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Doku über David Bowie "Moonage Daydream" zeigt die perfekte Illusion eines Künstlerlebens

Mit „Moonage Daydream“ ist ein Dokumentarfilm in den Kinos zu sehen, der das Leben und die Kunst David Bowies verhandelt. Ist das nun die übliche „Rockumentary“ geworden oder doch etwas, was einem Ausnahmekünstler wie Bowie gerecht wird?

Von: Roderich Fabian

Stand: 14.09.2022

David Bowie in einer bunten Collage aus der Doku "Moonage Daydream" | Bild: Universal Pictures

Dieser Film ist eine Art Heiligsprechung. Denn David Bowie erscheint hier so, wie er immer gerne erschienen ist: Größer als das Leben, larger than life. Bowies Selbst-Inszenierung als aus dem Alltag abgehobenes Fabelwesen vollzieht „Moonage Daydream“ nach, mit einer monumentalen Collage aus Live-Mitschnitten, Video-Clips, seltenen Backstage-Aufnahmen sowie Radio- und Fernsehinterviews, die der Musiker in seiner fast 50-jährigen Karriere gegeben und aufgenommen hat. Der amerikanische Dokumentarfilmer Brett Morgen, der zuvor auch schon Kurt Cobain oder die Primatenforscherin Jane Goodall portraitiert hatte, hat jahrelang eine Unmenge von Material gesichtet, exzerpiert und schließlich montiert, um nun einem außergewöhnlichen Künstler ein Denkmal zu setzen, das einen im Kino schlicht überwältigt.

Mysterium Bowie - erneut heraufbeschworen

Wir bekommen viel von David Bowies Zweifeln serviert, etwa wenn er aus dem Off laut darüber nachdenkt, dass es etwas Tieferes geben muss, als nur zu existieren. Dass es vielleicht keinen Anfang und kein Ende gibt und dass er stets danach gestrebt hat, verborgene Zusammenhänge zu verstehen.

Natürlich könnte man so etwas auch als banale Küchenphilosophie abtun, aber zusammen mit den Bildern und der Musik wird hier erneut das Mysterium heraufbeschworen, mit dem sich Bowie schon früh in seiner Laufbahn umgeben hatte. Und so führt ihn Dick Cavett, der große Late-Night-Talker Amerikas in den 70ern dann auch mit einer Reihe von Fragen ein: Ist er ein Außerirdischer, ist er gefährlich oder nett? Ist er Mann, Frau oder Roboter* in?

Die perfekte Illusion eines Künstlerlebens

In „Moonage Daydream“ gibt es keine Interviews mit Weggefährten aus alten Zeiten. Die hätten die angestrebte Magie des Films nur beeinträchtigt. Es gibt auch nur eine lose Chronologie, die uns aus London nach Los Angeles und schließlich nach Berlin führt, also Wohnorte Bowies abklappert. Vieles bleibt unerwähnt, seine Karriere als Schauspieler etwa, seine Drogensucht oder höchst kontroverse Aussagen wie die, dass Hitler der erste Popstar gewesen sei. Nein, „Moonage Daydream“, hat keinen journalistisch-distanzierten Anspruch, stattdessen gibt es tausend Songs und tausend Bilder dieses sich ewig wandelnden Chamäleons der Rockmusik.

Regisseur Brett Morgen präsentiert seinen Film in Las Vegas

Denn eines bleibt völlig klar: Bowies Zeit als Superstar endet bereits in den 80ern, erst sein ganz spätes Spätwerk wird wieder weltweit relevant. Aber diesem Film geht es nicht darum, das Auf und Ab eines Popstars zu dokumentieren, sondern eine außergewöhnlich kreative Persönlichkeit. Und das gelingt dieser Fleißarbeit auf ganz wunderbare Weise. Schließlich sagt Bowie selbst in „Moonage Daydream“, dass es am Ende darauf ankommt, was du mit deinem Leben anfängst und nicht, wie lange es dauert.

Insofern ist „Moonage Daydream“ Kino, wie es sein sollte: Die perfekte Illusion eines Künstlerlebens, das ja tatsächlich außergewöhnlich war. Und vielen Dank an Brett Morgan dafür, dass er uns Bilder des sterbenden Bowie erspart hat. Auf diese Weise entsteht das, was beabsichtigt war: Unsterblichkeit.

„Moonage Dayream“ ab dem 15. September in ausgewählten Kinos in ganz Deutschland zu sehen. Hier geht's zum Trailer.