in Frankreich, in der Schweiz, in England, und kommt nie nach Deutschland. Warum, wissen wir nicht. Das wollen wir ändern. Das wäre auch ein Traum.


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