Bayern 2 - Zündfunk


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Die Zenker Brothers im Interview "In einer Gruppe zu einem Rhythmus zu tanzen, ist was Ur-menschliches"

Nach fünf Jahren Pause kommt das zweite Album der Zenker Brothers raus. Durch den Lockdown hatte das Münchner Duo viel Zeit dafür. Der Titel "Cosmic Transmission" bezieht sich auf die großen weltumspannenden Veränderungen, die wir gerade durchmachen. Der Kosmos, eine Reise von einer Platte. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Von: Ralf Summer

Stand: 16.10.2020

Zenker Brothers | Bild: Label: Ilian Tape

Über das Feiern in Zeiten von Corona

Dario: Ich glaube, das ist wichtig, dass Menschen das nicht verlieren und weitermachen, auch im Kleinen. Aber trotzdem darf man nicht unterschätzen, was kulturelle Orte für eine Bedeutung haben, wo Menschen zusammenkommen, wo Menschen sich kennenlernen, wo Menschen extreme Erfahrungen machen, aus sich rausgehen, abschalten können. Klar, das kann man alleine auch. Aber in der Gruppe und in der Intensität hat das schon nochmal etwas anderes was Ur-menschliches einfach zu einem Rhythmus zu tanzen und einfach mal den Kopf auszuschalten und sich mit anderen Menschen zu connecten. Ohne den Intellekt kann man nur hoffen, dass solche Orte nicht komplett aussterben und irgendwie alle bankrottgehen.

Über die neue Platte "Cosmic Transmission" und warum sie gerade jetzt releasen

Dario: Wir sind wahnsinnig privilegiert hier in Deutschland, in München. Wir hatten hier einen relativ luxuriösen Lockdown, im Vergleich zu Freunden von uns in Italien oder in Spanien. Und verstärkt aus den Ländern haben wir wirklich sehr, sehr gutes Feedback bekommen und haben auch anhand der Verkaufszahlen und generell gemerkt, dass die Leute das wirklich sehr zu schätzen wissen. Wir haben einen Wahnsinns Support aus Amerika zum Beispiel. Das ist es mittlerweile unser stärkster Markt und die hat es auch mit am härtesten getroffen. Wir haben die meisten Bestellungen eigentlich über Bandcamp aus Amerika und danach UK. Man hat natürlich schon gemerkt, dass in den Ländern, die es halt am härtesten getroffen hat, der Support auch größer war, weil die Leute da natürlich noch viel mehr gedürstet haben nach Musik. Wir haben gemerkt: "Hey, es ist wichtig, etwas zu machen. Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen. Es ist wichtig weiterzumachen." Für unser Label natürlich und für die ganze Industrie auch. Da hängt so viel dran. Es muss irgendwie weitergehen.

Über den Vibe von "Cosmic Transmission"

Dario: Ja, die ersten sechs Stücke sind schon eher ein bisschen düsterer und dystopisch. Es ist ungewiss, wo es hingeht, was passiert. Die Leute sind unsicher. Wir haben uns da schon Gedanken macht mit der Dramaturgie. "Transforming Well" ist quasi so der Wendepunkt. Deswegen auch der Titel "Transforming Well". Weil eben eine Transformation stattfindet in der Mitte vom Album und sich dann im besten Fall nach hinten raus zum Positiven öffnet. Was wir natürlich auch hoffen.

Marco: Wir werden einfach weiter Sound machen und nächstes Jahr auch Platten raushauen und Musik machen. Und wenn wir nicht touren dürfen, werden wir noch mehr Zeit haben zum Musikmachen, da wird noch mehr entstehen. Und da braucht man nicht warten.

Über die Einflüsse der neuen Platte

Marco: Wir hören nicht nur Clubmusik. Wir hören nicht nur Techno. Wir hören ganz viele andere Sachen. Wenn man Sound macht seit Jahren, will man auch experimentieren und sich ausprobieren. Ein Album eignet sich einfach perfekt dafür, finde ich. Da muss jetzt nicht unbedingt ein Club-Banger drauf sein. Kann auch, muss man nicht ausschließen, aber wir haben uns da eigentlich völlig offengelassen, wo es hingeht. Wir haben einfach versucht, Sound zu machen, der für uns interessant ist und der uns kickt. Aber es war von Anfang an nicht die Idee, ein klobiges Album zu machen - ohne Corona.

Dario: Wir haben natürlich unsere Referenz-Platten, die wir immer wieder hören, weil es den Sound betrifft, also, wie es klingt, die Mischungen und so weiter, da haben wir sehr viele Sachen. Da orientieren wir uns aber witzigerweise eher an Hip-Hop, Rap und R'n'B Sachen, als jetzt an elektronischen Sachen. Uns ging es da wirklich überhaupt nicht um Funktionalität, sondern eher um eine Reise. Ein gutes Album, das hört man durch und es nimmt einen mit im besten Fall. Das muss man auch wirklich ganz hören.

Marco: Das Danny Brown Album haben wir viel gehört, das letzte Kendrick-Album und dann viele alte Sachen natürlich, auch mal Elektronisches. Flying Lotus ist eine wahnsinnige Inspiration oder auch das Thundercat-Album, was jetzt ein ganz anderer Sound ist. Das ist aber auch interessant. Freddy Gibbs mit Madlib oder mit Alchemist - das Neue hat uns mega geprägt. Die Classics halt natürlich auch. Aber von den neuen Sachen ist der Sound natürlich schon nochmal ein bisschen zukunftsorientierter. Hat uns schon viel beeinflusst.

Dario: Ja und wir haben uns auch stark an dem Low End (zu dt.: Musik, die viele tiefe Bässe, auch Sub-Bässe genannt, verwendet) orientiert. Auf dem Album hinten drauf ist ein kleiner Vermerk, der auch auf den ganzen Rap-Alben drauf ist: "Parental Advisory Explicit Content". Bei uns ist das ein bisschen abgeändert drauf mit "Explicit Low End". "Low End" ist etwas, das die amerikanische Musik immer schon prägt. Da sind die Amerikaner, so denken wir auch, einfach federführend, was den Bass betrifft. Das Album ist sehr auf den Bass fokussiert, aber wir haben auch versucht, es so zu mischen, dass es immer angenehm für die Ohren ist, dass es nicht scharf ist oder wehtut. Wir haben ganz bewussten Fokus darauf gelegt, dass es um Bass und weniger um Lautstärke geht. Wir sind auch irgendwo Bass-Freaks. (lacht) Für mich ist das wichtigste Element in der Musik eigentlich Bass. "Low End Theory" von A Tribe Called Quest ist da natürlich eine Wahnsinns Inspiration gewesen, eines der ersten Rap Alben, das wirklich Low End hatte. Das hat das revolutioniert. Ich hab die Platte auch und das hört man definitiv. Ich glaube, wenn man so einen Hip-Hop-Head oder -Freund ist und die Alben hört, oder generell den Sound vom Label, da sind wahnsinnig viele Parallelen da.

Marco: Ich glaube, dass die Kids für sowas heute auch sehr offen sind, dass viele Trap hören und trotzdem Raven gehen, dass sich das schon immer mehr mischt.


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