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Zündfunk Netzkongress Diese Frauen kämpfen für eine inklusivere Wikipedia

Entscheidungen auf Wikipedia werden von der Community getroffen - und die besteht vornehmlich aus Männern. Laura Lang und Mira Sacher, Speakerinnen beim Zündfunk Netzkongress 2019, wollen das ändern. Sie setzen sich ein - gegen Sexismus, für mehr Frauen und Diversität auf Wikipedia.

Von: Anna Klühspies

Stand: 09.09.2019

Wikipedia | Bild: picture alliance/Geisler-Fotopress

Laura Lang und Mira Sacher sind im Münchener Kunst-Betrieb zu Hause – eigentlich. Aber sie verbringen auch viel Zeit auf Wikipedia. Sie schreiben Artikel und editieren. Dass die beiden überhaupt zu Autorinnen auf der Wikipedia wurden, hat mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun. Wenn sie zum Beispiel nach Personen gesucht haben, um sie auf Podien einzuladen, "dann hatten wir ziemlich schnell ne Liste, die irgendwie nur aus Männern bestand", sagt Laura. "Man muss immer einen Ticken länger recherchieren, bis man jemanden findet, der die selbe Qualifikation hat, aber nicht so sichtbar ist."

Bei Wikipedia einsteigen: Nicht schwer

Besonders wenig sichtbar: Frauen in der Kunst. Deswegen haben sich schon 2014 in New York Menschen zusammengetan und einen sogenannten Editiermarathon veranstaltet, einen Workshop mit dem Ziel, mehr Frauen als Autorinnen auf die Wikipedia zu bringen und Inhalte über Frauen in der Kunst zu verfassen. Laura und Mira wurden auf die Idee aufmerksam und haben ein paar Jahre später den ersten Editiermarathon in München veranstaltet.

Die beiden wollen zeigen, dass es eigentlich ganz leicht ist, bei Wikipedia aktiv zu sein. "Wir beide kommen eben auch nicht aus dem Technikbereich, sondern aus dem Kulturbereich", betont Laura. "Wir haben uns das selber angeeignet und können deswegen ganz gut anderen, die bisher eher eine Scheu haben, oder denken sie müssen html können, muss man nicht, einfach zu zeigen, dass der Einstieg ganz einfach ist."

Theresa Hannig und der Streit um eine Liste

Anmelden und Schreiben, das ist auf der Wikipedia im Prinzip ganz leicht. Schwierig wird es, wenn es an die Veröffentlichung geht. Dann nämlich können Wikipedia-Admins relativ einfach komplette Artikel wieder verschwinden lassen, wenn sie ihrer Meinung nach nicht relevant genug sind.

Ein Beispiel dafür: Der wochenlange Streit über eine "Liste deutschsprachiger Science-Fiction-Autorinnen". Die wurde vor ein paar Monaten von der Schriftstellerin Theresa Hannig erstellt - und direkt von einem alteingesessenen Wikipedianer zur Löschung empfohlen. Grund: Die Liste sei redundant und irrelevant.

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Quarkkrokettchen 25.03.2019 | 09:27 Uhr Die Liste deutschsprachiger SF-Autorinnen in der Wikipedia wurde jetzt übrigens gelöscht, bevor die Inhalte in eine andere Liste übertragen werden konnte, weil den Admins offensichtlich die Diskussion zu nervig war. Deutsche Wikipedia, grown-up as fuck.

Doch damit ging der Streit erst los, denn Theresa Hannig will sich das nicht gefallen lassen: Wenn bei Wikipedia ein Artikel von einem Admin gelöscht wird, dann wird das in einer sogenannten Lösch-Diskussion diskutiert. Und Theresa Hannig hat mitdiskutiert. Über zwei Wochen lang. Am Ende durfte die Liste mit der Science-Fiction-Autorinnen stehen bleiben.

Streit um Sprache auf Wikipedia

Theresa Hannig setzt sich nun dafür ein, dass Frauen und nicht-binäre Menschen in der deutschsprachigen Wikipedia sichtbarer werden. Ein Hauptproblem für sie: Die Verwendung des generischen Maskulinums auf Wikipedia. Das heißt, dass bei Begriffen wie „Autor“, „Politiker“ oder „Nobelpreisträger“ Frauen und nicht-binäre Menschen mitgemeint sein sollen.

Theresa Hannig hat vorgeschlagen, das generische Maskulinum auf Wikipedia abzuschaffen – das wurde abgelehnt. Und zwar - so sagt sie - in einer unsachlichen Diskussion: "Es ging nicht mehr um das Thema, sondern eigentlich darum, dass den Leuten unsere Nase nicht gefallen hat. Und da kriegt man schon das Gefühl, dass man da mit einem verhärteten Kern von - ich muss es leider sagen - konservativ toxischen Männern zu tun hat, die da einfach ihre Macht ausprobieren und ausüben wollen." 

Für eine inklusive Wikipedia

Hannig will jetzt vor allem Leute motivieren, selbst bei Wikipedia mitzumachen - auch weil sie selbst viel Unterstützung erfahren hat. Es ist ja nicht alles schlecht an der Enzyklopädie - aber manches lässt sich noch verbessern. Auch Laura Lang und Mira Sacher setzen sich für eine inklusivere Wikipedia ein. "Es geht ganz viel darum, den Rückhalt zu bilden für die Leute, die sich da hineinwagen", sagt Mira.

Auf Anfrage des Zündfunk erklärt das Kommunikationsteam der Wikimedia Foundation, aus inhaltlichen Diskussionen halte man sich bewusst heraus - das müsse die Community unter sich ausmachen. Allerdings wird erklärt: "Alle zukunftsweisenden Pläne von Wikimedia zielen darauf ab, die Wikipedia für Frauen attraktiver zu machen." Dazu gehört die Unterstützung von Projekten, die zu einem höheren Frauenanteil und mehr Diversität unter Wikipedia-Schreibenden führen sollen.

Laura Lang und Mira Sacher sind dieses Jahr Speakerinnen auf dem Zündfunk Netzkongress in München. Tickets für den Netzkongress am 8. und 9. November 2019 sind jetzt verfügbar!


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