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Neu auf Netflix Die Serie “Love, Death + Robots” zeichnet eine Zukunft, die es Frauen brutal schwer macht

David Fincher hat eine neue Netflix-Serie produziert, sie heißt "Love, Death + Robots". Die Sci-Fi-Anthologie-Serie ist brutal, dystopisch - und zeichnet eine düstere Zukunft für Frauen in unserer Gesellschaft.

Von: Thomas Mehringer

Stand: 21.03.2019

Szenen aus der Netflix-Serie "Love Death + Robots" | Bild: picture-alliance/dpa

Wir müssen über das Frauenbild der Zukunft reden. Gerade arbeiten wir an gleicher Bezahlung bei gleicher Arbeit, sehen die ersten Blüten der #metoo-Bewegung. Mit Captain Marvel steht aktuell eine Superheldin an der Spitze der Kinocharts, die zum Vorbild für viele junge Mädchen werden könnte. Ja, es ist noch viel zu tun, aber man könnte die Prophezeiung wagen: die Zukunft, sie gehört dem weiblichen Geschlecht. Das gilt scheinbar nicht für die neue Netflix-Serie "Love, Death + Robots": dort kämpfen Frauen in einer dystopischen Zukunft gegen den brutalen Sexismus der Serien-Autoren.

Es gibt auch witzige Episoden, wie hier in "Three Robots"

Aber von vorne: Die Vorfreude war riesig, als Netflix eine Sci-Fi-Anthologie-Serie angekündigt hat - produziert von Star-Regisseur David Fincher. Nun stehen 18 in sich geschlossene animierte Episoden auf der Streamingplattform. Die Folgen kommen von verschiedenen Autoren, haben unterschiedlichen Längen, zwischen fünf und 15 Minuten lang. Eigentlich super, um die Staffel in einem zu bingen.

Auch thematisch ist alles dabei: Dystopien, klassische Science-Fiction, Splatter, aber auch japanisches Anime - die teils brutale Serie ist nur für über 18-jährige auf Netflix abrufbar - und das zurecht. Neben David Fincher ist auch Tim Miller mit an Bord, Miller hat beim Kinoerfolg "Deadpool" Regie geführt und arbeitet gerade an einem Terminator-Film. Jede Episode hat auch ihren eigenen Style, von süßen Pixar-ähnlichen Animationen bis hin zur aufwändigen Comic-Montur wie zuletzt im oscarprämierten Spiderman-Multiverse-Animationsfilm. Und zugegeben: "Love, Death + Robots" sieht größtenteils atemberaubend aus. Die Computer-Animationen sind State-of-the-art. Aber geschenkt, denn das Problem der Serie liegt woanders.

Fördert die Serie "Rape-Culture"?

Das beginnt bei Folge 1: Sonnys Vorteil. Sonny ist die erste Frau, die, mit einem Avatar verbunden, in einer Art Fight Club antreten darf. Ihr wird Geld geboten, wenn sie absichtlich verliert, aber Sonny geht’s nicht ums Geld, sondern um die Ehre. Denn sie ist ein Opfer - von männlicher Gewalt. Natürlich gibt es in dieser Episode noch eine lesbische Szene mit entblößten animierten Brüsten und schließlich - so viel Spoiler muss sein - bekommt das weibliche Opfer ihre Rache. Der Plot ist vielleicht gut gemeint, er soll empowern, die Stärke von Frauen zeigen, aber warum dazu die Frau, also Sonny, erst zum Opfer machen?

Frauen in "Love Death + Robots": Reine Männerfantasien

Zwei Folgen später: eine namenlose Nackt-Tänzerin wird von ihrem Schlafzimmerfenster aus Zeugin eines Mordes. Der Mörder sieht sie, es beginnt eine Hetzjagd durch eine namenlose Stadt - natürlich ist die Protagonistin dabei nackt, sie durchleidet Todesängste. Das Akte-X-artige Ende der Episode nimmt einem nicht das Gefühl, hier nur schamloser Voyeur zu sein. Und wieder das gleiche Bild: die Frau ist per se das Opfer. In den Dystopien von David Fincher und seinem Serien-Partner Tim Miller macht es die Zukunft den Frauen besonders schwer.

Ein Frauenbild aus den 50er Jahren

Okay, die Kritik kurz beiseite, “Love, Death + Robots” liefert auch sehr gute Episoden, wie zum Beispiel die Folge, in der ein gepimpter Joghurt die Weltherrschaft übernimmt. Ja, ein Joghurt, ein schöner Seitenhieb auf Donald Trump. Oder in einer anderen Folge wird die Dynamik von Rassismus anhand von Werwölfen in der US-Army durchgespielt. Das ist durchaus gelungen, auch wenn man hier merkt, dass es schwierig ist, in einer Viertelstunde Spielzeit immer die komplette Motivation der Protagonisten zu transportieren.

Am schwächsten sind aber die Episoden, die uninspiriert Popkultur zitieren, wenn z. B. Elemente aus Alien und Starship Troopers gemixt werden oder Dracula wieder aufleben darf. Aber eines bleibt äußerst ärgerlich: Das Frauenbild, das David Fincher und seine Serien-Autoren hier zeichnen, es könnte aus den 50er Jahren stammen. Frauen in “Love Death + Robots” sind Opfer oder Lustobjekte, aus Männerfantasien erweckt. Und das hat mit der Zukunft - dystopisch oder nicht - absolut nichts zu tun.


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