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"From Dreams To Dust" Die Felice Brothers haben sich aus dem Schatten von Bob Dylan und Co. gespielt

Wie wird man ein guter Folkmusiker, wenn die Nachbarschaft aus der Crème de la Crème des Folks besteht? Die Felice Brothers haben sich jedenfalls aus dem Schatten von Bob Dylan und Co. herausgespielt und zählen nun zu den besten Folk-Songwritern ihrer Generation. Matthias Röckl hat sie in Upstate New York besucht.

Von: Matthias Röckl

Stand: 21.09.2021

Ich treffe Ian Felice und seinen Bruder James genau an dem Ort, wo ihre Wurzeln liegen: Beim Holzstadel von Levon Helm von “The Band” in Woodstock, New York. Nicht weit von hier wuchsen die drei Felice-Brüder auf – Ian und James und Simon, der inzwischen die Band verlassen hat und nun als Produzent tätig ist. “Als ich jung war und wir die Band gründeten, durften wir hier für Levon eine Show eröffnen. Das war ein Highlight in meinem Leben, schließlich bin ich mit seiner Musik aufgewachsen und The Band gehört zu meinen Lieblingsgruppen”, erzählt Ian.

Der Gitarrist sitzt gemütlich in der Sonne. Hier in Upstate New York haben viele der großen Folk-Songwriter der 60er und 70er - darunter Bob Dylan - ihre Zelte aufgeschlagen. In diesen Folk-Zirkeln aufzuwachsen, fühlte sich manchmal auch etwas überwältigend an. James Felice singt über diese Erfahrung im Stück „Blow Him Apart“: „Ich habe das Singen in einem Hühnerstall gelernt“, heißt es da. “Ich hatte kein starkes Selbstbewusstsein, habe nicht an meine Fähigkeiten geglaubt. Ich dachte, nicht gut genug zu sein. Es gab einfach zu viele unglaublich fantastische Musiker um uns herum”, erklärt James Felice.

Reisen durch die amerikanische Landschaft

Inzwischen gehören die Felice Brothers zu den besten Folk-Songwritern ihrer Generation. Hinter den meisten Texten steckt Ian. Ein schreibender Meister mit Draht zur Melancholie. Die Geschichten auf „From Dreams To Dust“ sind wie Reisen durch die amerikanische Landschaft – zeitlose Geschichten von Helden und Gescheiterten, Weisen, Gelehrten, Dummköpfen und Betrügern. 

Der Hit des Albums heißt „Jazz On The Autobahn“. Es geht darin um zwei Leute auf der Flucht, die versuchen, ihre Identität zu verschleiern. Eine davon ist eine reiche Erbin einer texanischen Ölfirma, die jegliche Verbindung zur Verschmutzung der Umwelt loswerden möchte. Sie glaubt, dass die Apokalypse nach Jazz auf der Autobahn klingen wird. „Zuerst gab es den Songtitel. Drumherum entstand dann der Song. Ich dachte, der Titel sei eine gute Gegenüberstellung: Jazz ist eine der schönsten Kunstformen und die Autobahn ist ein massives Straßengeflecht, gebaut von Hitler. Ich sah das als poetischen Gegensatz, eine Metapher für die menschliche Existenz”, erläutert Ian Felice.

Geschichten, denen man sich nicht entziehen kann

Sich an Ians Schulter anzulehnen, mitzuhören und mitgenommen zu werden - all das vermittelt sein Songwriting. Oft scheint er über den Liedern zu stehen, wie ein Geschichtenerzähler, der auf uns herabblickt, im Schaukelstuhl wippt und dabei den Rhythmus vorgibt, dem sich keiner entziehen kann.