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What is love? Die schwedische Feministin Liv Strömquist erklärt uns in ihrem Comic den Ursprung der Liebe

"What is love" fragt sich die schwedische Politikwissenschaftlerin und Comiczeichnerin Liv Strömquist. Gebrochene Frauenherzen, triebgesteuerte Männer, die Liebe als eine Himmelsmacht. Sorry: Alles Quatsch. Strömquist ist schlau - und vor allem lustig!

Von: Maria Fedorova

Stand: 19.07.2018

Liv Strömquist: Der Ursprung der Liebe, avant-verlag 2018 | Bild: Liv Strömquist/avant-verlag

Die schwedische Autorin Liv Strömquist verbringt die Hälfte ihrer Zeit mit dem  Analysieren philosophischer Theorien und die andere Hälfte mit dem Lesen von: Klatschpresse. Daraus bastelt sie radikale feministische Comics. Und weibliche Geschlechtsorgane und Menstruationsmythen fanden zumindest Schwedens Konservative so radikal, dass sie Strömquists „Der Ursprung der Welt“ öffentlich als „Anti-Kunst“ diffamiert haben.

In der Fortsetzung „Der Ursprung der Liebe“ sucht die 40-Jährige nach Antworten auf die Frage: „What is love“? „In der modernen Welt wurde vieles entmystifiziert. Man kann die Mythologie der romantischen Liebe mit einer neuen Religion vergleichen: Glückliche Liebe verspricht Erlösung, sie wird zur Quelle ultimativen Glücks. Ging es vor ein paar Jahrhunderten in der Musik um Gott, so geht es in heutigen Songs um die Liebe“, so Liv Strömquist.

Das Konzept der romantischen Liebe

"Die wahre Liebe macht mich bestimmt glücklich"

„Als Feministin beobachte ich, wie das Konzept der romantischen Liebe primär an Frauen verkauft wird – in Filmen und Literatur. Die Frau wird zur Trägerin der Liebe. Sie ist verantwortlich für die Gefühle – im Gegensatz zum Mann“, so Strömquist weiter. Liebesbedürftige Frauen und coole, distanzierte Männer – die Story ist ein Longplayer im Pop: Sie lieferte Stoff für sechs Staffeln „Sex and the City“, wo Carrie Bradshaw um den unnahbaren, ignoranten Mr. Big kreist. Oder für „Two and a half Man“, wo sich Charlie Sheens Witze nur darum drehen, wie sehr ihm seine Mutter und die neue Freundin auf die Nerven gehen.

Wie es dazu kommen konnte? Das stellt Liv Strömquist in ihren Comics auf schlaue und sehr lustige Weise dar: Die Liebe ist eine Erfindung. Es gibt sie in dieser Form erst seit ein paar Jahrhunderten. Auch die Idee der sexuellen Treue: „Vor 150 Jahren haben Männer über alle Ressourcen verfügt. Frauen waren absolut abhängig. Frauen mussten ihre Sexualität zu einem Marktwert machen, es war das einzige was sie besaßen. Sex vor der Ehe bedeutete, sich selbst zu entwerten.

Männer haben einen stärkeren Sexualtrieb – ein Mythos

Liv Strömquist

Die Überreste der Zeit, in der Frauen ihre Sexualität nicht frei ausüben konnten, findet man überall: Zum Beispiel in dem Glauben, dass Männer einen stärkeren sexuellen Trieb haben. Liv Strömquist spinnt den Gedanken aber weiter. Und kommt über Religionsgeschichte und Psychoanalyse zu linken Ideen: „Für mich ist es sehr wichtig, Feminismus mit Klassenfragen und Ideen der sozialen Gerechtigkeit zu verbinden. Es gibt zurzeit eine starke Bewegung der Selbstermächtigung: Man will eine absolute emotionale Unabhängigkeit und mehr Macht. Diese Art des Feminismus ist am Ende aber total neoliberal und konsumiert Liebe und Beziehungen wie eine Ware.“

Wie kommen wir da raus?

"Der Ursprung der Liebe" ist im avant-verlag erschienen

Also: What is love? Ein gefährliches Unterdrückungsinstrument? Ein komisches Hirngespinst? Und wenn ja: Wie kommen wir da raus? Liv Strömquist liefert keinen Masterplan, aber erklärt woher Sexismus und Patriarchat ihre enorme Macht beziehen. Abgehoben ist das Ganze übrigens kein bisschen: Liv Strömquists Bücher taugen auch als konkreter Ratgeber für romantische Beziehungen: „Ich kenne ein Paar, das ‚Der Ursprung der Liebe‘ gemeinsam gelesen hat, kurz bevor sie zusammengekommen sind. Sie haben nach jedem Kapitel diskutiert. So eine Art vorbeugende Paartherapie. So kann man meine Bücher auch nutzen.“ Und da Strömquists Bücher voller Humor stecken, war es bestimmt eine angenehme Diskussion.


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