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Rechtspopulismus in Österreich Was die "Omas gegen rechts" in Wien auf die Straße treibt

Sie tragen knallig pinke Wollmützen und haben schon das ein oder andere Fältchen im Gesicht: die "Omas gegen rechts". Gegründet haben sie sich vor genau einem Jahr in Österreich, als klar war, dass die ÖVP gemeinsam mit der rechtspopulistischen FPÖ regieren wird. Wer sind diese aufmüpfigen älteren Damen und was treibt sie an?

Von: Franziska Timmer

Stand: 05.12.2018

Die "Omas gegen rechts" bei einer Demo in Wien. | Bild: BR/Franziska Timmer

Später Nachmittag im Museumsquartier in Wien. Es gibt Kaffee aus Pappbechern, Kuchen und -einen Vortrag über "Hass im Netz". Die Referentinnen, zwei jüngere Frauen, ihr Publikum: etwa 40 ältere Damen, alle mit pinken Wollmützen auf dem Kopf, dem Markenzeichen der "Omas gegen rechts". Erste Frage in die Runde: Wer von euch ist regelmäßig online? Fast alle melden sich. Kein Wunder, die "Omas gegen rechts" haben sich ja auch über Facebook gegründet. "Wir haben jeden Tag Ansuchen auf Aufnahme in unserer Facebookgruppe. Wir haben auf Twitter immer mehr Follower", erklärt Monika Salzer, Gründerin des Vereins "Omas gegen rechts". "Wir leben in einem Paradies. Eines der reichsten, schönsten, friedlichsten Länder der Welt. Mit einer niedrigen Kriminalitätsrate. Eigentlich könnten wir alle glücklich sein."

Klima in Österreich hat sich verändert

Demo in Wien

Aber dieses Paradies ist in Gefahr, seitdem die ÖVP gemeinsam mit der rechtspopulistischen FPÖ regiert. "Dass der Bundeskanzler sich nicht dagegen ausspricht, mit denen koaliert und letzten Endes auch nicht anders denkt, das ist sehr besorgniserregend. Weil er letzten Endes auch einen Mainstream verkörpert", meint Monika Selzer. Also gründet sie vor einem Jahrd die "Omas gegen rechts". Das Klima in Österreich habe sich sehr verändert. "Wir haben sehr viel Hasssprache, Sprache des Krieges und Misstrauen, Aggression. Und das ist unverständlich. Weil’s den meisten Leuten unglaublich gut geht. Natürlich haben wir eine Gruppe von Armen und Benachteiligten in der Bevölkerung. Aber genau das ist ja die Herausforderung jedes Staates, dass ein Ausgleich geschaffen wird. Und der Ausgleich wird aber nicht herbeigeführt. Ganz im Gegenteil. Es gibt eine Umverteilung von arm zu reich."

Doch warum schließt sich gerade eine Gruppe älterer Frauen zusammen, um sich gegen rechts zu engagieren? Salzer glaubt, es liegt an ihrer Generation, der Gruppe der 68er. "Wir sind eine ganz besondere zivilgesellschaftliche Gruppierung. Wir sind schon in unserer Jugend auf die Straße gegangen. Wir haben mit unseren Kindern demonstriert für Frieden. Wir haben Bildung. Viele von uns sind auch in Positionen gewesen, wo sie was zu sagen hatten. Uns kann man einfach nicht mehr so locker unter den Teppich kehren." Das Konzept geht auf. Die Facebookgruppe der Wiener Omas hat 3.500 Mitglieder, Tendenz steigend. Und auch in Deutschland gibt es mittlerweile Oma-Gruppen in rund 30 Städten. "Das Einzige, was wir können ist uns hinstellen und sagen, mit uns nicht. Wir wollen das nicht. Wir haben Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder. Und das machen wir lautstark."

Originalität und Witz hat überzeugt

Oma Christine

Das machen sie lautstark, auch auf den Donnerstagsdemos, die jede Woche in Wien stattfinden. Monika Salzer selbst kann diese Woche nicht. Sie muss auf ihre Enkel aufpassen. Eine richtige Oma eben. Aber dafür sind viele andere buntbemützte Frauen am Donnerstagabend auf der Straße. Unter ihnen auch Christine. Sie hat sich bei der Veranstaltung am Vortag eigentlich erstmal nur informiert über die Omas – und jetzt geht sie als Oma mit. Was sie überzeugt hat? "Diese Originalität und dieser Witz mit dem sie’s machen." Und so steht Christine also da in voller Montur. "Die Demo war für mich wichtig und ich hab mir gedacht, jetzt hab ich schon die Ausrüstung. Voll bemützt, Button ist drauf, Schild "Omas gegen rechts", alles dran. Es ist eine Richtung die mir gefällt."


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