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Klassiker von Leonard Cohen Das sind die drei wichtigsten Versionen von "Hallelujah"

Der Song „Hallelujah“ von Leonard Cohen ist über 300 Mal gecovert worden, taucht in unzähligen Filmen auf und ist beliebtes Material für Casting-Shows. Wer aber die Magie hinter dem Song verstehen will, muss diese drei ganz speziellen Versionen kennen. Ein Vergleich.

Von: Roderich Fabian

Stand: 16.11.2022

Leonard Cohen 2008 in Wiesbaden
credits: Rolf Haid | Bild: Rolf Haid

Version 1: Das Original

 „Hallelujah“ gehört nicht zu den Leonard-Cohen-Klassikern aus den Sixties, sondern erschien erstmals 1984 auf dem Album „Various Positions“. Mitte der 80er, also in Zeiten von Madonna, Prince und Michael Jackson, hatten es die Stimmen der Sixties ziemlich schwer, noch wahrgenommen zu werden. Die Plattenfirma Columbia Records ging so weit, „Various Positions“ in den USA überhaupt nicht zu veröffentlichen. Man sah darin kein kommerzielles Potential. Und so dümpelte „Hallelujah“ ein paar Jahre als verkannter Album-Track ziemlich unbemerkt vor sich hin. Dabei war der Song elementarer Ausdruck der Überzeugungen des Sängers. 

"Wenn man sich die Welt ansieht und die brutale Logik der Notwendigkeit, die sie beherrscht, dann wird dir klar, dass du diesen Schleier des Leidens nur dann durchbrechen kannst, wenn du deine Seele dem Gebet anvertraust"

- Leonard Cohen

„Hallelujah“, also: `Lobet den Herrn` singt Leonard Cohen immer wieder, erinnert an Anekdoten aus der Bibel, macht auch viele erotische Anspielungen. Angeblich soll er fünf Jahre an den Strophen gearbeitet haben. Und entsprechend variiert er bei Live-Auftritten den Text, fügt Verse hinzu, lässt andere weg.

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Leonard Cohen - Hallelujah (Live In London) | Bild: LeonardCohenVEVO (via YouTube)

Leonard Cohen - Hallelujah (Live In London)

Version 2: Die Reduktion

Schließlich ist es John Cale, der den Song aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Cale, legendärer Waliser mit einer Vergangenheit bei der besten Band aller Zeiten, den Velvet Underground, stößt bei einem Leonard-Cohen-Konzert eher zufällig auf den Song.

"Ich erinnere mich, wie Leonard den Song im Beacon Theater in New York gespielt hat. Ich kannte ihn noch nicht, aber er hat mich umgehauen. Also dachte ich, ich könnte eine Solo-Piano-Nummer daraus machen."

- John Cale

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John Cale - Hallelujah (Official Video) | Bild: Domino Recording Co. (via YouTube)

John Cale - Hallelujah (Official Video)

Die John-Cale-Version kommt ohne Chor, Band und Streicher aus, wirkt - derart reduziert - viel stärker als das Original. Außerdem lässt sich Cale von Cohen weitere Verse zuschicken und tauscht drei der Strophen aus. 1991 erscheint die neue Fassung auf dem Cover-Album „I’m Your Fan“. Aber auch das ist noch nicht der Durchbruch in die Unendlichkeit für „Hallelujah“.

Version 3: The Sexual One

Jeff Buckley covert 1994 die John-Cale-Version des Songs mit Solo-Gitarre statt mit Klavier. Vor allem aber betont er die sexuellen Anspielungen des Songs, feiert also nicht nur die Macht Gottes, sondern auch die der Liebe. Es ist zum Veröffentlichungszeitpunkt die bei weitem erfolgreichste Version. Buckley gelingt es unabsichtlich, „Hallelujah“ zu seinem eigenen Song zu machen. Aber im Interview wünscht er sich, Leonard Cohen möge seine Fassung nie hören, weil sie klänge, als würde ein kleiner Junge singen.“

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Jeff Buckley - Hallelujah (Official Video) | Bild: jeffbuckleyVEVO (via YouTube)

Jeff Buckley - Hallelujah (Official Video)

Inzwischen gibt es etwa 300 Versionen des Songs. Sogar die vielen Teilnehmer der weltweiten Casting-Shows kriegen den Song nicht kaputt. Jeff Buckley ertrank schon 1997, Leonard Cohen starb 2016. John Cale ist im März 80 geworden. Schlussendlich war es dann doch seine Version, die den Song noch am berühmtesten machte. Denn sie tauchte 2001 im Animationsfilm „Shrek“ auf, kinderfreundlich selbstverständlich, befreit von allen anzüglichen Passagen.

Ab 17. November 2022 im Kino: "Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song" von Daniel Gellers und Dayna Goldfines