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Best Of 2022 Diese Serien haben uns in diesem Jahr an die Bildschirme gefesselt

2022 war ein grandioses Serien-Jahr. Von Comedy über Fantasy bis hin zu Doku-Serien war alles dabei. Ihr braucht Tipps für euren nächsten Binge-Marathon? Das sind die Lieblingsserien der Zündfunk-Redaktion.

Von: Zündfunk

Stand: 21.12.2022

Paddy Considine in House of the Dragon | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

Hinweis aus der Redaktion: Die nachfolgenden Texte können kleine Spoiler enthalten.

Alba Wilczek empfiehlt: "House Of The Dragon"

Als mein Kollege Ferdinand Meyen im September die zwei meist erwarteten Serien des Jahres verriss, war ich ziemlich angepisst. Okay, von „Die Ringe der Macht“ hatte ich auch mehr erwartet, aber House of Dragon hatte dieses Treatment definitiv nicht verdient. Für mich ist der „Game Of Thrones“-Spin Off die beste Serie des Jahres. Starke Frauen mit Tiefe, die die Stricke in der Hand haben, nie schwarz oder weiß, gespielt von ausdrucksstarken Darstellerinnen (Olivia Coooke, Emma D’Arcy). Aber auch: Drachen und Sex und Männer, die man hassen, lieben und verstehen kann. 10/10, gerne wieder und jetzt hätte ich gerne einen Negroni Spagliato mit Prosecco, bitte.

Zu sehen bei WOW (HBO)

Ferdinand Meyen empfiehlt: "The Boys"

Es ist wieder da. Das Gefühl, das Serien nur ganz selten bei mir auslösen. Aber wenn sie es tun, dann werden sie kurzzeitig zu einer der schönsten Nebensachen der Welt. "The Boys" hat das bei mir geschafft. Schon lange bin ich von Marvel, DC und den unzähligen Superhelden-Filmen und Serien genervt, die Kino und Streaming-Anbieter immer mehr für sich vereinnahmen. Und die für faschistische Ideologien teilweise zu Recht in der Kritik stehen. "The Boy"s greift das auf. Die Superhelden sind hier eigentlich die Bösen, als Helden werden sie nur inszeniert von einem geldgierigen Pharmakonzern, dem es nur um’s Geldverdienen geht. Und wer sich dagegen auflehnt, dessen Kampf wird ebenfalls vermarktet. Staffel drei von "The Boys" ist dieses Jahr erschienen und führt die Sozialkritik der ersten beiden Staffeln konsequent weiter. Besonders genial: Wie es The Boys gelingt, die Kritik an den USA auf eine Figur herunter zu brechen: Superhelden-Schurke Homelander, bisher noch kontrolliert von Privatwirtschaft und Kirche, nimmt, so viel sei verraten, dieses Mal einen scharfen Abzweig nach rechts und wird zur Symbolfigur für Incels und die neue Rechte. Donald Trump lässt grüßen. Und Butcher, Hughie, Frenchie, Kimiko, Starlight und M.M. sind und bleiben eine Augenweide. "The Boys" beweist: Fantasy gelingt besonders dann, wenn sie mit Sozialkritik verschmilzt.

Zu sehen bei Amazon Prime

Katja Engelhardt empfiehlt: "Irma Vep"

Irma Vep | Official Teaser | HBO | Bild: HBO (via YouTube)

Mehr Meta-Ebene geht nicht: Der 1996er Film-Klassiker von Olivier Assayas erfährt ein Serien-Remake. Alicia Vikander spielt Mira Hardenberg, die dem Blockbusterkino den Rücken kehrt und nun endlich eine kredible Hauptrolle übernimmt. Aber nicht ohne private und professionelle Hindernisse. Diese Industrie ist verrückt. Der Cast ist eitel, der Geldgeber will Einfluss nehmen und der Regisseur behauptet, er drehe gar keine Serie – sondern einen achtteiligen Film. Er wäre nämlich Filmregisseur. Aha. "Irma Vep" ist eine Serie über die Serienindustrie. Wer soll all die Serien schauen, die ständig rauskommen und wer soll sie Zahlen? Wie verändert sich das Bewegtbild und wie verändert sich das Publikum? "Irma Vep" formt aus theoretischen Fragen handfeste Probleme für die Serienfiguren. Dass all die verkopften Referenzen zum Originalfilm, dem Cast (mit Lars Eidinger und Kristen Stewart!) und auf sich selbst schlau sind und gleichzeitig Spaß machen – das ist das größte Kunststück im Serienjahr 2022.

Zu sehen bei WOW (HBO)

Matthias Hacker empfiehlt: "The Bear"

Carmy ist der erfolgreichste Sternekoch der USA. Dann begeht sein Bruder Selbstmord und vererbt ihm dessen marodes Sandwich-Restaurant in Chicago. Carmy übernimmt den Laden und will ihn auf Vordermann bringen. Aber seine Haute Cuisine Skills interessieren hier erstmal niemanden. Carmy kämpft gegen alte Strukturen, schlechtes Essen und Angstattacken. The Bear verdient jeden Michelin-Stern der Welt. Die Serie ist ein geniales Kammerspiel: Kamera, Charaktere, Story. Dramedy auf höchstem Niveau. Witzig, einfühlsam und so intensiv, wie es in einer Gastroküche nunmal zugeht. Beste Serie der letzten Jahre. "Fuck Brunch!"

Zu sehen bei Disney plus

Paula Lochte und Caroline von Lotzwow empfehlen: "Kleo"

Was ist das denn für eine überdreht spaßige Serie? "Kleo" ist wie "Kill Bill" – in der zerfallenen DDR. Als die ehemalige Stasi-Spionin Kleo (Jella Haase) nach Jahren aus dem Gefängnis freikommt, begibt sie sich auf Rachefeldzug gegen jene Parteischergen, die sie damals hinter Gitter gebracht haben. Auf ihre so blutrünstige wie kreative Vendetta wird ein West-Berliner Polizist (Dimitrij Schaad) aufmerksam. Los geht die slapstickhafte Verfolgungsjagd. Für Fans von "Deutschland 89", "Killing Eve" – und Arbeiterliedern. Außerdem knallig, schnell, mit ständig überraschenden Wendungen, ohne klare gut-böse-Erzählstruktur und völlig überzeichnete Klischees, brutal, lustig und vor allem irre spannend. Kleo hatte zu DDR-Zeiten im Auftrag der Stasi nur die krassesten Spezialaufträge ausführt. Als sie durch den Mauerfall plötzlich frei kommt und in eine fremde Welt entlassen wird, trifft sie dort auf einen westdeutschen Technojünger, der in ihre Berliner Wohnung eingezogen ist und begibt sich auf ihrer Suche nach Antworten auf einen irrwitzigen Rachefeldzug. Bingewatching-Garantie für die stade Zeit.

Zu sehen bei Netflix

Alba Wilczek empfiehlt: "White Lotus"

The White Lotus Season 2 | Official Trailer | HBO | Bild: HBO (via YouTube)

Dieser feine Diamant beim Streaming-Sender WOW ist eine der wenigen Serien, bei denen ich das Intro nie skippe. Zu gut ist die Titelmelodie „Renaissance“ von Komponist Christobal Tapia Da Veer. So gut, dass sie auf Social Media momentan als Meme abgefeiert wird. Und nicht nur das Intro: Pop-Kultur Internet liebt alles an White Lotus seitdem die zweite Staffel angelaufen ist. Der Hauptgrund? Jennifer Coolidge in der Hauptrolle. Die schrullige, kurvige Schauspielerin mit den verengten Augen, die super viele White-Trash-Filmrollen gemimt hat, aber doch irgendwie zum Kult-Star geworden ist. Coolidge spielt die Rolle der reichen, aber einsamen Erbin Tanya, für deren Darstellung sie 2022 sogar einen Emmy einheimste. Tanya ist der Link zwischen Staffel eins und zwei, denn sie ist beides mal Teil einer Gruppe an Hotelgästen, die in einem Resort der Kette White Lotus übernachten. Die erste Staffel auf Hawaii, die zweite dann in Sizilien. Am Anfang erfahren wir von einem Mord, sehen aber nicht, um wen es sich handelt. Und dann schauen wir über neun Folgen a 60 Minuten dabei zu, wie das Chaos sich entfaltet. Das macht unheimlich Spaß, denn die Musik ist grandios, die Landschaft toll und der Cast beider Staffeln hochkarätig. Schauspieler*innen wie Sydney Sweeney, Aubrey Plaza oder Tom Hallender geben kammerspielartige Dialoge zum besten und bescheren Charakter-Tiefen, die in anderen Serien oft fehlen. Einzige Kritikpunkte: Hier und da zieht es sich etwas und die fehlende Diversität ist besonders in Staffel zwei spürbar. Keine einzige BPOC weit und breit. Das geht in der nächsten Season hoffentlich besser.

Zu sehen bei WOW (HBO)

Ferdinand Meyen empfiehlt: "King Of Stonks"

Im Vorfeld hieß es, dass die Satire auf Netflix, die sich am Aufstieg und Fall von Wirecard orientiert, die beste deutsche Serie aller Zeiten ist. Ganz so weit würde ich nicht gehen. "King of Stonks" ist vor allem als Dystopie der modernen Arbeitswelt interessant. Und weil Matthias Brandt als CEO und Markus-Braun-Verschnitt den Vogel abschießt. Gerade in den ersten Folgen entwickelt "King of Stonks" einen perfiden Sog, man erkennt viele Aspekte aus dem größten Wirtschaftsskandal der deutschen Geschichte wieder. Geldgierige Shortseller, Wirtschaftsprüfer, die bestochen werden und zur Seite schauen, Deals mit der italienischen Mafia, die Politik, die's nicht wahrhaben will in der Hoffnung auf einen deutschen Elon Musk und Briefkastenfirmen in Asien. Und für alle, denen Dokus und Investigativberichte zu über Wirecard zu dröge sind, und die noch immer nicht so ganz verstanden haben, wie das eigentlich abgelaufen ist, lohnt sich King of Stonks auf jeden Fall. Kritik am Finanzkapitalismus, unterhaltsam aufbereitet. Gerade hinten raus spürt man aber, dass das Budget knapper wird und die Serie ein oder zwei Twists nimmt, die dann doch noch deutlich absurder sind als die Wirklichkeit. Insgesamt aber ein ziemlich runder Pullunder.

Zu sehen bei Netflix

Katja Engelhardt empfiehlt: "Oh Hell"

Helene ist in ihren Zwanzigern und ein weiblicher Slacker. Ihren Eltern sagt sie, sie würde Jura studieren – tut sie nicht. Ihrer Freundin (Salka Weber) sagt sie, sie hätte ein Start-Up – hat sie nicht. Sich selbst sagt sie, sie hätte einen festen Freund (Edin Hasanović) – hat sie auch nicht. Helene – Spitzname Hell – träumt sich ihre Welt zurecht. Und wir sehen ihr dabei zu, wie sie ihre Lügen so langsam nicht mehr aufrecht erhalten kann. Und das macht enorm viel Spaß. Denn Mala Emde spielt Helene so schnell wie charmant. Serienschöpfer Johannes Boss hat mit Helene eine der liebenswertesten Serienfiguren des Jahres erschaffen, einen Gegenentwurf zum Optimierungswahn und eine stylische Serienwelt noch dazu. Das Setting ist so international und zeitlos wie in "Sex Education", die Kostüme sind lässig gesampelte Collagen verschiedenster Stile. Kein einziges Detail ist einfach nur so da, alles hat seinen Sinn und seinen Platz. Diese Serie muss man gesehen haben. Ganz besonders diejenigen, die immer behaupten, deutsche Serien könnten nix. Nehmt das!

Zu sehen bei WarnerTV+ und Magenta TV

Thomas Mehringer empfiehlt: "Andor"

Als Heranwachsender las ich in der Familien-Bibel aka Fernsehzeitschrift über die erste Star-Wars-Trilogie immer "Der ultimative Kampf zwischen Gut und Böse". Und genau so war es auch. Die Rebellen waren gut, das Imperium böse. Die Rollen waren nach dem ersten Schnaufer von Darth Vader und seinem behelmten Auftritt nach fünf Minuten in "A New Hope" festgelegt. Lange fragte ich mich dann, was dieses Imperium eigentlich so böse Dinge im Universum anstellte. Der Standalone-Star-Wars-Film "Rogue One" erzählte dann die unmittelbare Vorgeschichte zu "A New Hope" und da wurde das erste Mal klarer, was die Bösen so böse macht. Die Serie "Andor" vertiefte das 2022, mit dem Kampf des Rebellen-wider-Willens Cassian Andor gegen das Imperium. Und wenn auch konventionell erzählt und in den ersten Folgen relativ langatmig, entpuppt sich "Andor" als die bisher beste Star-Wars-Serie aus dem Hause Disney. Das Imperium wird hier als faschistisch denkende und handelnde Institution entlarvt. Und das unabhängig von Imperatoren und dunklen Lords. Aber die eigentliche Leistung ist, dass "Andor" nicht nur eine Parallele zur Gegenwart auf unserem Planeten zieht.

Zu sehen bei Disney plus

Laura Selz empfiehlt: "Maid"

Wir kennen viele inspirierende "Girl-Boss-Serien", in denen junge Frauen sich behaupten und durch harte Arbeit und Willenskraft nach oben kämpfen. Aber "Maid" ist ein anderes Kaliber: Eine junge Frau versucht, sich aus einem System zu befreien, aus dem es eigentlich kein Entkommen gibt: Armut im Trailer Park, eine suchtkranke Familie, Missbrauch, Gewalt. Und eine zu frühe, ungeplante Mutterschaft, die ihr Schicksal der Abhängigkeit zu zementieren scheint. Aber die Heldin hat ein Ziel: Sie muss da raus! Im Frauenhaus sortiert sie ihre Möglichkeiten - und heuert als Putzkraft an. Die Geschichte basiert auf der Autobiografie von Stephanie Land: "Maid: Hard Work, Low Pay, and a Mother's Will to Survive." Die Story allein ist heftig genug. Aber das Storytelling schnürt einem die Kehle zu. Diese Netflix-Mini-Serie ist so spannend geschrieben und so eindringlich gespielt, dass ich alle zehn Folgen in drei Sitzungen geschaut habe, weil ich dringend wissen musste, ob die Heldin es schafft. Aus dem Trailerpark übers Frauenhaus an die Uni zum ersehnten Literaturstipendium.

Zu sehen bei Netflix

Roderich Fabian empfiehlt: "Petra Kelly: Der rätselhafte Tod einer Friedensikone"

In der dreiteiligen Doku erleben wir Petra Kelly, die aus dem bayerisch-schwäbischen Günzburg stammt, als eine politische Aktivistin, die aus der Friedensbewegung der frühen 80er kommt. Sie ist alles andere als eine abgebrühte Politikerin, sondern überzeugt die Leute durch ihr glaubwürdiges Engagement. Das bestätigen auch die vielen Zeitzeugen, die hier als klassische "Talking Heads" zu sehen sind: Giovanni di Lorenzo von der ZEIT etwa oder ihr damaliger politischer Gegner Theo Waigel von der CSU und auch der in der Doku besonders wehmütige Freund Konstantin Wecker. Diese absolut sehenswerte Mini-Serie trägt den Untertitel "Der rätselhafte Tod einer Friedensikone" und behauptet damit einen Spannungsfaktor, auf den es in diesem Film aber eigentlich gar nicht ankommt. Vielmehr wird hier sehr anschaulich und nachvollziehbar der tragische Aufstieg und Fall einer Idealistin beschrieben, für die im Haifischbecken Politikbetrieb am Ende kein Platz mehr war. Und dass Petra Kelly neben ihrer Friedens- und Umweltpolitik auch frühe, feministische Akzente gesetzt hat.

Zu sehen bei Sky

Ferdinand Meyen empfiehlt: "Dead To Me"

"Dead To Me" ist für mich die beste Comedy-Serie der letzten Jahre. Umso trauriger war ich letztes Jahr, als bekannt wurde, dass Hauptdarstellerin Christina Applegate an Multipler Sklerose leidet. Lange war unklar, ob "Dead To Me" überhaupt noch eine dritte Staffel bekommt – und das nachdem die Zweite vor fast drei Jahren mit einem sehr harten Cliffhanger zu Ende ging. Umso schöner, dass es dieses Jahr endlich weiter (und wohl wirklich auch zu Ende) geht. Und dass die Serie, obwohl man Appelgate die Krankheit und die Medikamente ansieht, nichts an ihrer Qualität verloren hat. Dass Appelgate wohl mit dem Rollstuhl zum Set gebracht werden musste – und nur noch am Stock gehen kann, ist in keiner Sekunde zu spüren. Sie bringt mich immer noch genauso zum Lachen wie in einem ihrer ersten Auftritte als böse Schwester in "Friends". Vielleicht ist man deswegen auch befangen, und kann das, was man sieht, gar nicht schlecht finden. Aber bei "Dead To Me" ging es ja immer schon um traurige Ereignisse und deren komische Komponenten. Mehr kann man gar nicht erzählen, ohne zu viel zu spoilern. Aber wer die Serie noch nicht kennt, dem ist sie dringend ans Herz gelegt!

Zu sehen bei Netflix

Katja Engelhardt empfiehlt: "Shining Girls"

Diese Romanverfilmung ist – wie alles, was Elizabeth Moss anpackt – Serien-Gold. Die Welt von Hauptfigur Kirby (Elizabeth Moss) ist in ständiger Bewegung. Mal lebt die junge Frau mit einem Hund und ihrer Mutter zusammen, mal mit einer Katze und ihrem Ehemann. Sie kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, welcher Schreibtisch im Büro ihr gehört. Kirby ist traumatisiert. Seit einem brutalen Überfall, den sie nur knapp überlebt hat. Als ihr klar wird, dass sie es mit einem Serientäter zu tun hatte, will sie ihn gemeinsam mit einem Reporter (Wagner Moura) zur Strecke bringen. Diese von Elizabeth Moss (und unter anderem Leonardo DiCaprio) produzierte Serie zeigt auf, wie normal Opfer und Mordopfer in Serien für uns schon sind. Ein Mord oder Überfall bringt die Handlung in Gang, dann spielt das Opfer keine Rolle mehr. "Shining Girls" bricht mit dieser Dynamik. Wir lernen die Opfer kennen, wissen von ihren Ambitionen und ihrem Umfeld. Kirby bleibt nicht passiv, sondern wird aktiv. Die gedeckten Farben und Kameraeinstellungen, wie aus einer gottgleichen Perspektive, machen diese Serie zu einem spannenden Krimi-Mystery-Hybriden. Einige Folgen hat Regisseurin und Produzentin Michelle MacLaren gedreht, die diese Herangehensweise auch bei "Akte X" gelernt hat. Na dann: Happy watching!

Zu sehen bei Apple TV

Fatemeh Khodadadian empfiehlt: "Ms. Marvel"

Eigentlich ist "Ms. Marvel" eine typische Coming Of Age Geschichte. Die Protagonistin ist eine ziemlich verplante, fröhliche Teenagerin namens Kamala Khan. Das muslimische Mädchen wächst in New Jersey auf, ist Gamerin und Youtuberin und schreibt Fan-Fiction über ihren Lieblings-Superhelden Captain Marvel. Wir begleiten Kamala auf ihrem Weg, sich und ihre Identität zu erforschen, sich von ihrem Idol Captain Marvel zu emanzipieren. Und dann, wie es sich für Marvel gehört, wird Khamala selbst zur Superheldin. Ihr Name – fast noch einfallsreicher als der ihres Idols: Ms. Marvel. Das Besondere an Ms. Marvel ist aber nicht der Name: Sie ist eine Superheldin, die muslimischen Glauben hat. Und das feiern viele und können es kaum glauben. Auf Social Media weinen Marvel-Fans Tränen der Freude. Naja. Eine diverse Ms. Marvel als Cashcow für den Marvel-Vorsitzenden Isaac Perlmutter, der ein alter Freund und Berater von Donald Trump ist? Und Trump richtete den berühmten "Muslim Ban" ein, der der muslimischen Community großes Leid zufügte? Trotz aller Doppelmoral muss man aber sagen: Selten in der Comic-Szene hat eine muslimische Figur die Menschen so sehr begeistert wie diese.

Zu sehen bei Disney plus

Alba Wilczek empfiehlt: "Harry & Meghan"

Was Meghan Markle die letzten Jahre erlebt hat, ist ekelhaft. Sie hat einen Prinzen geheiratet und wurde dann niedergemäht, vom Druck des Royal Houses, der britischen Tabloid-Presse und einer misogynen Hass-Armee im Internet. Es ist wichtig und richtig, dass die beiden nun ihre Geschichte aus eigenem Mund erzählen können. Denn jahrelang haben das andere für die beiden getan, teilweise Menschen die sie gar nicht kannten. Ja, ich gebe meinem Kollegen Ferdinand Meyen recht, all das passiert sehr aufproduziert, dramatisch und intim. Und ja, ich bin auch der Meinung, dass Vermögen von oben nach unten umverteilt werden muss und die zwei sehr privilegierte Menschen sind. Aber: das betonen beide auch immer wieder, und Meghan hat für mich und viele andere auch als Symbol genau so nach außen gewirkt: Eine, die Rassismuserfahrungen und Armut selbst erlebt hat, die eine erfolgreiche (humanitäre) Karriere hatte und jetzt ins Königinnenhaus spaziert um ein bisschen Awareness hineinzubringen. Aber alles Geld der Welt bringt dir nichts, wenn alle sechs Wochen deine Location geleaked wird und daraufhin Drohnen, Helikopter, Boote und Einzelpersonen dein Haus umstellen. Dieser ganze Talk von "Adel verpflichtet" ist Bullshit. Reichtum und Privilegien verpflichten dich vielleicht, deine Augen nicht zu verschließen und soziale Ungleichheiten zu erkennen und bekämpfen. Aber am Ende sitzen da trotzdem immer noch zwei Menschen und haben Angst, oder nehmen sich Morddrohungen im Internet zu Herzen. In der ganzen Story ging es nie darum, dass Meghan und Harry öffentlichkeitsscheu sind und in Ruhe gelassen werden wollen. Beide hatten Bock auf den Job, wollten ihn für Gutes nutzen und am Ende sogar ihr eigenes Geld verdienen, damit die Presse ihr dämliches Argument "We pay, You pose" verliert. Aber das System hat die beiden fertig gemacht: mit Rassismus, Doppelmoral und jede Menge Frauenhass. Erst kürzlich schrieb ein englischer Zeitungs-Journalist frei von der Seele weg, er träume davon Meghan zu vergewaltigen. Wie anfangs gesagt: ekelhaft. Und so auch die Angewohnheit, Frauen nicht das zu glauben, was sie dir erzählen.

Zu sehen bei Netflix