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Serien-Highlights 2020 Das sind die besten Serien des Jahres

Im Jahr 2020 haben wir so viele Serien geschaut wie schon lange nicht mehr. Wer noch mehr Inspiration für die nächste Binge-Session braucht: Hier sind die Lieblingsserien des Jahres der Zündfunk-Redaktion.

Stand: 15.12.2020

Extracurricular | Bild: Netflix

Gregor Schmalzried empfiehlt: Spuk in Bly Manor

Ein unheimliches Herrenhaus in der britischen Einöde. Zwei Kinder mit einem düsteren Geheimnis. Ein Au-Pair-Mädchen, die ihre eigenen Dämonen mitbringt. Und unheimliche Erscheinungen, scheinbar hinter jeder Ecke. Basierend auf Henry Thomas’ Gothic-Klassiker “The Turn of the Screw” macht “Spuk in Bly Manor” alles, was eine moderne Horror-Serie tun kann und versetzt das Ganze zum Schluss auch noch mit einer so feinfühligen und herzzermeißelnden Liebesgeschichte, das es einem glatt den Lockdown-Teppich unter den Füßen wegreißt. Zum Erschrecken, Aufschreien und Ausheulen. Nach einer Staffel abgeschlossen und eine der besten Horror-Serien aller Zeiten.

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Spuk in Bly Manor | Offizieller Trailer | Netflix | Bild: Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (via YouTube)

Spuk in Bly Manor | Offizieller Trailer | Netflix

Zu sehen auf Netflix

Michael Bartle empfiehlt: I May Destroy You

Liebe, Verschwendung, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung. Diese Serie über das urbane, eher schwarze London ist eine ziemliche Zumutung. Und hat eine der krassesten Hauptdarstellerinnen der letzten Jahre: Michaela Coel hat „I May Destroy You“ nicht nur geschrieben und produziert, sie spielt auch Bella, die junge Schriftstellerin, die mit ihrem Debüt nicht recht vorankommt, nachdem sie nach einer durchzechten Nacht vergewaltigt wurde. Michaela Coel ist ein unfassbares Brett. Sie kann einfach alles. Hip, schlau, black, überpräsent und nervt trotzdem nie. Trotz des harten Stoffs feiern wir mit Bella das Großstadtleben. Lachen mit ihr, wenn sie uns Whiteys eine mitgibt, weil unsere Diskurse wieder mal wichtigtuerisch daherkommen. Wozu sie jedes Recht hat, weil sie ihre Diskurse doch selbst so federleicht, fröhlich und dann wieder tieftraurig durchdekliniert. Weil wir als Zuschauer wissen, dass auch diese Serie in weiten Teilen autobiografisch ist, Michaela selbst Opfer einer Vergewaltigung wurde, schauen wir „I May Destroy You“ in permanenter Schnappatmung. Hatten wir schon erwähnt wie gut die Musik ist in dieser Serie ist? Soul, UK-Grime, Hip Hop von Tierra Whack, Janelle Monae bis Arlo Parks, sogar die Joubert Singer sind im Soundtrack.

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I May Destroy You | Official Trailer | HBO | Bild: HBO (via YouTube)

I May Destroy You | Official Trailer | HBO

Zu sehen auf Sky

Lisa-Sophie Scheurell empfiehlt: Extracurricular

Die koreanische Netflix-Serie handelt von Oh Jisoo, einem Musterschüler, der ohne seine Eltern lebt (sein Vater ist spielsüchtig und immer pleite). Damit er nicht so endet wie sein Vater, erzielt er in der Schule nur Bestnoten und steht kurz davor auf eines der besten Collages des Landes zu gehen. Doch neben den Prüfungen muss er seinen Lebensunterhalt finanzieren - als Zuhälter. Inkognito vermittelt er Prostituierte an Freier, und bietet nebenbei noch einen Schutzservice für diese Frauen an. Sind sie in Not, können sie per Knopfdruck auf einem Armband nach einem Bodyguard rufen. Alles scheint für Jisoo einigermaßen gut zu laufen, er hat gute Noten und eine Menge Geld. Doch dann kommt eine Klassenkameradin hinter sein Geheimnis und will sich in sein Geschäft mit einklinken. Die Leistung des Hauptdarsteller Kim Dong-Hee ist umwerfend, er spielt den Protagonisten extrem unschuldig und man sympathisiert total mit ihm. An dem Punkt wo die Klassenkameradin dazu kommt denkt man sich: Wait, das was der Typ macht ist doch gar nicht so geil?! Man beginnt seine eigenen Werte zu hinterfragen und es zeigt einen sehr realen Teil der koreanischen Gesellschaft, der sonst nicht so oft in K-Dramas wiedergespiegelt wird. Hier ist nicht alles happy und es läuft alles glatt, nein, man fühlt sich ein bisschen wie in einer Dystopie, aber weiß die ganze Zeit, dass das alles sehr sehr real ist.

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Extracurricular | Official Trailer | Netflix [ENG SUB] | Bild: The Swoon (via YouTube)

Extracurricular | Official Trailer | Netflix [ENG SUB]

Zu sehen auf Netflix

Ferdinand Meyen empfiehlt: Das Damengambit

Hey, wir schreiben eine spannende Serie über Schach. Das klingt wie: Hey, lass uns einen Actionfilm über Eisstockschießen drehen. Und doch ist „Das Damengambit“ für mich die beste Serie 2020. Eine große Hauptdarstellerin, eine große Handlung, Figuren, die von Folge zu Folge sympathischer werden (selbst Borghov) und ja – unglaublich groß inszenierte Schach-Partien. Klar, vieles beim Damengambit ist vorhersehbar, weil man es schon oft gesehen hat. Und manchmal amüsiert man sich auch über die argen Pappkulissen (Moskau, Mexico City). Aber irgendwie kriegt man trotzdem nie genug von dieser Serie. Und nachdem am Ende dann sogar noch die Ost-West-Stereotype links liegen gelassen werden, kann man nur hoffen, dass keine zweite Staffel mehr kommt, die den Zauber der ersten ruiniert.

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The Queen’s Gambit | Official Trailer | Netflix | Bild: Netflix (via YouTube)

The Queen’s Gambit | Official Trailer | Netflix

Zu sehen auf Netflix

Jan Rothe empfiehlt: The Mandalorian

Angesetzt im Star Wars-Universum wird "The Mandalorian" mit jeder Folge besser. Und das liegt nicht nur an "dem Kind" (auch Baby Yoda genannt), sondern einfach an einem Gefühl, welches die Serie verstrahlt. Selbst Nicht-Star Wars-Fans kommen hier auf ihre Kosten, aber sind wir mal ehrlich, besonders Fans der Reihe packt der Vibe und lässt sie jede Woche aufs neue über Fantheorien, Eastereggs und die gesamte Handlung schwärmen. Selten sah eine Fernsehserie so gut aus - und war gleichzeitig für Jung und Alt geeignet. Dieses Jahr kam Staffel 2, die sowohl inhaltlich als auch actiontechnisch noch eine ganze Schippe nachlegt.

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The Mandalorian | Season 2 Official Trailer | Disney+ | Bild: Star Wars (via YouTube)

The Mandalorian | Season 2 Official Trailer | Disney+

Zu sehen auf Disney Plus

Katja Engelhardt empfiehlt: The Virtues

Joseph scheint ein klarer Fall zu sein: Alkoholiker. So lernen wir ihn in der ersten der vier Folgen kennen. Nach seinem neusten Rückfall begibt er sich in seine Vergangenheit - und zu seiner Schwester, die er seit über 30 Jahren nicht gesehen hat. "The Virtues" ist einerseits so bedeutungsschwanger erzählt, dass wir dranbleiben, andererseits so realistisch und auf Details bedacht, dass wir Stück für Stück Josephs Kindheit erahnen, aber nichts vorgekaut wird. Rückblicke, wie wackelige Homevideos gedreht, machen beklommen, das Gesicht von Schauspieler Steven Graham wird zur Fratze. Über Joseph erzählt die Serie das Schicksal von Vielen als hätten wir davon nie gewusst. Wie Shane Meadows in seiner Serie Schmerz zeigt, ist meisterhaft.

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TRAILER | The Virtues | Watch on All 4 | Bild: Channel 4 (via YouTube)

TRAILER | The Virtues | Watch on All 4

Zu sehen bis Ende des Jahres auf arte.tv

Roderich Fabian empfiehlt: Raised By Wolves

Die Ridley Scott Sci-Fi-Serie ist ist kein Kinderkram und nichts für schwache Nerven. "Raised By Wolves" ist zutiefst amerikanisch, denn die Widersprüche zwischen religiöser Ethik und wissenschaftlich-abgesicherten Fakten werden dort viel heftiger ausgetragen als bei uns. Wer sich trotzdem darauf einlassen will, bekommt jedenfalls spannende Unterhaltung geliefert, und tatsächlich auf Ridley-Scott-Niveau. Mehr über die Serie könnt ihr hier lesen.

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Raised by Wolves | New Trailer | HBO Max | Bild: HBO Max (via YouTube)

Zu sehen auf Sky

Lena Sauerer empfiehlt: Normal People

Die Serie „Normal People“ nach der Romanvorlage von Sally Rooney ist so nah dran, es fühlt sich an, als habe man die Charaktere selbst schon geküsst. Das ist ungewöhnlich und verlangt dem/der Zuschauer*in einiges ab. Es tut weh, wenn Marianne und Connell zueinander finden, um sich im nächsten Moment wieder zu verlieren, einfach weil sie nicht sagen, was sie eigentlich wollen. Es tut vor allem weh, weil man das selbst so sehr nachvollziehen kann.

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Normal People Trailer (Official) • A Hulu Original | Bild: Hulu (via YouTube)

Normal People Trailer (Official) • A Hulu Original

Zu sehen auf Amazon Prime Video

Paula Lochte empfiehlt: Unorthodox

Nach dem autobiografischen Roman von Deborah Feldman. Hier treffen Feminismus, religiöser Fanatismus und toughe Frauen vor und hinter der Kamera aufeinander. Herausgekommen ist eine Miniserie, in der Opfer nicht bloß passiv und Täter nicht nur böse sind.

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Unorthodox | Haupt-Trailer | Netflix | Bild: Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (via YouTube)

Unorthodox | Haupt-Trailer | Netflix

Zu sehen auf Netflix

Alba Wilczek empfiehlt: The Bold Type

In dieser Serie von 2017 begleiten wir drei Frauen: Sutton, Jane und Kat. Alle drei sind bei der fiktiven Frauenzeitschrift „Scarlet“ angestellt und üben dort unterschiedliche Jobs aus. Jane ist ambitionierte Writerin, Kat Social-Media-Expertin und Sutton arbeitet in der Fashion-Abteilung. Was erstmal ziemlich basic klingt, wird schnell deep. Jede Frau hat ihren eigenen Struggle, mit der Liebe, mit dem Leben, mit dem Job. Im Laufe der ersten und der zweiten Staffel werden so nach und nach viele wichtige große Topics thematisiert: Rassismus, Kapitalismus, Sexismus und die LGBTIQA*-Community. Dieses Jahr kam endlich die heiße erwartete dritte Staffel heraus und erneut verläuft alles nicht so, wie man es vielleicht von einer Serie um eine Frauenzeitschrift erwartet. Die Charaktere sind schnell ins Herz geschlossen, insbesondere die Chefredakteurin von Scarlet, Jaqueline - ein Mix aus Anna Wintour, Alice Schwarzer und Samantha Jones. Und so kann man sich ganz auf den Plot konzentrieren. I Love!!!

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The Bold Type | Official Trailer | Freeform | Bild: Freeform (via YouTube)

The Bold Type | Official Trailer | Freeform

Zu sehen auf Amazon Prime Video

Valerie Trebeljahr empfiehlt: Parlament

„Fuck the EU!“ Vor ein paar Jahren ging der Fauxpas der Obama-Beraterin Victoria Nuland viral. An den Spruch musste ich immer wieder denken, als ich „Parlament“ gesehen habe, mein Überraschungshit und absolute Lieblingsserie dieses Jahr. So witzig, schlau und liebevoll wird hier die EU aufs Korn genommen. „Fuck the EU“ scheinen alle Protagonisten zu denken: Die britische Abgeordnete, die sich dank Brexit selbst abschafft. Die intrigante Deutsche – gespielt von Christiane Paul – die über Leichen gehen würde, um die Populisten zu stoppen und der sympathische, arbeitsscheue Franzose, der nie Anträge stellt, weil sie unweigerlich endlose Diskussionsrunden nach sich ziehen. In diese Welt platzt EU-Parlaments-Frischling Samy. Und es ist grandios, ihm im Kampf um den Glauben an das Gute im Menschen zuzuschauen. (OmdtU)

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Parliament - trailer | Bild: Cinétévé GS (via YouTube)

Parliament - trailer

Zu sehen in der ARD Mediathek

Michael Bartle empfiehlt: Devs

Nach „Ex-Machina“ wechselt nun auch Alex Garland in das Mini-Serien-Genre. Und schenkt uns wieder einen als Thriller verkleideten, fast schwebenden Tanz mit der Philosophie und den fast blasphemischen Allmachts-Phantasien von Silicon Valley. Denn der Google-hafte Tech-Konzern, für den Sergei und Lily programmieren, arbeitet an der Aufhebung der Zeit und damit letztlich an der Unendlichkeit. Besser, dem nicht in die Quere kommen, sonst verschwindet man so spurlos wie Sergei. Auch hier vergisst man die vier, fünf Hauptfiguren so schnell nicht und freut sich, dass neben Low und Billy Eilish im Soundtrack plötzlich das zeitlose „Oh I Wept“ von Free wieder auftaucht.

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Devs (Hulu) Trailer HD - Nick Offerman, Sonoya Mizuno series | Bild: TV Promos (via YouTube)

Devs (Hulu) Trailer HD - Nick Offerman, Sonoya Mizuno series

Zu sehen auf Sky

Jan Rothe empfiehlt: Dark

Wir sind bei deutschen Filmen und Serien oft sehr skeptisch. Zurecht. Doch selten war eine Serie so durchdacht, so mitreißend, so genial geschrieben wie "Dark". Das Serienfinale bringt mit der dritten Staffel neue Zeitebenen, neue Figuren und einfach noch mehr Brainfuck - im positivsten aller Sinne. Absolut perfekt ausgeklügelt endet die deutsche Serie mit dem dystopischen Vibe und stellt jeden Fan der ersten Stunde zufrieden. Und das beste ist: Wir haben erneut einen Grund, Staffel 1 und 2 nochmal zu gucken.

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Dark: Staffel 3 | Offizieller Trailer | Netflix | Bild: Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (via YouTube)

Dark: Staffel 3 | Offizieller Trailer | Netflix

Zu sehen auf Netflix

Hinweis: Der Zündfunk hat nicht nur einige der besten Serien 2020, sondern auch gute Bücher, Games und Filme für euch zusammengetragen. Außerdem kommt ihr hier zu unseren Alben und hier zu unseren Singles des Jahres.


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