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Neu im Kino: "Die Poesie der Liebe" Dieser Film zeigt: Die Franzosen verstehen mehr von der Liebe

Die Tragikomödie "Die Poesie der Liebe" erzählt die Geschichte eines Paares über einen Zeitraum von 45 Jahren. Ein unterhaltsamer und aufregender Film - genau richtig zur Weihnachtszeit.

Von: Roderich Fabian

Stand: 18.12.2018

Die Poesie der Liebe | Bild: temperclayfilm

Die Liebe und wie sie zustande kommt ist im Kapitalismus oft völlig unromantisch - abhängig vom Marktwert der Beteiligten. Das zeigt uns "Die Poesie der Liebe" gleich am Anfang. Wir sehen die jüdische Literatur-Studentin Sara, wie sie sich in Victor verliebt, am Ende der Swinging Sixties. Victor ist der klassische, wild denkende Autor, Sara ist von ihm fasziniert. Die Story wird vom Ende her erzählt. Sara erklärt einem Journalisten nach dem Tod Victors die Geschichte ihrer Ehe. Wobei das, was sie sagt und das, was wir in Rückblenden sehen, oft nicht deckungsgleich ist.

Schnell und lustig

"Die Poesie der Liebe" hat ein unglaubliches Tempo. Die Zeitebenen springen vor und zurück. Neben einem Interview mit Sara sehen wir immer wieder Viktor, wie er seinem Psychiater etwas vorjammert. Wir sehen das Paar in den 70ern, als Viktors Schriftsteller-Karriere langsam Fahrt aufnimmt. Viktor gönnt sich zu dieser Zeit noch ein Verhältnis mit einer anderen, ohne daraus ein Geheimnis zu machen. Ihr wisst schon: Freie Liebe und so.

Nicolas Bedos und Doria Tillier

Der Film schafft das Kunststück, ziemlich witzig zu sein und uns trotzdem die Dynamiken einer langjährigen Beziehung näher zu bringen. Und immer sind die Umstände entscheidend, in denen das Paar lebt. In den 80ern ist Viktor ein berühmter Autor. Sie haben inzwischen einen Sohn, der allerdings strohdumm ist und den Eltern null Freude macht (wann sieht man sowas schon mal?). Die Familie gönnt sich nun - standesgemäß - ein Haus auf dem Land, mit Pool und Dienstboten. Sara kokst nun gern, Viktor ist ständig auf Lese-Reise. Das gibt Ärger.

Der Franzosen-Faktor

Ja, sie küssen sich und sie schlagen sich. Und die Maskenbildnerin hat es wirklich geschafft, dass die Hauptdarsteller Doria Tillier und Nicolas Bedos auch über diverse Jahrzehnte hinweg glaubwürdig altern. "Die Poesie der Liebe" bringt alles unter, was einem bürgerliche Paar auf einem langen, gemeinsamen Weg so alles widerfahren kann - und das gelingt auf lässige, spielerische Weise. Man weiß nicht genau warum, aber in diesem Genre macht den Franzosen niemand etwas vor.


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