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Neue Marvel Superheldin Ms. Marvel – wie ein muslimisches Mädchen die Welt rettet

Ein pakistanisches Mädchen aus New Jersey entdeckt zwischen Hausarrest und Highschool ihre Superkräfte. Damit ist Ms. Marvel die erste muslimische Superheldin im Marvel Universum. Eine längst überfällige Repräsentation, sagen Fans. Bloßes Diversity Marketing vom Disney Konzern, sagen Kritiker.

Von: Fatemeh Khodadadian

Stand: 14.06.2022

Ms Marvel | Bild: disney

Eigentlich ist Ms. Marvel eine typische Coming Of Age Geschichte. Die Protagonistin ist eine ziemlich verplante, fröhliche Teenagerin namens Kamala Khan. Das muslimische Mädchen wächst in New Jersey auf, ist Gamerin und Youtuberin und schreibt Fan-Fiction über ihren Lieblings-Superhelden Captain Marvel.

Die erste muslimische Superheldin

Wir begleiten Kamala auf ihrem Weg, sich und ihre Identität zu erforschen, sich von ihrem Idol Captain Marvel zu emanzipieren. Und dann, wie es sich für Marvel gehört, wird Khamala selbst zur Superheldin. Ihr Name – fast noch einfallsreicher als der ihres Idols: Ms. Marvel. Das Besondere an Ms. Marvel ist aber nicht der Name: Sie ist eine Superheldin, die muslimischen Glauben hat. Und das feiern viele und können es kaum glauben. Auf Social Media weinen Marvel-Fans Tränen der Freude. Wie etwa hier im "The Brothers Geek Out Podcast":

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MS MARVEL EPISODE ONE SPOILERS AND BREAKDOWN | Bild: The Brothers Geek Out Podcast  (via YouTube)

MS MARVEL EPISODE ONE SPOILERS AND BREAKDOWN

Diversity und Kapitalismus

In den letzten Jahren hat sich Marvel als Ziel gesetzt, on screen diverser zu werden. Das heißt die Gesellschaft, die by the way schon immer "divers" war, so darzustellen wie sie ist. Kunterbunt und vielfältig. Auch, weil Diversity mittlerweile zu einem milliardenschweren Geschäft geworden ist. Wissenschaftler der University of California in L.A. fanden heraus, dass Filme, die in Bezug auf Diversität unter dem Durchschnitt liegen, an den Kinokassen einen finanziellen Verlust erleiden.

Diversity sells - und das in belegbaren Zahlen. Aber was, wenn Diversity in einer kapitalistischen Firmenstruktur nur zu Geldmaschine gemacht wird? Wenn vorne rum alles divers aussieht, aber der revolutionäre, antikapitalistische Kern verloren geht? Die US-Soziologin Nancy Fraser nennt dieses Phänomen "progressiven Neoliberalismus". Sie schreibt:

"Was klingt wie ein Widerspruch in sich, war die höchst reale, mächtige Allianz zweier seltsamer Gefährten: Auf der einen Seite der liberale Mainstream der neuen sozialen Bewegungen, auf der anderen Seite die dynamischsten, kulturell einflussreichsten und am stärksten finanzialisierten Sektoren der amerikanischen Wirtschaft."

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Marvel Studios’ Ms. Marvel | Offizieller Trailer | Disney+ | Bild: Marvel Deutschland (via YouTube)

Marvel Studios’ Ms. Marvel | Offizieller Trailer | Disney+

Diversity als Cashcow?

Diese Allianz zweier seltsamer Gefährten beobachten wir auch bei Marvel: Eine diverse Ms. Marvel als Cashcow für den Marvel-Vorsitzenden Isaac Perlmutter, der ein alter Freund und Berater von Donald Trump ist. Und Trump richtete den berühmten "Muslim Ban" ein, der der muslimischen Community großes Leid zufügte.

Immerhin löste das auch innerhalb von Marvel Diskussionen aus. G. Willow Wilson, die für Marvel den beliebten Comic Ms. Marvel schreibt, hat auf ihrem Tumblr einen nachdenklichen Essay veröffentlicht. Wilson, die zum Islam konvertierte, schreibt: "Die Ironie, dass Ms. Marvel unter Perlmutters Aufsicht auf den Markt gebracht wurde, während Donald Trump Muslimen sogar die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehren möchte, ist weder den Mainstream-Medien noch mir entgangen."

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Poison Ivy #1 Out Now It’s Ms Marvel day!! ⚡️ https://t.co/L8xo8leaVq

Das Paradoxe daran: Die Ms. Marvel-Figur, damals noch als Comic, war für einige der muslimisch-amerikanischen Communities eine Protestfigur in den 2016er Bewegung gegen Trump. Auf Protestbannern auf den Straßen sah man Ms. Marvel mit entschlossenem Blick ein Foto von Trump zerreißen. Auf anderen sah man sie mit erhobener Faust mit dem Schriftzug: Widerstand!

Trotz aller Doppelmoral muss man sagen: Selten in der Comic-Szene hat eine muslimische Figur die Menschen so sehr begeistert wie diese.