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Neues Album "V" Die Wooden Shjips haben 2018 die Platte gemacht, die 1968 keiner gemacht hat

Der Sommer ist da, früher als erwartet, der Klimakatstrophe sei Dank. Doch vielleicht wird ja doch noch alles gut? Wooden Shjips-Mastermind Ripley Johnson sieht "V" als einen friedlichen Appell für eine bessere Welt.

Von: Roderich Fabian

Stand: 28.05.2018

„Wooden Ships“, der Song, ist ein Hippie-Klassiker, den sowohl Crosby, Stills and Nash als auch Jefferson Airplane aufgenommen haben. Der Text beschreibt das Leben nach einer nuklearen Katastrophe, wo die Menschen in hölzernen Booten vor dem Fallout fliehen, weil Metall die Radioaktivität speichern würde. Nach diesem Song haben sich die Wooden Shjips benannt, weil sie die Legenden des Westcoast-Sounds verehren. Gleichwohl klingen diese Wooden Shjips ganz anders.

Das Album startet mit dem Track „Eclipse“ - und damit mit dem typischen Sound der Band, die seit 2007 Platten macht. Neo-Psychedelia könnte man dazu sagen. Wieder hat Gitarrist und Bandgründer Ripley Johnson alle Songs geschrieben, die gelegentlich auch an seine andere Band erinnern, das ähnlich treibende Moon Duo. Man denkt hier immer eher an New Yorker Bands wie Suicide oder Velvet Underground als an das sonnige Kalifornien der Sixties.

Erinnerungen an die goldenen Ära der Rockmusik

Ripley Johnson hat sich einen Spaß daraus gemacht, die meisten Songs mit Titeln zu schmücken, die man schon von anderen Bands kennt. „Eclipse“ erinnert an Pink Floyd, „Staring at the Sun“ an TV On The Radio und „Already Gone“ war mal der Titel eines frühen Hits der Eagles. Die Wooden Shjips haben eben kein Problem damit, Nachzügler der Goldenen Ära der Rockmusik zu sein, sie suhlen sich sozusagen in Eklektizismus.

Aber „Already Gone“ klingt dann gar nicht nach den Country-Rock, sondern eher nach Lou Reed. Und die meist langen - aber nicht zu langen Stücke - strahlen keine verspulte Wirrnis aus wie beim klassischen Psychedelic, hier geht’s tatsächlich um Love, Peace und Eingängigkeit. Auf der Wooden Shjips-Homepage schreibt Ripley Johnson: „Wir haben uns auf die Macht des Friedens, der Schönheit und des Widerstands fokussiert. Die Musik soll ein Balsam sein gegen den Lärm und die Negativität.“ Und so klingt „Red Line“ wie „Strawberry Fields“ mit Krautrock-Beat, wie der Versuch, den Sommer der Liebe erneut heraufzubeschwören in der Ära von Fake News und Hate Speech.

Woodstock lässt grüßen

Die Wooden Shjips leben und arbeiten inzwischen gar nicht mehr in ihrer Heimatstadt San Francisco, denn auch dort sind die Mieten für freischaffende Künstler unerschwinglich geworden. Also sind sie in die aktuelle Zentrale der amerikanischen Gegenkultur umgezogen, ins kühlere, aber auch coolere Portland, Oregon. Während sie an diesem Album arbeiteten, ging eine Aschewolke auf die Stadt nieder, wie sich Ripley Johnson erinnert: „Letztes Jahr gab es gewaltige Waldbrände rund um Portland. Ich bin auf meiner Veranda gesessen und die Asche fiel wie Schnee herab. Der Himmel hat ausgesehen, als ob er in Flammen stünde. Es war ein apokalyptisches Gefühl.“

Der Wirklichkeit entgeht man eben doch nie so ganz. Das haben die Wooden Shjips eingesehen und ihr Sommeralbum mit klimakatastrophalen Untertönen ausgestattet. Vielleicht brauchen wir die ursprünglichen, hölzernen Boote von Crosby, Stills and Nash ja doch noch irgendwann. Aber vielleicht wird ja doch noch alles gut. Denn die römische Fünf auf dem Cover kann man ja auch als Peace-Zeichen verstehen, als „Vee for Victory“.