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Neu im Kino “Der Fall Sarah & Saleem” zeigt, wie eine Liebe im Nahostkonflikt zum politischen Verbrechen wird

Jerusalem. Sarah und Saleem haben eine Affäre. Als diese auffliegt, steht weit mehr auf dem Spiel als ihre Ehen. Denn Sarah ist Israelin und Saleem Palästinenser. Die Geheimdienste greifen ein.

Von: Roderich Fabian

Stand: 13.03.2019

Der Fall Sarah & Saleem | Bild: Missing Films

Sarah ist Mitte 30, Jüdin und verheiratet mit einem Polizisten, David, mit dem sie auch ein Kind hat. Sarah betreibt ein hippes Café im israelischen Teil Jerusalems. Der Palästinenser Saleem lebt im anderen Teil der geteilten Stadt, aber er darf über die Grenze, weil er als Ausfahrer einer Bäckerei eine Sondergenehmigung dafür hat. Saleems Frau ist gerade mit ihrem ersten Kind schwanger. Trotzdem: Sarah und Saleem haben eine Affäre, die fast ausschließlich aus leidenschaftlichem Sex besteht. Nachts treffen sie sich kurz im Westteil der Stadt, schlafen im Auto miteinander, um danach zu ihren Ehepartnern zurückzukehren. Doch an einem Abend hat Saleem noch nicht frei. Wider aller Vernunft begleitet Sarah ihn auf die andere Seite der Grenzmauer - die beiden sind in der Phase irrationaler Anziehungskräfte.

Der Ausflug nach Bethlehem, also ins Westjordanland, wird Sarah und Saleem zum Verhängnis werden, denn ihre Beziehung wird entdeckt, zunächst nur vom palästinensischen Geheimdienst. Der kassiert Saleem ein und möchte aus ihm einen Agenten machen. Nur so - meint sein angeblich wohlmeinender Freund - könne man das Geheimnis vor Saleems Frau bewahren.

Frühes Highlight im Kinojahr 2019

Anders als bei Ehedramen aus Hollywood hat dieser Film ziemlich schnell eine politische Dimension. Sarah und Saleem stehen also doppelt unter Druck, zum einen wegen der Schuldgefühle gegenüber ihren Familien, zum anderen, weil sie in Jerusalem in einem ungeheuren Spannungsfeld leben. Diese doppelte moralische und politische Konfrontation nutzt der erst 34-jährige Regisseur Muayad Alayan zu einem wirklich packenden und zwingenden Drama.

“Der Fall Sarah & Saleem” läuft ab 14.3.2019 im Kino

Irgendwann bekommt auch die israelische Seite Wind von der Affäre. Saleem wird festgenommen. Seine Anwältin spürt Sarah auf und versucht sie, zu einer Aussage zu bewegen. Sarah ist also gezwungen, sich zu entscheiden. Und schließlich sind alle in dieses Drama involviert, das uns zeigt, wie unüberbrückbar die Gräben in dieser Region sind. Anders als bei Filmen wie „Eine verhängnisvolle Affäre“ braucht es dann auch keinen gewalttätigen Showdown, um die Geschichte aufzulösen. Die Figuren hier sind weder Helden noch Opfer - sie sind - wie die meisten von uns - ambivalente Menschen, die mit den Konsequenzen ihres Handelns leben müssen. „Der Fall Sarah und Saleem“ ist ein frühes Highlight im Kinojahr 2019 - schade, dass man sich eine Synchronisation gespart hat.


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