Bayern 2 - Zündfunk


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"Kabul Fire Vol.2" Neben Hayiti und Haftbefehl feiern auch NAS oder Action Bronson die Beats vom Hamburger Farhot

Farhad Samadzada ist ein in Hamburg lebender Beat-Bastler. Der gebürtige Afghane produzierte schon für Haiyti, Talib Kweli und Haftbefehl. Für sein Solo-Werk "Kabul Fire Vol.2" entdeckte er alte afghanische Schallplatten. Ralf Summer ist begeistert.

Von: Ralf Summer

Stand: 11.02.2021

Der Hamburger Musikproduzent Farhot | Bild: Firas Colin

Mit Klangschnipseln einer schwarzen, afghanischen Komödie beginnt die Platte: Ein Junge stößt auf tote Soldaten. Die Szene stammt aus “Opium War” von 2008, gedreht vom Golden Globe-Gewinner Siddiq Barmak. Am Schillerndsten ist wohl das Instrumental “Yak Sher” - zu Deutsch: “ein Gedicht”. “Dieses Gedicht hab ich auf Youtube entdeckt: Ahmad Scha Massoud, ein Freiheitskämpfer, hat ein Gedicht vorgetragen, was mich sehr überrascht hat. Hat superschön geklungen und ich fand es einfach interessant, hier mal was von dem Menschen mitzubekommen, sonst kannte ich ihn eher als Krieger.”

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Yak Sher | Bild: Farhot - Topic (via YouTube)

Yak Sher

Farhot, der begehrte Hamburger Produzent, heißt eigentlich Farhad Samadzada. Er ist in Kabul geboren, er kam mit seinen Eltern nach Deutschland. Sein Vater ist Teppichhändler, er besorgte die Sonderanfertigung für das Albumcover seines Sohnes: Teppiche, auf denen “Kabul Fire” geknüpft ist. Und ums Verknüpfen geht es Samadzada Junior: Zu alten Samples voran gegangener Generationen spielen nun die Musiker*innen dieser Generation. “Ich habe Kunstschaffende aus Afghanistan entdeckt und mit kunstschaffenden Afghanen hier connected, wie zum Beispiel die Hamburger Musikerin Moshtari Hilal“, so Farhot.

Gut vernetzt in Hamburg

Farhot ist gut vernetzt in Hamburg und hat mit einem Benefiz-Sampler Geld für afghanische Schulen gesammelt. Sammy Deluxe steuerte einen Song bei und der Präsident von St. Pauli spendete Geld. Bei Farhots neuer Platte bekam er unverhofft Unterstützung von einem DJ der Stadt: Booty Carrell aka Sebastian Reier, inzwischen Musikkurator an den Münchner Kammerspielen. Sebastian rief Farhot letztes Jahr wegen eines Theaterprojekts an. Weil sie ums Eck wohnten, spielte Sebastian ihm altes, afghanisches Vinyl vor. Musik aus der Heimat Farhots, die der aber nicht kannte. Nicht kennen konnte: “50 Jahre Bürgerkrieg, diasporische Kultur. Da ist ganz viel verloren gegangen oder hat sich in die Welt versprengt. Lustigerweise hab ich kein einziges Sample erkannt, von den Platten, die ich Fari gegeben habe. Weil seine Sampletechnik so irre ist. Und so schnell. Manchmal haben wir eine Platte am Morgen besprochen und schon am Mittag schickte er mir ein Stück. Er ist ein großer Meister seines Fachs“, so Sebastian Reier.

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FARHOT - FEEL UGLY (Official Video) | Bild: Kabul Fire Records (via YouTube)

FARHOT - FEEL UGLY (Official Video)

Wunder

Der Hit der Platte ist für uns „Feel Ugly“ mit den beiden britischen Rappern Tiggs Da Author und Maverick Sabre. Könnte fast ein Song von Michael Kiwanuka sein. Farhot: „‘Feel Ugly‘ ist nach wie vor ein kleines Wunder für mich, es ist vollkommen spontan entstanden: Maverick hat alles gefreestylet, die Worte, die Melodie. Und Tiggs hat einfach rasiert.”

Wenn etwas ein Wunder ist, dann wohl Farhots Karriere. Klar, Farhot beliefert ja auch Rapstars wie Nas oder Action Bronson mit Instrumentals.  Und wenn einer „rasiert“, dann er mit seinen messerscharfen Beats. Schön, dass wir über Farhot Zugang zur unbekannten und geschundenen Kultur seiner Heimat erhalten. Und Afghanistan nun auf unserer City of Pop-Landkarte auftaucht.


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