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Dokumentarfilm "trustWHO" über die Weltgesundheitsorganisation Wie die WHO durch die Abhängigkeit von ihren Geldgebern korrumpiert wurde

Die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, wurde einst mit dem hehren Ziel gegründet, die Gesundheit aller Menschen weltweit zu verbessern. Doch längst sagen die Pharma-Unternehmen, wo’s lang geht. Das zeigt die deutsche Regisseurin Lilian Franck in ihrem Film "trustWHO".

Von: Roderich Fabian

Stand: 28.02.2018

Lilian Franck, Regisseurin des Dokumentarfilms "trustWHO" | Bild: Real Fiction

Die meisten Dokumentarfilme der Gegenwart bilden nicht mehr einfach nur ab, sie verfolgen eine Mission. So auch hier: Lilian Franck zeigt am Anfang von "trustWHO" ein spielendes Kind in Zeitlupe. Die logische Assoziation ist sofort: Hier geht’s um die Zukunft der nächsten Generation, dies ist wichtig! Tatsächlich beschäftigt sich die Regisseurin dann mit einem sperrigen, nicht so leicht zu bebildernden Thema: Der Entwicklung der WHO, also der Weltgesundheitsorganisation in den letzten Jahren. 1948 noch mit dem hehren Ziel gegründet, das Wohlergehen aller Menschen auf dem Planeten zu verbessern, werden inzwischen Zweifel laut an der Glaubwürdigkeit der Organisation. Lilian Franck macht das an einigen Beispielen deutlich. Etwa an der sogenannten Schweinegrippe-Pandemie von 2009.

Filmplakat "trustWHO"

Viele Staaten wie Italien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien, erklärt sie im Film, schlössen vor der Schweinegrippe Geheimverträge mit Pharma-Unternehmen ab. "Sie verpflichten sich, Schweinegrippe-Impfstoffe einzukaufen. Aber erst dann, wenn die WHO die Pandemie-Stufe 6 erklärt." Das tut die WHO dann auch, und die Geheimverträge mit der Pharma-Industrie treten in Kraft, fast so etwas wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Erst später stellt sich heraus, dass die Schweinegrippe weitaus weniger gefährlich war als die meisten normalen Grippe-Wellen. In "trustWHO" treten nun Kritiker der WHO vor die Kamera, etwa Wolfgang Wodarg, ehemaliger Abgeordneter im Europarat. Glaxo, Novartis, Xanofi - alle hätten sie diese Impfstoffe in neuen Produktionsanlagen für die Pandemie bereitgestellt, alle hätten sie Verträge mit Nationalstaaten gemacht, erklärt er. "Und dadurch, dass sie so viel investiert hatten, aber das nicht verkaufen konnten, weil ja keine Pandemie kam. Und die nächste Grippe war auch nicht in Sicht. Und da haben sie eine gemacht."

Panikmache durch die WHO

Man kann das Ausrufen einer hochgradigen Pandemie durch die WHO also im Nachhinein als Panikmache einstufen, die die Gewinne der Pharma-Unternehmen mehrte. Lilian Franck findet dann auf investigativem Wege auch tatsächlich Sachverständige, die als Berater sowohl für die WHO als auch als für die Pharma-Unternehmen arbeiten, etwa den Virologen Albert Osterhaus, der sich vor der Kamera sichtlich windet, als ihm die Autorin mit unbequemen Fragen kommt. Nein, das sei kein Interessenkonflikt, sagt er da. Er gebe ja auch an, was als Interessenkonflikt interpretiert werden könnte. Man müsse da sehr vorsichtig sein, natürlich könne das gegen einen verwendet werden. "Aber zumindest kann ich sagen, dass ich alles angebe. Immerhin offenbare ich, was ich tue."

Spätestens hier ist man als Zuschauer bereits überzeugt, dass die WHO längst korrumpiert ist. Aber auch, wie es dazu kommen konnte, erläutert uns Lilian Franck in ihrem Film: Im Zuge der Wirtschaftskrise in den 90er Jahren hätten alle Mitgliedsstaaten ihre Beiträge eingefroren. "Heute finanzieren UN-Organisationen, Stiftungen, NGO’s und die Industrie fast 40 Prozent des WHO-Jahresbudgets. Ihr zweitgrößter Geldgeber, direkt nach den USA, ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung." Die Abhängigkeit der WHO von ihren Gönnern wird auch bei der Atomkatastrophe von Fukushima deutlich. Da wird von der WHO direkt nach dem Reaktorunfall zunächst mal von der Verabreichung von Jodtabletten an die Anwohner abgeraten, da kaum eine radioaktive Gefahr für die Bevölkerung bestehe - eine gravierende Fehinformation, wie sich später herausstellen soll. Allsion Katz, ehemalige Mitarbeiterin der Organisation gehört seit Fukushima zu ihren größten Kritikern. Inzwischen betreibt sie die NGO "Independent WHO". "Die Japaner," erklärt sie, "berichten bereits über gravierende Folgen für die Gesundheit von Kindern, die die WHO ignoriert und nicht in ihren Berichten erwähnt. Nach dem Tschernobyl-Unfall konnten die Menschen dort auch nicht frei sprechen."

Vertrauensverlust

Die ehemalige WHO-Vorsitzende Margaret Chan

Insgesamt werden in "trustWHO" erhebliche Bedenken laut, und natürlich versucht die Autorin, die damals noch amtierende Vorsitzende, die Chinesin Margaret Chan, dazu zu befragen. Aber je mehr sich herumspricht, dass ein WHO-kritischer Film entsteht, desto mehr entzieht sich die Vorsitzende. Lilian Franck muss sich schießlich mit dem sichtlich genervten Pressesprecher Gregory Hartl zufrieden geben, der von der WHO als toller Organisation schwärm. "Ich bin ihr Pressesprecher. Ich mache das jeden Tag. Ich liebe diesen Job." Auf die Frage, ob sein Job schwieriger geworden sei, nachdem die WHO an Vertrauen verloren hat, lautet seine Antwort: "Wer behauptet denn, die WHO verliere an Vetrauen? Sind Sie das?"

Spätestens hier hat man das Vertrauen in die WHO dann vollends verloren. Und Lilian Francks Mission ist erfüllt, nämlich die, nachzuweisen, dass eine nach dem Zweiten Weltkrieg mit den demokratischsten Absichten gegründete Organisation längst Beute von Kapitalinteressen geworden ist.


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