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Independent Kino Diese drei Filme über Black History in den USA haben beim Sundance Film Festival abgeräumt

Black Panther, die Geschichte des Souls oder Alltagsrassismus. Auf dem Sundance Film Festival beschäftigten sich in diesem Jahr viele Filme mit der Geschichte von Schwarzen in den USA, in unterschiedlichen Epochen. Vor dem Hintergrund der Black Lives Matter Bewegung in den USA wirkt das so aktuell und wichtig wie nie. Wir stellen euch drei der Filme vor.

Von: Katharina Wilhelm

Stand: 03.02.2021

Schlagzeuger, DJ und Regisseur Questlove bei den Oscars 2020. | Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Das Sundance Film Festival gilt als eines mit einer besonders spannenden Auswahl an Independent- und Autorenfilmen. Und mit dem Anspruch an Diversität. 57 Prozent der gezeigten Filme haben beispielsweise nach Aussage der Organisatoren Regisseur*innen mit einem BIPOC, also Nicht-Weißen Hintergrund. Viele Filme in diesem Jahr beschäftigen sich mit Black History durch alle Epochen. Wir stellen euch drei der Oeuvres vor:

1. SUMMER OF SOUL, Regie: Questlove

Harlem, New York: 1969 fand hier das Harlem Cultural Festival statt. Ein riesiges Musikfestival mit vielen Schwarzen Stars: B.B. King, Nina Simone oder Stevie Wonder. Doch das Festival, das drei Monate vor dem bekannten Hippie-Festival Woodstock stattfand, geriet in Vergessenheit, obwohl es aufwändig gefilmt wurde. "Wie konnte das möglich sein, wie konnte ich das nicht auf dem Schirm haben?" fragte sich Ahmir Thompson aka Tausendsassa Questlove. Ja, richtig gelesen. Neben DJing, Musik machen und Chef-Sein bei "The Roots" is Thompson jetzt auch Regisseur. Sein Dokumentarfilm "Summer of Soul" zeigt, wie 300.000 vorwiegend Schwarze US-Amerikaner*innen Schwarze Kultur, Musik, Einigkeit zelebrieren. Geprägt von Unsicherheiten und dem Tod von Schwarzen Idolen wie Martin Luther King oder Malcom X, gebe es eine eindeutige Verbindung zum Hier und Jetzt sagt Questlove: "Wir haben natürlich gespürt, dass die Umstände, die damals dazu geführt haben, dass das Konzert stattfand, ziviler Aufstand und so weiter – nun 50 Jahre späte wieder da sind mit der Black Lives Matter Bewegung. Unglücklicherweise ist das Timing perfekt."

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Questlove Spinning His Set Of Soul:  After Party Celebrating The Sundance Premiere of #SummerOfSoul | Bild: The Roots (via YouTube)

Questlove Spinning His Set Of Soul:  After Party Celebrating The Sundance Premiere of #SummerOfSoul

2. JUDAS AND THE BLACK MESSIAH, Regie: Shaka King

Ein weiterer Film, der sich mit Schwarzer Geschichte beschäftigt ist "Judas and the Black Messiah", von Regisseur Shaka King. Darin geht es um die Black Panther Bewegung der 60er Jahre. Der Film folgt William O´Neal, der als Informant für das FBI die Black Panther Organisation ausspionieren soll, um an deren Vorsitzenden in Illinois, Fred Hampton heranzukommen. Rassismus, Polizeigewalt gegen Schwarze, auch dieser Film ist mehr als ein Geschichtsabbild, sondern er reflektiert 50 Jahre später wie viel oder auch wie wenig sich getan hat in der amerikanischen Gesellschaft.

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JUDAS AND THE BLACK MESSIAH - Official Trailer | Bild: Warner Bros. Pictures (via YouTube)

JUDAS AND THE BLACK MESSIAH - Official Trailer

3. PASSING, Regie: Rebecca Hall

Der Film "Passing" spielt in New York Ende der 1920er Jahre. Die alten Jugendfreundinnen Claire und Irene treffen sich zufällig wieder. Doch etwas hat sich verändert: Claire hat sich nicht nur die dunklen Haare blond gefärbt. Die sehr hellhäutige Claire, gespielt von der äthiopisch-irischen Schauspielerin Ruth Negga lebt ihr Leben als weiße Frau. Selbst ihr rassistischer Ehemann ahnt nichts davon, glaubt, seine Frau verachte Schwarze Menschen so sehr, dass sie nicht einmal ein Schwarzes Dienstmädchen haben wolle. Ob er selbst Schwarze Menschen kenne, will Irene wissen, die wegen ihrer ebenfalls helleren Hautfarbe als weiß gelesen werden kann. Nein, meint Claires Ehemann, nur aus der Zeitung, als Diebe oder Mörder. Claire fühlt sich durch die Begegnung mit Irene an ihre Jugend erinnert und will mehr Zeit in ihrer alten Heimat, dem New Yorker Stadtteil Harlem verbringen, ein risikoreiches Spiel.

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'Passing' Stars And Director Rebecca Hall On The Complexity of Racial Identity | Bild: Variety (via YouTube)

'Passing' Stars And Director Rebecca Hall On The Complexity of Racial Identity

"Passing" der Filmtitel, ist ein englischer Begriff und meint in diesem Zusammenhang „sich als jemand anderes ausgeben/durchgehen“. Der Film basiert auf einem Roman der Schwarzen Schriftstellerin Nella Larsen aus dem Jahr 1929. Schauspielerin Rebecca Hall, die hier erstmals Regie führt, sagt bei der anschließenden Diskussion, dass sie damit auch ein Stück ihrer eigenen Familiengeschichte aufarbeite: „Meine Mutter kommt aus Detroit und ihr Vater war mit großer Wahrscheinlichkeit Afroamerikaner, der als weiß durchging, ebenso dessen Eltern. Als ich das Buch gelesen habe, habe ich besser verstanden, warum er diese Entscheidung getroffen hat, und vielleicht die vor ihm.“ Passing verhandelt das Thema Identität auf vielen Ebenen, nicht nur Herkunft und Hautfarbe, es geht auch um Geschlechteridentitäten und Rollenbilder, was den in schwarz-weiß gedrehten Film hochaktuell macht.


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